Auf dem Übungsparcour werden die Kinder fit gemacht.

Wiesbaden

Fit auf dem Rad in Wiesbaden

Der Campus Klarenthal ist zur „Bike School“ ernannt worden.

Mit Mountainbikes kurven die Jungen im Slalom um die bunten Hütchen des Hindernisparcours, bevor sie über zwei Holzwippen fahren. Auf dem Sportplatz des Campus Klarenthal probieren einige Schüler die neuen Geländefahrräder der reformpädagogischen Schule aus. Er besitze selbst ein Rad, sagt der zwölfjährige Julian, „aber die hier sind viel besser.“

Der Sechstklässler zählt zu den Teilnehmern der bereits 2011 gegründeten schuleigenen Fahrradwerkstatt, die jetzt zum ständigen Unterrichtsangebot zählt. Anderthalb Stunden wöchentlich erlernen die Kinder und Jugendlichen dort nicht nur Mountainbike zu fahren, inklusive Sicherheitstraining und Straßenverkehrsordnung, sondern auch, die Räder zu reparieren. Am Samstag ist der Campus Klarenthal offiziell zur „Bike School“ ernannt worden – als dritte Schule in Wiesbaden. Das Zertifikat vergibt der gemeinnützige Verein „Bikepool Hessen“, der sich für das Radfahren an hessischen Schulen engagiert. Er will möglichst vielen Schülerinnen und Schülern ermöglichen, die Freude daran zu entdecken.

Wer nicht bis zum Ende der Schulzeit einen positiven Bezug dazu entwickele, bekomme den später meistens auch nicht mehr, sagt der Sportlehrer Nicholas Woogk. Der passionierte Radfahrer zählt zu den drei Lehrkräften am Campus Klarenthal, die von „Bikepool Hessen“ eigens für das ständige Radsportangebot fortgebildet wurden. Mountainbike zu fahren erfordere andere koordinative Fähigkeiten, erläutert Woogk. So üben die Schülerinnen und Schüler Kurventechniken, bremsen, das Anfahren am Berg und Hindernisse materialschonend zu überqueren oder -springen. „Auch die Grenzerfahrungen sind wichtig, also Risiken einzuschätzen, etwas zu wagen und zu verantworten.“

Neben den motorischen Fähigkeiten fördere der Mountainbike-Unterricht auch die technischen Fertigkeiten, da die Teilnehmer die Mountainbikes selbst warten. Die Radwerkstatt bekommt dafür einen größeren Raum mit drei Arbeitsplätzen und neues Werkzeug. Insgesamt besitzt die Schule nunmehr 26 Geländefahrräder. Die Anschaffung der 14 neuen Mountainbikes – qualitativ hochwertige Einsteigermodelle in verschiedenen Größen – hat die AOK Hessen finanziell gefördert. Denn nicht zuletzt geht es angesichts zahlloser „Elterntaxis“ auch um Gesundheitsförderung und Nachhaltigkeit. Gerade im Nahverkehr sei es so leicht wie sonst nirgends, CO2-neutral zu sein, sagt Woogk. Bisher kommen jedoch nur etwa 20 Schüler mit dem Rad zum Campus. Das liege nicht nur an dem großen Einzugsgebiet, sondern auch am fehlenden Radweg an der Klarenthaler Straße.

Bei den Kindern und Jugendlichen findet das Radsportangebot Anklang. „Es macht mehr Spaß, als nur herumzusitzen und dem Lehrer zuzuhören“, findet die 15-jährige Nina. Sie ist eins von bislang nur drei Mädchen, die an der Fahrradwerkstatt teilnehmen. Um mehr Schülerinnen für das Mountainbiking zu begeistern, will Lehrerin Caroline Hoffmann künftig eine Radwerkstatt nur für Mädchen anbieten. Außerdem plant die Schulleitung, zehn weitere Mountainbikes anzuschaffen – und weiterhin bei der Stadt für einen Radweg zum Campus zu kämpfen.

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