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Wiesbaden will mehr Platz für Fahrräder

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Von: Madeleine Reckmann

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Auf der Umweltspur wie hier auf dem ersten Ring dürfen Busse und Räder fahren. Das soll allen, die am Verkehr teilnehmen, nützen.
Auf der Umweltspur wie hier auf dem ersten Ring dürfen Busse und Räder fahren. Das soll allen, die am Verkehr teilnehmen, nützen. © Michael Schick

Landeshauptstadt baut an ihrem Radwegegrundnetz. Autos haben künftig weniger Raum auf der Straße.

Es klappt nicht immer, aber dieses Mal hat es funktioniert. Der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) ist froh, dass die fußgänger- und fahrradfahrerfreundliche Umgestaltung der Yorkstraße mit der grundhaften Sanierung einhergehen kann. Dann braucht die Straße nicht zweimal aufgebuddelt zu werden. Der Abwasserkanal sowie Gas- und Stromleitungen müssen erneuert werden. Auf beiden Seiten werden dann bis 2024 die Gehwege verbreitert, die Parkplätze schräg gestellt, zwei Ladesäulen für Elektro-Fahrzeuge installiert und eine Lieferzone für Paketdienste eingerichtet. Dafür hat das Stadtparlament insgesamt 3,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Damit alles Platz hat, wird das 400 Meter lange Straßenstück im Wiesbadener Westend zur Einbahnstraße und Tempo-30-Zone. „Aufwertung eines dicht besiedelten Quartiers“, nennt Kowol das. Es gehe um Verkehrssicherheit und mehr Platz für Fußgänger:innen. Zudem werden 31 Fahrradabstellbügel aufgestellt, Fahrräder dürfen in beide Richtungen fahren, dafür müssen 30 Autostellplätze entfallen. Es ist nur noch Anwohner:innen möglich, ihr Auto abzustellen.

Die Landeshauptstadt hat sich zum Ziel gesetzt, fahrradfreundlicher zu werden. Lange nahm Wiesbaden in Fahrradtests den letzten Platz im Städtevergleich ein. Das ändert sich langsam. Um ein Dieselfahrverbot zu verhindern, musste die Stadt 2019 im Streit mit der Deutschen Umwelthilfe vor dem Verwaltungsgericht versprechen, ihr Fahrradgrundwegenetz auszubauen. „90 Prozent haben wir geschafft“, sagt Kowol.

Am Dienstag hat der Magistrat zwei weitere Lückenschlüsse beschlossen. Seit 2020 stehen jedes Jahr 2,9 Millionen Euro – zehn Euro pro Einwohner:in – für den Radwegebau bereit. Die wichtigen Verkehrsachsen Klarenthaler Straße im Westen und Hochheimer Straße im Stadtteil Mainz-Kostheim sollen bessere Radwege erhalten. Dafür wird der Platz für Autos im Straßenraum beschränkt. „Wir investieren für alle Verkehrsteilnehmer, alle sind Nutznießer und haben mehr Komfort im Verkehr“, sagt Kowol mit Blick auf die vielen Kritiker:innen in Wiesbaden.

Auf der Klarenthaler Straße, die bislang als Zubringer für die Innenstadt dient, sollen deutlich weniger Fahrzeuge fahren. „Der überörtliche Verkehr soll auf den zweiten Ring gelenkt werden“, erklärt Kowol. Zwischen dem Kurt-Schumacher-Ring und der Gneisenaustraße sollen die Radstreifen verbreitert und als Umweltspur von Radfahrer:innen und Bussen genutzt werden. Das beschleunige den Busverkehr deutlich. Weiter unten sollen auf beiden Seiten zwei Meter breite Radwege entstehen, dazu jeweils ein 50 bis 70 Zentimeter breiter Sicherheitsstreifen, damit die Radler:innen nicht von sich öffnenden Türen der auf dem Parkstreifen abgestellten Autos gefährdet werden. Auf dieser 450 Meter langen Radverbindung können vom kommenden Jahr an Studierende der Hochschule Rhein-Main zu ihren Vorlesungen radeln.

Die Hochheimer Straße soll über eine Strecke von 900 Metern eine schnellere Radverbindung von Hochheim über Kostheim nach Mainz werden. Die Straße mit jetzt jeweils zwei Fahrspuren in jede Richtung soll jeweils einspurig werden. Nur so lässt sich genug Raum für die 2,25 Meter breiten Radwege gewinnen.

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