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Wiesbadener AWO-Vorstand unter Druck

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Von: Madeleine Reckmann

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In der Kritik: Der Wiesbadener Awo-Vorsitzende Wolfgang Hessenauer (links) und sein Stellvertreter Franz Betz. Die beiden leiten seit Januar 2020 die Geschäfte, um die Skandale um überhöhte Gehälter und Scheinarbeit der früheren Awo-Führung aufzuklären.
In der Kritik: Der Wiesbadener Awo-Vorsitzende Wolfgang Hessenauer (links) und sein Stellvertreter Franz Betz. Die beiden leiten seit Januar 2020 die Geschäfte, um die Skandale um überhöhte Gehälter und Scheinarbeit der früheren Awo-Führung aufzuklären. © AWO/Wiesbaden (Archivbild)

Stadtverordnete fordern mehr Transparenz bei der Aufklärung der Vorwürfe. Aktuell werfen anonyme Mails Fragen auf. Aber der Vorstand widerspricht.

Der Vorstand des Wiesbadener Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gerät unter Druck. Einige Stadtverordnete kritisieren die aus ihrer Sicht mangelhafte Transparenz der Arbeit der Vorsitzenden Wolfgang Hessenauer und Franz Betz. Die beiden leiten seit Januar 2020 die Geschäfte, um die Skandale um überhöhte Gehälter und Scheinarbeit der früheren Awo-Führung aufzuklären.

Aktuell nährt sich das Misstrauen aus einem E-Mail-Konvolut, das eine anonyme Person Anfang Juni an die CDU-Fraktion im Wiesbadener Rathaus und die Fraktionen im Landtag schickte, und das verschiedene bereits bekannte, aber auch neue Vorwürfe enthält. Die Fraktionen von CDU, FDP, BLW/ULW/BIG und Freie Wähler/Pro Auto fordern im Revisionsausschuss entschieden Aufklärung darüber, ob an den Vorwürfen etwas dran sei. In ihrem Antragstext nennen sie Details. Demnach sollen Anschuldigungen gegen den stellvertretenden Vorsitzenden Franz Betz und seine Ehefrau vorliegen. Gegen Betz ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen, die er von Dezernent Christoph Manjura (SPD) erhalten haben soll. Dass Manjura seinem Bruder, Erzieher von Beruf, eine Stelle in einer AWO-Kita verschafft haben soll, wie aus den Mails hervorgeht, konnte entkräftet werden. Der Bruder habe 2013 in der Kita gearbeitet, ließ Manjura ausrichten, als er noch Stadtverordneter war. OB Gert-Uwe Mende bat um Geduld, bis Staatsanwaltschaft und Revisionsamt Ergebnisse vorlegten.

Davon möchten die Kritiker nichts wissen. FDP-Fraktionschef Christian Diers merkt an, dass das Misstrauen daher stamme, dass Manjura seine verschiedenen Beschäftigungen bei der AWO nicht von Beginn an öffentlich gemacht habe. Im April waren sie in der Presse bekannt geworden. „Das Vertrauen ist beschädigt“, so Diers, der ein härteres Vorgehen wünscht. „Ich vermisse den Willen der AWO-Führung, die Karten auf den Tisch zu legen“, sagt auch Christian Hill von der Fraktion Freie Wähler/Pro Auto. Wenn das Vertrauen zu einem Geschäftsführer fehle, müsse sich die Stadt von diesem trennen, so Hill weiter.

Betz widerlegt gegenüber der FR die Vorwürfe. Seine Frau habe jahrelang als Altenpflegerin in einem AWO-Altenheim gearbeitet und anders, als die Mails suggerierten, Tarifgehalt und keine Sondergratifikation erhalten, sagt er. Die Mails seien mit krimineller Energie beschafft worden und rissen Sachverhalte aus dem Zusammenhang. „Wir mauern nicht“, erklärt Betz, der sich bezüglich der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn optimistisch zeigt. Die Vorstandsvorsitzenden würden gut mit der Staatsanwaltschaft kooperieren und hätten zahlreiche Arbeitsgerichtsverfahren initiiert. Hessenauer bezeichnet die Kritik, schlecht zu kommunizieren, als „völligen Unsinn“. Sollten Ausschussmitglieder Fragen haben, „sollen sie uns einladen“.

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