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Wiesbaden: Zwei Frauen führen das Hessische Staatstheater

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Von: Andrea Rost

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Dorothea Hartmann (links) und Beate Heine bilden künftig eine Doppelspitze am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden.
Dorothea Hartmann (links) und Beate Heine bilden künftig eine Doppelspitze am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden. © Rolf Oeser

Ab der Spielzeit 2024/2025 sind Beate Heine und Dorothea Hartmann neue Intendantinnen am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden. Jetzt haben sie ihre Pläne vorgestellt. Partizipative Formate und Diversität gehören dazu.

Beate Heine und Dorothea Hartmann haben sich viel vorgenommen: Von einem Dialog mit der Stadt und ihren Menschen war gestern bei einem Pressegespräch im Foyer des Hessischen Staatstheaters die Rede; von interdisziplinären Formaten, Diversität, einer neuen Strahlkraft von Sprech- und Musiktheater in der Landeshauptstadt und davon, dass auch jene, die bislang keinen Bezug zum Haus im wilhelminischen Stil hatten, angesprochen werden sollen, wenn Themen wie soziale Gerechtigkeit, Verteilung von Ressourcen und die Ziele der Fridays-for-Future-Bewegung auf der Bühne verhandelt werden.

Beate Heine und Dorothea Hartmann werden ab der Spielzeit 2024/2025 die Intendanz für das Hessische Staatstheater in Wiesbaden übernehmen – als Doppelspitze und „mit viel Freude“, wie sie bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in der Landeshauptstadt betonten. Erfahrungen bringen sie dafür in großer Zahl und Vielfalt mit.

Beate Heine war unter anderem als Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Thalia Theater Hamburg, am Staatstheater Dresden und am Schauspiel Köln tätig. Zurzeit ist sie stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Sie hat Kontakte in die internationale europäische Theaterszene und fördert junge Regie- und Autoren-Talente.

Dorothea Hartmann gehört zum Leitungsteam der Deutschen Oper Berlin, wo sie mit der zweiten Spielstätte „Tischlerei“ eine Plattform für neue Formen des Musiktheaters etabliert hat. Sie war unter anderem Opern- und Konzertdramaturgin an der Staatsoper Hannover und hat zahlreiche Libretti für Kinder- und Jugendstücke verfasst.

Heine und Hartmann haben sich gemeinsam um die Intendanz des Staatstheaters beworben und wollen das Theater mit den Spielstätten Großes und Kleines Haus, Studio und Wartburg nach dem Prinzip des Dialogs führen. Das kündigten sie gestern an. „Wir kennen uns seit vielen Jahren, sind als Mehrspartenduo gut aufeinander eingespielt“, sagte Beate Heine. „Momentan arbeiten wir unter Hochdruck am Spielplan für in eineinhalb Jahren.“ Während Beate Heine „neue Schauspiel- und Regiehandschriften“ nach Wiesbaden holen und „große Stoffe“ in neuer Form auf die Bühne des Sprechtheaters bringen will, hat sich Dorothea Hartmann zum Ziel gesetzt, die ganze Bandbreite des Musiktheaters im Staatstheater zu zeigen – mit einem Fokus auf moderner zeitgenössischer Musiksprache. Dabei seien auch partizipative Formate vorstellbar – etwa durch Einbindung von Wiesbadener Laienchören, sagte sie.

Als „Herzensanliegen“ bezeichneten Heine und Hartmann das Junge Staatstheater. Die Wartburg könnten sie sich als Spielstätte vorstellen, an der nicht nur Stücke für Kinder und Jugendliche aufgeführt werden, sondern diese auch selbst auftreten. Für die Maifestspiele als Festival mit internationaler Strahlkraft wollen die neuen Intendantinnen Artists in Residence in die Stadt holen. Auch die Biennale soll fortgeführt werden – mit einem geschärften Profil und Spielorten in der ganzen Stadt. Die Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt für das Hessische Staatsballett wollten sie weiterführen, die Tanzsparte im zeitgenössischen Sinn entwickeln. Aktuell seien sie dabei, das Wiesbadener Theaterpublikum besser kennenzulernen. „Wir besuchen Vorstellungen, führen Gespräche“, sagte Beate Heine. Das Ensembletheater, mit dem sich Zuschauerinnen und Zuschauer stark identifizieren könnten, solle in Wiesbaden beibehalten werden.

Als Träger erhofften sich Stadt und Land von den beiden Intendantinnen und ihrem Führungskonzept neue Impulse für das Hessische Staatstheater, sagte die Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne). „Durch die öffentliche Finanzierung gibt es Rückenwind, Freiräume zu nutzen und am Puls der Zeit zu arbeiten.“

Er erwarte von Heine und Hartmann eine innovative Fortentwicklung des Staatstheaters, sagte Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Dabei solle auch Menschen Zugang zum Theater geschaffen werden, „für die der Weg dorthin bisher aus ihrer Biografie heraus nicht so leicht war“.

Unter 30 Bewerbungen entschied sich die Findungskommission zur Neubesetzung der Intendanz im vergangenen Jahr einstimmig für Beate Heine und Dorothea Hartmann. Die beiden folgen auf den bisherigen Intendanten Eric Laufenberg, dessen Vertrag Mitte 2024 endet.

Neu besetzt sein wird bis zur Spielzeit 2024/2025 auch die Stelle der Generalmusikdirektorin/ des Generalmusikdirektors am Hessischen Staatstheater. 120 Bewerbungen sind den Angaben zufolge bereits eingegangen.

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