Wiesbaden

Citybahn ohne Oberleitung nur auf kurzen Abschnitten

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Planer erklären, warum Fahrdrähte in kälteren Regionen noch benötigt werden.

Die hiesige Winterkälte ist ein Grund dafür, warum die Citybahn nicht ganz ohne Oberleitung fahren können wird. Eigentlich ist Nizza das Vorbild für eine Bahn ohne Fahrdraht. Dort bewegt sie sich auf längeren Abschnitten elegant ohne den Strom von oben und lädt ihre Akkus in Haltestellen auf im Boden liegenden Kontakten auf. Sie kann sogar während der Fahrt einen Systemwechsel vornehmen und die Stromabnehmer an die Oberleitung fahren oder von dort wegnehmen. Aber Nizza liegt am Mittelmeer und nicht am Taunus.

Ein vollständiger Verzicht auf den Fahrdraht sei aus technischen Gründen in Wiesbaden nicht möglich, erklärte Martin Pächer, der für die Planung zuständige Projektleiter der Citybahn GmbH, auf einer Informationsveranstaltung. Denn die Bahnen ohne Fahrdraht bräuchten für die weiten Strecken schwere Akkus, was etwa bei der Überfahrt über die Theodor-Heuss-Brücke das Brückenbauwerk unzulässigerweise belasten würde. Zudem könnten im Winter die auf der Unterseite der Bahnen liegenden Systeme vereisen und gegen Glatteis gestreuter Splitt könnte sie beschädigen – ein Problem, das Nizza nicht kennt.

Pächer hofft jedoch, dass die noch zu bauende Straßenbahn auch in Wiesbaden auf kurzen Strecken ohne Fahrdraht auskommen kann. Ganz sicher ist dies jedoch noch nicht. „Fahrdraht ist noch der Stand der Technik“, sagt er, „und zudem billiger.“ Die französischen Systeme ohne Fahrdraht kosten ihm zufolge das Zwei- bis Dreifache. Das Projekt Citybahn steckt in der Vorplanung. Etliche Details stehen noch nicht fest. Ende 2019 oder im kommenden Jahr soll laut Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) die Entwurfsplanung beginnen. Der Wunsch nach Bahnen ohne Oberleitung kommt aus der Bürgerschaft. Einige Menschen befürchten, die Leitungen und Leitungsmasten könnten die schöne Stadt verschandeln.

Für kurze Strecken benötigen die Fahrzeuge kleinere Akkus, deren zusätzliches Gewicht die Brücke aushalten würde. Pächer geht von Abschnitten bis zu einem Kilometer Länge aus, die die Bahn ohne Fahrdraht bewältigen können solle. Die Idee: Auf Strecken von zwei bis drei Kilometern Länge fährt die Bahn ihre Stromabnehmer an den Fahrdraht und lädt ihre Akkus auf. Auf kürzeren Strecken könnte sie dann ohne Oberleitung fahren.

Pächer und sein Team haben den Herstellern von Straßenbahnsystemen vier Abschnitte definiert, in denen die Bahn ohne Oberleitung auskommen soll. Nun warten sie auf deren Vorschläge zur Technik. Die Abschnitte sind die Theodor-Heuss-Brücke, wo die Citybahn 900 Meter ohne Fahrdraht bewältigen soll; jeweils 600 Meter auf der Adolf-Todt-Straße bis zur Stettiner Straße und in der Biebricher Allee zwischen dem ersten und zweiten Ring sowie 500 Meter um die Ringkirche. Der Platz um die Ringkirche könnte zudem auch verkehrsberuhigte Zone werden, in die nur Anlieger hineinfahren dürfen. Der Kaiser-Friedrich-Ring soll jedoch befahrbar bleiben.

Für die Planung zur Citybahn, die einmal von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach führen soll, gelte die Vorgabe des „maximalen Baumerhalts“, versicherte Nicolai Thern, Planer der Schüßler-Plan Ingenieursgesellschaft. Der Bahnkörper liege höchstens zwölf bis 15 Zentimeter über dem Straßenniveau. Der Belag könne aus Pflaster oder ein Rasenbett sein, Details müssten noch geklärt werden. Schotter komme jedoch nicht vor.

Das Bürgerbegehren

Die Bürgerinitiative Mitbestimmung gegen die Citybahn rechnet damit, in zwei Wochen ausreichend Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt zu haben. Derzeit würden die Signaturen auf ihre Plausibilität kontrolliert.

Für ein Bürgerbegehren in Wiesbaden müssen 6227 Unterschriften im Magistratsbüro eingereicht werden. Rechtsamt und Wahlamt prüfen dann die Zulässigkeit.

Zwei Bürgerinitiativen möchten den Bau der Citybahn verhindern. Die BI Busse statt Bahnen sammelt ebenfalls Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Beide BI sind der Meinung, dass Elektrobusse die wachsende Zahl an Passagieren befördern können; zudem gibt es Kritik an den Oberleitungen.

Die Citybahn Gesellschaft und die BI Pro Citybahn entkräften die Kritik an dem Projekt regelmäßig. 

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