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Wiesbaden: Weniger Fahrten mit Zügen und Autos

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Von: Diana Unkart

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Eine Studie widmet sich der Frage, welche Auswirkungen die Sperrung der Salzbachtalbrücke hat. Nun liegen Ergebnisse vor, die zeigen, dass viele Menschen einen pragmatischen Ansatz wählen, um die Sperrung zu kompensieren.

Was passiert, wenn ein Verkehrssystem massiv gestört wird? Zum Beispiel, weil eine Autobahnbrücke, die täglich 80 000 Fahrzeuge passieren, plötzlich wegen Einsturzgefahr gesperrt werden muss? Und weil auch wichtige Einfallstraßen und Gleise, die unter ihr entlangführen, nicht mehr befahren werden dürfen, der Hauptbahnhof einer Großstadt deshalb vom Zug- und S-Bahn-Verkehr abgeschnitten ist?

Bereits kurz nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke in Wiesbaden hat Verkehrswissenschaftlerin Petra K. Schäfer eine Onlinebefragung entwickelt, um Antworten auf diese und weitere Fragen zu erhalten. Nun liegen die Ergebnisse vor und zeigen, dass die Folgen zum Teil andere sind als nach der Sperrung der Schiersteiner Brücke 2015.

Mehr als 1300 Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet haben an der Befragung teilgenommen, mehr als 1100 Datensätze konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Research Lab for Urban Transport der University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) heranziehen. Als Hauptzweck der Fortbewegung gaben die meisten Befragten (68 Prozent) die Fahrt zum Arbeitsplatz an. Auf Dienstfahrten entfielen zehn Prozent, auf Einkaufsfahrten fünf Prozent, auf Fahrten zu Bildungseinrichtungen drei Prozent. Private Fahrten in der Freizeit machten 13 Prozent aus.

Das Mobilitätsverhalten war bei fast 70 Prozent der befragten Personen direkt betroffen, weil sie entweder über die Brücke, die Mainzer Straße oder zum Hauptbahnhof Wiesbaden fuhren. 25 Prozent waren indirekt betroffen, wegen der Sperrung herrschte mehr Verkehr auf ihren Strecken. Die verbliebenen fünf Prozent waren nicht betroffen. „Eine große Zahl von Personen musste also ihre Wege und teilweise die Verkehrsmittel ändern“, sagt Petra K. Schäfer.

Mit Blick auf die Verkehrsmittel würden Verschiebungen zwischen dem öffentlichen Personenverkehr und dem motorisierten Individualverkehr deutlich. Die größten Rückgänge seien demnach im Bahnverkehr zu verzeichnen. Bei den befragten Personen sei die Nutzung von Zügen um 45 Prozent gesunken. Auch das Auto wird weniger genutzt. Die Frage, ob davon möglicherweise das Fahrrad als Verkehrsmittel profitiere, lässt sich mit Hilfe der verfügbaren Daten allerdings nicht beantworten. Aber teilweise hätten die Befragten angegeben, auf das Fahrrad umgestiegen zu sein, berichtet Schäfer.

Schon als 2015 die Schiersteiner Brücke wegen Absenkungen und Rissen gesperrt werden musste, hat die Wissenschaftlerin zusammen mit ihrem Team die Auswirkungen untersucht. Damals ermittelten sie, dass mehr Menschen zumindest temporär auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen waren. Aber nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke habe es dafür keine Anreize gegeben. „Der öffentliche Verkehr ist unheimlich unattraktiv geworden“, sagt Schäfer. Das ändert sich möglicherweise ab heute, wenn wieder Züge zum Hauptbahnhof fahren.

Die durchschnittliche Fahrzeit ist, das zeigen die Studienergebnisse, sowohl für den Hinweg als auch für den Rückweg um 50 Prozent angestiegen. Für einen Teil der befragten Personen war und ist die Alternative zu Umleitungen, Staus oder Schienenersatzverkehr allerdings das Homeoffice. „Nicht überraschend“, sagt Schäfer. „Um die Brückensperrung zu kompensieren, werden Wege gespart.“

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