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Wiesbadener Dezernentenwahl: Gegenkandidat ohne Chancen

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Von: Madeleine Reckmann

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Gegenpol zum Linksbündnis: Ulrich Vonderheid (links) mit Daniela Georgi und Christian Diers.
Gegenpol zum Linksbündnis: Ulrich Vonderheid (links) mit Daniela Georgi und Christian Diers. © Monika Müller

Die Opposition schlägt Ulrich Vonderheid als Stadtrat vor. Der glaubt selbst nicht an seinen Erfolg. Die Kooperation sieht keine Gefahr für den Sieg von Christiane Hinninger.

Die Wahl der langjährigen Grünen-Politikerin Christiane Hinninger zur Umwelt- und Wirtschaftsdezernentin am morgigen Donnerstag gilt eigentlich als gesetzt. Denn bislang war sie die einzige Kandidatin für das hauptamtliche Amt. Nun zaubern die vier Fraktionen der Wiesbadener Opposition, CDU, FDP, Freie Wähler/Pro Auto und BLW/ULW/BIG, einen Gegenkandidaten aus dem Hut.

Ulrich Vonderheid heißt der Mann, Jahrgang 1965, promovierter Betriebswirt und früherer Erster Bürgermeister der baden-württembergischen 50 000-Einwohner-Stadt Leonberg und Christdemokrat. Gefährlich werden kann Vonderheid Hinninger wohl kaum. Denn die Kooperation von Grünen, SPD, Linken und Volt, die Hinninger unterstützt, hat eine satte Mehrheit von fünf Stimmen in der Stadtverordnetenversammlung.

Wie aus Reihen der Kooperation zu hören ist, gibt es auch keine Anti-Stimmung gegen die profilierte Politikerin, die seit 1993 in Wiesbaden Politik macht und um die Jahrtausendwende Dezernentin für Umwelt und Verkehr war. Die Kooperationspartner sehen der Wahl also gelassen entgegen, teilen sie mit. Sie seien sicher, dass die Mehrheit für Hinninger zustande komme.

Vonderheid rechnet sich auch gar keine Chancen aus, das Rennen zu machen. „Es ist für mich Ehre und Herausforderung, Kandidat einer breiten bürgerlichen Front zu sein“, erklärt Vonderheid. Als Wirtschaftswissenschaftler habe er sich intensiv mit Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung befasst und wisse, dass seine Chancen schlecht stünden. Für ihn persönlich sei es ein Erfolg, wegen seiner Kompetenz ausgewählt worden zu sein, sagt er.

An Wahlniederlagen dürfte er gewöhnt sein. Ulrich Vonderheid erhielt im Juli 2021 gerade mal eine von 49 Stimmen, als er sich als Dezernent für das Sozial- und Kulturreferat der Stadt Fürth bewarb. In Reutlingen ging er im Oktober 2021 bei der Wahl zum Finanzbürgermeister gänzlich leer aus und 2020 war er bei der Wiederwahl zum Bürgermeister von Leonberg knapp gescheitert.

Diese Misserfolge Vonderheids gibt die Kooperation bekannt. Die vier Oppositionsfraktionen stellen Vonderheid als Fachmann für Wirtschaft und Verkehr dar. Er sei „ein fähiger kommunaler Manager und erfolgreicher Fachdezernent“ sagt CDU-Fraktionschefin Daniela Georgi. Laut FDP-Fraktionschef Christian Diers hat er die „Finanz- und Verwaltungskompetenz“, die es im Magistrat brauche, da die aktuelle Finanzlage schlecht und die Zustände in Teilen des Stadtkonzerns desaströs seien.

Georgi und Diers betonen immer wieder die angebliche Unfähigkeit des sogenannten Linksbündnisses, dem sie als Vertreter der „bürgerlichen Oppositionsfraktionen“ Sachverstand gegenüberstellten. Dass die Linke Teil des Bündnisses ist, ist für Diers und die anderen Vertreter:innen der Opposition noch immer ein rotes Tuch. Es sei wichtig, „einen Gegenpol zum Linksbündnis zu haben“, erklärt Renate Kienast von der Fraktion BLW/ULW/BIG.

Ulrich Vonderheid ist im südhessischen Bürstadt aufgewachsen und hat in Lampertheim Abitur gemacht. Nach dem Wirtschaftsstudium in Mannheim hatte er mehrere Funktionen in der Wirtschaft inne, bevor 2003 bis 2009 Erster Stadtrat von Lampertheim wurde und im Anschluss bis 2021 Erster Bürgermeister in Leonberg.

Er habe nicht die Absicht, „als Stinkstiefel“ die Kooperation auseinanderzubringen, behauptet Vonderheid, der sich für Gespräche mit den Kooperationsfraktionen bereit erklärte. Bislang habe er noch keinen Kontakt gesucht, sagt SPD-Fraktionschef Hendrik Schmehl. Bis zur Dezernentenwahl hat Vonderheid noch einen Tag Zeit.

Christiane Hinninger ist die Favoritin bei der Wahl.
Christiane Hinninger ist die Favoritin bei der Wahl. © Monika Müller

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