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Eine Mahnwache in der Wiesbadener Wellritzstraße erinnert an die von ihrem Ehemann getötete Sevinc M. Foto: Rolf Oeser
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Eine Mahnwache in der Wiesbadener Wellritzstraße erinnert an die von ihrem Ehemann getötete Sevinc M.

Wiesbaden

Wiesbadener Aktionsbündnis möchte Frauenmorde verhindern

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Debatte über Feminzide in der Stadt soll vorangehen. Prävention und Schutz werden Wiesbaden Geld kosten.

Als im Februar ein Mann in der Wellritzstraße seine Frau erschoss, war sie wieder da, die Diskussion, ob hier von einem Familiendrama zu sprechen sei. Kim Engels vom Frauenmuseum möchte für solche Gewalttaten den Begriff Femizid verwenden. „Unter Femizid wird ... der vorsätzliche Mord an Frauen verstanden, weil sie Frauen sind“, zitiert Engels die Definition der Weltgesundheitsorganisation. Sie und drei weitere Vertreter:innen von Institutionen in Wiesbaden möchten die Debatte um Femizide in Gang bringen, „um die zugrunde liegenden Strukturen gesellschaftlich, politisch und juristisch anzugehen“, sagt Engel. Das Aktionsbündnis besteht aus Matthias Chalmovski (Amnesty International), Christa Leiffheidt (Wiesbadener Burgfestspiele), der städtischen Frauenbeauftragten Saskia Veit-Prang und Kim Engels (Frauenmuseum).

Veranstaltungsreihe Stoppt femizide

Christina Clemm liest aus ihrem Buch „AktenEinsicht“. Die Fachanwältin für Strafrecht und Familienrecht erzählt Geschichten von Frauen, die körperlicher und sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Sie vermittelt überraschende, teils erschreckende Einsichten in die Arbeit von Justiz und Polizei. Sonntag, 26. September, 17 Uhr, im Kulturzentrum Schlachthof. Murnaustraße 1, Wiesbaden.

Die Autorin Judith Götz liest aus ihrem Buch „Frauen*rechte und Frauen*hass, Antifeminismus und Ethnisierung von Gewalt“. Freitag, 15. Oktober, 19 Uhr im Roncallihaus, Friedrichstraße 26, Wiesbaden. Es geht um den Glauben an die männliche Vorherrschaft.

Zur Podiumsdiskussion „Femizid - Jeden dritten Tag“ sind die ARD-Journalistin Antonella Berta, die Gründerin von Medica Mondiale, Monika Hauser, der Vorstand der BSG Tätergewalt Roland Hertel, die Menschenrechtsexpertin Barbara Lochbihler, die Expertin für Menschenrechtsverletzungen an Frauen, Gunda Opfer, und die Professorin Uta Ruppert angekündigt. Dienstag, 23. November, 19 Uhr im Roncallihaus, Friedrichstraße 26. mre

Die Veranstaltungsreihe „Stoppt Femizide“ mit zwei Lesungen und einer prominent besetzten Podiumsdiskussion soll die Diskussion im politischen Raum flankieren. Der Diskurs soll dann auch Konsequenzen im realen Leben haben. Dafür werden die Stadtverordneten Geld locker machen müssen. Wie Veit-Prang sagt, hat die Bundesrepublik das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die Istanbul-Konvention, 2017 ratifiziert. Umsetzen müssen es Länder und Kommunen. In Wiesbaden sei das Hilfesystem für Frauen bereits gut. Das habe eine Analyse aus dem ersten Halbjahr 2021 ergeben. Dennoch bestünden einige „Schutzlücken“ bei den verpflichtenden Vorgaben der Konvention, und zusätzliche Prävention sei erforderlich. Veit-Prang wird ihr Konzept im Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Sicherheit vorstellen. Für die wissenschaftliche Bewertung müsse eine Standardisierung der zu erhebenden Daten erfolgen, die auf dezentral und lokal erhobenen Daten basieren, so Veit-Prang. Auch das bedeutet Arbeit für lokale Initiativen.

Die meisten Tötungsdelikte seien nicht geschlechtsneutral, sagt Engels, Trennungen seien für Frauen weitaus gefährlicher als für Männer, Frauen würden auch getötet, weil sie öffentlich ihre Meinung sagen. Beispiele für Morde an Frauen weil sie Frauen sind, gebe es viele.

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