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Auch die Mitarbeiter:innen des Pflegezentrums Robert-Krekel-Haus sind betroffen.
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Auch die Mitarbeiter:innen des Pflegezentrums Robert-Krekel-Haus sind betroffen.

Wiesbaden

AWO-Kreisverband beantragt Insolvenz

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Verdi: „Die Belegschaft trägt die Lasten“. Sanierungsbeirat für ein transparentes Verfahren gefordert.

Die Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt schafft es aus eigener Kraft nicht, wieder zahlungsfähig zu werden. Gestern hat der Kreisverband beim Wiesbadener Amtsgericht Insolvenz beantragt. Dies teilte das Amtsgericht auf FR-Anfrage mit.

Klagen

Gegen den Kreisverband der AWO Wiesbaden klagen einige Personen, die ihre Kündigung nicht akzeptieren. Die Verfahren der früheren Geschäftsführerin Hannelore Richter, des früheren Geschäftsführers Murat Burcu stehen noch aus. In fünf Verfahren vor dem Arbeitsgericht wurden Einigungen erzielt.

Das bedeutet, dass die AWO-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Hessenauer und Franz Betz den Verdi-Kompromissvorschlag, den die Belegschaft am Donnerstag angenommen hatte, nicht akzeptierten. „Wir sind sauer und enttäuscht. Die Lösung lag auf dem Tisch“, äußert sich Verdi-Gewerkschaftssekretär Armin Löw, „die Insolvenz geht nun zulasten der Beschäftigten.“ Der AWO-Vorstand habe das Vertrauen bei der Belegschaft verspielt. Für die Beschäftigten bedeute die Insolvenz, dass sie ihre Forderungen größtenteils in den Wind schreiben müssten. Das Weihnachtsgeld, die Corona-Sonderprämie und die Überstunden etwa im Pflegebereich müssten nicht oder bestenfalls zu einem geringen Teil ausgezahlt werden. Das Geld würde in die Verhandlungsmasse einfließen, mit der zunächst die Ansprüche etwa von Zulieferern und Handwerksbetrieben beglichen würden, sagt Löw. Für den Arbeitgeber sei eine Insolvenz lukrativ; das Arbeitsamt bezahle nun die Gehälter für drei Monate. Die AWO betreibt in Wiesbaden neun Kitas, zwei Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen.

Wolgang Hessenauer

Die beiden Gewerkschaften Verdi und GEW, in denen ein Teil der Erzieher:innen organisiert sind, fordern nun ein transparentes Verfahren. Ein Sanierungsbeirat, der die Beschäftigten mit Informationen über Wirtschaftsdaten und den Insolvenzprozess auf dem Laufenden halten könne, müsse eingerichtet werden. Eine Wirtschaftsprüfungsfirma solle die Kontrolle führen. „Die Leute brauchen Vertrauen in ein Sanierungskonzept, um engagiert zu arbeiten“, sagt Löw.

Darüber, wieso sich Hessenauer und Betz für den Weg der Insolvenz und nicht für den Verdi-Kompromiss entschieden, kann nur spekuliert werden. Die beiden waren gestern nicht zu erreichen. Auch mit Verdi haben sie keinen Kontakt aufgenommen. Armin Löw berichtet, dass sie auf die Nachricht, dass die Gewerkschaft einen Kompromiss gefunden habe, seit Donnerstag nicht reagiert hätten.

Franz Betz

Das Verdi-Eckpunktepapier hatte vorgesehen, die Corona-Pflegeprämie und einen Großteil des Weihnachtsgelds erst 2021 auszuzahlen. Dies hätte dem Vorstand ermöglicht, bis Jahresende liquide zu sein. Ganz auf die Pflegeprämie zu verzichten, wie der Vorstand es zuvor von den 420 Mitarbeiter.innen verlangt hatte, wollten diese auf Anraten der Gewerkschaft jedoch nicht.

Der frühere Wiesbadener Sozialdezernent Hessenauer (78) und der frühere Sozialamtsleiter Betz (71) führen den Wiesbadener Kreisverband seit Januar 2020. Sie waren angetreten, um das Durcheinander im Kreisverband zu ordnen. Frühere Führungspersönlichkeiten stehen im Verdacht, überhöhte Gehälter, Ehrenamtsvergütungen und überteuerte Dienstwagen erhalten zu haben; die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue. Hessenauer hatte kürzlich der FR gegenüber von krimineller Energie und Fantasiebuchungen gesprochen. Die Aufklärung werde Jahre dauern.

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