Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wiesbadens Bewerbung als Weltkulturerbe ist gescheitert.
+
Wiesbadens Bewerbung als Weltkulturerbe ist gescheitert.

Wiesbaden

Wiesbaden wird nicht Weltkulturerbe

  • Ute Fiedler
    VonUte Fiedler
    schließen

Wiesbadens Bewerbung als Weltkulturerbe ist gescheitert. Kritik kommt von Ex-Stadtplanungsdezernent Jörg Jordan: Wiesbaden hätte mehr tun sollen.

Überrascht vom Scheitern der Bewerbung Wiesbadens um das Weltkulturerbe zeigt sich in der Landeshauptstadt kaum jemand. Das sei absehbar gewesen, sagt der frühere Stadtplanungsdezernent Jörg Jordan auf Anfrage. Und auch Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) hatte es geahnt: „Ich bin natürlich enttäuscht, doch diese Entwicklung hatte sich durch die veränderte Schwerpunktsetzung leider bereits abgezeichnet.“

Am Donnerstagabend wurde unter anderem Wiesbaden mitgeteilt, dass es nicht mehr in der Initiative „Great Spas of Europe“ vertreten sein wird. Insgesamt 16 europäische Städte waren in dieser vertreten. Gemeinsam wollte man sich um einen Platz auf der Welterbe-Liste bewerben. Fünf der Städte wurden jedoch vorher aussortiert, neben Wiesbaden auch Bad Homburg.

„Fehlende Ernsthaftigkeit“

Laut Thomas Weichel, Leiter der Stabsstelle Welterbe, fiel Wiesbaden durchs Raster, weil sich der Schwerpunkt des Bewerbungsthemas im Laufe der Zeit verschoben hatte – weg von der Gesellschaftskur hin zur Heilkur und zum Heilkurbetrieb, „den wir nicht mehr haben“. Zudem sei der Fokus noch stärker auf die Authentizität und Integrität der Gebäude gelegt worden. „Ein erheblicher Teil des alten Kurviertels ist aber im Krieg zerstört werden, diese Gebäude können wir nicht herzaubern.“ Zugleich kann Weichel aber auch deutlich politische Motive bei der Auswahl der Städte erkennen. Bei anderen sei bei weitem nicht so ein strenger Maßstab angelegt worden.

Während Weichel die Entscheidung eher gelassen hinnimmt – „für Wiesbaden wäre der Titel eine große Bereicherung gewesen, die Stadt ist davon jedoch nicht abhängig“ – ist Jörg Jordan bestürzt. „Ich bedauere das außerordentlich. Aber ich hatte es prophezeit.“ Jordan spart nicht mit Kritik. Seiner Meinung nach hat die Stadt Wiesbaden das Projekt Welterbe nicht ernsthaft genug verfolgt. 2014 sei die Projektgruppe aufgelöst worden, das Komitee Kulturerbe Wiesbaden, dem Jordan seit der Gründung vor mehr als zehn Jahren angehört, habe zuletzt vor etwa zwei Jahren getagt. Vom Scheitern der Bewerbung erfuhr Jordan am Freitag erst durch den Anruf dieser Zeitung.

Neue Aufgaben für Stabsstelle

Die Stadt interessiere sich nicht für ihre „bauhistorischen Schätze“, sagt er und führt beispielsweise das Projekt Stadtmuseum und das Alte Gericht an. Darüber hinaus gibt es noch immer Streit um die Windräder auf dem Taunuskamm. Ein Gutachter, der die Welterbeverträglichkeit der Windräder untersucht hatte, war 2014 zu dem Schluss gekommen, dass durch die geplanten Anlagen Konflikte mit der beabsichtigten Nominierung innerstädtischer Gebiete Wiesbadens für das Unesco-Welterbe entstehen könnten.

Dass Wiesbaden bei der Bewerbung als Welterbe keine Chance hat, war für die Verantwortlichen vermutlich bereits im vergangenen Jahr klar. Im November hatte die Stabsstelle, die extra für die Bewerbung eingerichtet worden war, eine neue Orientierung erhalten. Sie kümmert sich seit Januar vor allem um Identitätsstiftung, Bürgerbeteiligung und die Koordination ehrenamtlichen Engagements. Laut Weichel eine folgerichtige Entscheidung.

„Ich habe mich nie ausschließlich um die Bewerbung im engeren Sinne gekümmert“, sagt Weichel. Durch die Bewerbung seien zahlreiche Impulse entstanden, die die Identifikation der Wiesbadener mit ihrer Stadt stärkten. Das sieht auch Oberbürgermeister Gerich. Er weist unter anderem auf den Gestaltungsbeirat hin. Zudem seien viele „tolle Projekte“ entstanden.

Jordan zufolge war das allerdings zu wenig. „Vergleicht man die Bemühungen Wiesbadens mit denen der Stadt Baden-Baden, sieht man enorme Unterschiede.“ Wiesbaden habe es nicht geschafft, die Bürger zu motivieren und ins Boot zu holen. Die Stadt habe eine große Chance vertan.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare