_200915frickhofen03_160920
+
Monika Frickhofen leitet die Blücherschule. Sie sagt, das Wichtigste sei, Kinder ernst zu nehmen.

Wiesbaden

Blücherschule steht im Finale des Deutschen Schulpreises

  • vonDiana Unkart
    schließen

In der Ganztagsschule lernen die Grundschüler ohne Leistungsdruck und Noten, dafür mit hoher Motivation. Sollte sich die Blücherschule im Finale durchsetzen, winkt ein sattes Preisgeld.

Eine Schule, die Schüler gern besuchen, eine, die die Stärken des Kindes in den Mittelpunkt rückt; eine Schule, in der Motivation den Leistungsdruck ersetzt: Diese Vision entwickelten Monika Frickhofen und das Team der Wiesbadener Blücherschule damals, im Jahr 2004, als die Situation im Viertel und in der Schule zu der Frage führte: Wie kann es gelingen, Chancengleichheit herzustellen – auch und vor allem für Kinder aus bildungsfernen Familien? Das Westend, in dem die Schule liegt, ist sozial heterogen, ein Schmelztiegel der Kulturen.

Aus der Vision ist Realität geworden. Die Grund- und Europaschule, in der rund 480 Kinder aus 36 Nationen lernen, gehört zu den 15 Finalisten des renommierten Deutschen Schulpreises. „Darauf sind wir stolz, weil es eine Bestätigung unseres Weges ist“, sagt Monika Frickhofen. Um eine Schule zu verändern, brauche es Zeit und ein Kollegium, das mitziehe. Sie war damals Konrektorin. Heute leitet sie die Schule und ist davon überzeugt, dass eine Ganztagsschule allen Kindern die besten Möglichkeiten biete.

Im Laufe der Jahre entwickelten Lehrer, Eltern und Schüler die Blücherschule zu einem Ort, der mit der Schule, in der Kinder von morgens bis mittags im 45-Minuten-Takt unterrichtet werden, nicht mehr viel gemein hat. Die Schultage dauern länger, haben einen anderen Rhythmus. Phasen des gemeinsamen Lernens wechseln sich ab mit Kinder- und Projektzeiten. Hausaufgaben gibt es nicht, stattdessen bekommt jedes Kind einen Wochenplan.

Bei der Schulpreisjury gut angekommen seien die Lerngespräche, erinnert sich Monika Frickhofen. Noten wurden gestrichen. Die seien schon immer ein Ärgernis gewesen. Stattdessen gibt es im Halbjahr ein Gespräch zwischen Lehrer, Schüler und Eltern, bei dem sich der Schüler selbst einschätzt. In den eigens entwickelten Zeugnissen werden Kompetenzen in jedem Fach bewertet. Mit der Abschaffung der Noten habe die Motivation der Schüler zugenommen. „Die Kinder kommen gern hierher und wollen manchmal gar nicht nach Hause.“

Die beste Schule des Jahres erhält den mit 100 000 Euro dotierten Hauptpreis; fünf weitere erhalten Preise in Höhe von je 25 000 Euro, alle weiteren nominierten Schulen Preise von je 5000 Euro. Die Sieger werden in der kommenden Woche bekanntgegeben. Neben der Blücherschule steht eine weitere hessische Schule im Finale: die Oswald-von-Nell-Breuning-Schule in Rödermark.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare