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Das frühere Sozialministerium im Behördenzentrum Schiersteiner Berg steht leer.

Wiesbaden

Das Wiesbadener Behördenzentrums soll abgerissen werden

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Der neue Eigentümer OFB plant einen kompletten Neubau.

Wiesbaden - Seit April 2018 steht das Gebäude, in dem früher das hessische Sozialministerium residierte, leer. Dennoch zahlt das Land Hessen seitdem Monat für Monat für ihre frühere Liegenschaft im Behördenzentrum Schiersteiner Berg Miete. Grund ist ein ungünstiger Verkaufsvertrag, den der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) abgeschlossen hatte.

Mit der Mietzahlung für das leere Gebäude könnte bald Schluss sein. Die Inhaberin, die OFB-Gesellschaft, plant, das aus ihrer Sicht nicht mehr sanierungsfähige Haus abzureißen. „Wenn Gebäude abgerissen werden, gibt es keine Mietzahlungen mehr“, sagte OFB-Geschäftsführer Klaus Kirchberger der FR. Die Landeshauptstadt verabschiedete gerade den Aufstellungsbeschluss für das Areal an der Dostojewski- und Hölderlinstraße. OFB möchte sukzessive alle Gebäude aus den 1970er und 1980er Jahren abreißen und bis 2036 neu bauen. Den Anfang soll das Sozialministerium machen, vielleicht schon 2022.

Kirchberger nennt es „ein verstaubtes Areal neu erfinden“. Angestrebt wird ein belebtes, hochverdichtetes Stadtquartier mit Tiefgarage in energieeffizienter Bauweise. Gebäude mit bis zu 14 Stockwerken sollen möglich sein, Geschäfte und Cafés den Bürokomplex auch für Menschen attraktiv machen, die nicht dort arbeiten. Die Bürofläche soll um 60 Prozent größer werden. Kirchberger sieht hohen Bedarf. Das Bundeskriminalamt, derzeit an sieben Standorten im Stadtgebiet verteilt, sucht Flächen, um die Büros zusammenzuziehen. Derzeit sind die beiden Wiesbadener Finanzämter, die demnächst in moderne Liegenschaften umziehen sollen, und andere Behörden dort untergebracht.

Die Rathausfraktion Linke & Piraten will den Totalabriss verhindern. Sie plädiert für einen Um- und Neubau im Bestand, auch, um die mit der Entsorgung des Betons verbundene enorme Klima- und Umweltbelastung zu verringern, erläuterte die Stadtverordnete Brigitte Forßbohm im Haupt- und Finanzausschuss. Auch der Gestaltungsbeirat hat den Plan eines kompletten Neubaus aus Gründen des Klimaschutzes abgelehnt. Doch der Beirat, dem renommierte Architektinnen und Architekten angehören und für dessen Expertisen die Landeshauptstadt 20 000 Euro im Jahr ausgibt, kann nur Empfehlungen aussprechen.

Kirchberger hält nichts von der Sanierung des Altbestands. „Das wird den modernen Nutzungsanforderungen nicht gerecht“. Zudem sei sie energetisch nicht effizient, da das komplette Heiz- und Kühlsystem, Fenster, Fassade und etliches mehr erneuert werden müssten. Die OFB strebe das Zertifikat Gold der Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen für die Neubauten an. Gleichwohl kündigt Kirchberger an, nicht ohne die Zustimmung der derzeitigen Mieter abzureißen. „Das Land kann entscheiden, was es benötigt und ob abgerissen werden soll ...“

Das Land Hessen ist noch 14 Jahre an die Mietverträge gebunden. Die OFB, Tochterunternehmen der Landesbank Hessen-Thüringen und Teil der Helaba, erwarb das Behördenzentrum im vorigen Jahr von einem Spezialfonds. Die damalige Landesregierung hatte den Gebäudekomplex zwischen 2004 bis 2006 als eines von 50 Landesliegenschaften verkauft und für 30 Jahre zurückgemietet.

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