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Wiesbadener entdecken die Freude am Stiften

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Von: Diana Unkart

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Andrea Kraft, Alrun Schößler und Thomas Michel (v. l.) im Erdgeschoss des Stiftungshauses.
Andrea Kraft, Alrun Schößler und Thomas Michel (v. l.) im Erdgeschoss des Stiftungshauses. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Gutes tun, das kann man bei der Wiesbaden Stiftung auch mit kleineren Beträgen. Im kommenden Frühling zieht sie an den Michelsberg.

Einen besseren Platz für den neuen Sitz der Wiesbaden-Stiftung kann es gar nicht geben, finden Vorstandsvorsitzender Thomas Michel und Geschäftsführerin Alrun Schößler. Der Michelsberg ist als Teil der Fußgängerzone bunt und belebt. Und mittendrin, dort, wo die Bewohner:innen der Stadt – die Alteingesessenen, die Jungen, die Zugezogenen, die Armen, die Studierenden, die Gutsituierten, die Bunten und die Biederen – zusammentreffen, möchte die Stiftung sein. Nächstes Jahr wird sie 20 Jahre alt. Für Ende April ist der Umzug aus dem kleinen Büro im Gebäude der Industrie- und Handelskammer in das neue Domizil, dessen Erwerb und Umbau zwei größere Spenden ermöglicht haben, geplant.

Es sei der nächste Schritt, sagt Alrun Schößler. Die Stiftung erreiche viele Menschen, habe eine große Reichweite, aber bislang sei sie noch zu wenig sichtbar. „Nun soll sie so sichtbar werden, dass die Leute Lust bekommen, etwas mit uns zusammen zu bewegen.“

Viele Wiesbadener sind – ob direkt oder indirekt – mit der Stiftung in Kontakt gekommen. Vielleicht haben sie den Vortrag eines Stadtteilhistorikers oder einer Stadtteilhistorikerin verfolgt, sich um den Leonardo-Schul-Award beworben, einen Stadtbaum gespendet oder haben als Vereinsmitglied eine Fortbildung besucht. Das Themenspektrum ist breit. Größtes Projekt der Stiftung ist das Bürgerkolleg, das seit 2010 kostenlose Weiterbildungen und Beratung für Vereine und Initiativen anbietet. In den neuen Räumen wird das Angebot im nächsten Jahr erweitert.

Noch aber ist das Stiftungshaus eine Baustelle. Im Erdgeschoss arbeiten die Handwerker an der Elektrik. Dieser Bereich soll später offen sein – in zweifacher Hinsicht: offen in der Gestaltung, barrierefrei mit modular nutzbarem Mobiliar und offen für alle, die sich mit Fragen und Anliegen an die Stiftung wenden. Die Servicestelle für die rund 2400 Wiesbadener Vereine wird ihren Platz dort bekommen. Damit werden Informations- und Beratungsleistungen an einem Ort gebündelt. Für Vereine steht auch ein Arbeitsplatz zur Verfügung., sie können den Raum zudem für Zusammenkünfte nutzen. Mit den neuen Aufgaben geht eine Vergrößerung des derzeit dreiköpfigen hauptamtlichen Teams einher.

Viele wollen stiften

Das Interesse an der Arbeit der Stiftung und am Stiften ist groß. Zur jüngsten Stifterversammlung kamen so viele Bürger:innen wie noch nie. Als die Wiesbaden-Stiftung 2003 mit rund 200 000 Euro Stiftungskapital gegründet wurde, war sie die 39. Bürgerstiftung in Deutschland. Heute gibt es 420. Die Zustifter:innen eint das Motiv, etwas für ihre Stadt tun zu wollen. Eine Bürgerstiftung eröffnet diese Möglichkeit auch Menschen, die über kein außergewöhnlich hohes Vermögen verfügen. Die Mindesthöhe liegt bei 3000 Euro. Für diejenigen, die mehr geben, aber auf den administrativen Aufwand einer eigenen Stiftung verzichten möchten, bietet sich die Möglichkeit eines Stiftungsfonds.

Sabine Schilling hat sich dafür entschieden. Mit Hilfe des in ihrem Namen neu eingerichteten Fonds beginnt im kommenden Jahr wieder das Projekt Leseritter, bei dem Schauspielschüler:innen Schüler:innen im Vorlesen ausbilden. „Die Stifter haben ein Herzensanliegen und wissen meist sehr genau, welche Menschen sie unterstützen möchten“, sagt Alrun Schößler. In diesem Jahr ist in Kooperation mit der Hochschule Rhein-Main der Böttiger-Preis für Architekturstudierende, der an den Wiesbadener Künstler und Architekten Franz Georg Böttiger erinnert, neu belebt worden. Mit der Hochschule und dem Gründerzentrum im Alten Gericht wird derzeit an Projektideen für ein Festival gearbeitet.

Der Impuls zur Stiftungsgründung sei damals von der Stadt ausgegangen, die das bürgerschaftliche Engagement stärken wollte, erinnert sich Thomas Michel, der dem Gründungsteam angehörte und sich – so wie seine Mitstreiter:innen – viele Jahre ehrenamtlich engagierte. Heute verfügt die Wiesbaden-Stiftung über ein Vermögen von rund 6,5 Millionen Euro. Und irgendwann, davon ist Thomas Michel überzeugt, werde sie sich selbst aus den Erträgen des Stiftungskapitals finanzieren.

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