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Wiesbaden: Walhalla soll 2026 eröffnet werden

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Von: Diana Unkart

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Die Größe erschließt sich nicht sofort. Die Immobilie umfasst rund 4500 Quadratmeter Fläche.
Die Größe erschließt sich nicht sofort. Die Immobilie umfasst rund 4500 Quadratmeter Fläche. © Michael Schick

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende hat die Ergebnisse einer Konzeptstudie vorgestellt. Das einstige Varieté-Theater im Herzen der Stadt soll zu einem kulturellen Zentrum werden.

Das einstige Varietétheater Walhalla in der Wiesbadener Fußgängerzone könnte schon bald wieder zu einem kulturellen Zentrum und Anziehungspunkt für Kreative und Nachtschwärmer werden. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hat dem Kulturbeirat seine Ideen für das seit Jahren leerstehende Gebäude präsentiert – und eine Debatte über seine Zukunft angestoßen.

Die Konzeptstudie aus dem Oberbürgermeisterbüro, die Mende ausdrücklich als Grundlage für eine Diskussion verstanden wissen möchte, sieht vor, dass sich eine Gebäudesanierung auf den Originalbestand aus den Jahren 1897/1898 konzentriert. Ein 1910 angebauter Gebäudeteil, der sich nach Mendes Angaben in einem sehr schlechten baulichen Zustand befindet, könnte abgerissen werden. So entstünde an der Hochstättenstraße ein neuer Platz inmitten der Stadt. An anderer Stelle ist im Entwurf ein viergeschossiger Anbau eingezeichnet, in dem unter anderem Technik und Sanitäranlagen untergebracht werden könnten.

Das Erdgeschoss böte Platz für gastronomische Angebote, ein Kulturcafé etwa, ein Restaurant oder Bistro. Im Untergeschoss sei ein Programmkino vorstellbar, erläuterte der Oberbürgermeister. Damit knüpfe man an die Tradition an. Das Walhalla beherbergte einst das Bambi-Kino. Denkbar sei zudem auch ein Club, eine Disco.

Der historische Bereich mit Spiegelsaal und Großem Saal – beides kulturhistorische Baudenkmäler – solle erhalten bleiben, die Nutzung der Räume möglichst flexibel sein. Bei der Sanierung, befindet Mende, müsse behutsam vorgegangen werden und müssten Altersspuren respektiert werden. Bedeutet: Verzicht auf Hochglanz, Erhalt der Patina und des maroden Charmes, den das Gebäude ausstrahlt. Gleichwohl empfiehlt der Entwurf, Bausünden zu korrigieren. Erneuert werden sollen Technik und Infrastruktur. Zuletzt hatte die Stadt die Sanierungskosten für das Gebäudeensemble auf 40 Millionen Euro geschätzt.

Der Zeitplan ist ambitioniert. Um Fördergeld zu bekommen, müssten die Bauarbeiten im Jahr 2024 beginnen; die Fertigstellung wird für 2026 anvisiert. Eine Steuerungsgruppe und ein im Kulturamt angesiedelter Projektentwickler sollen das Vorhaben begleiten. Die Steuerungsgruppe soll unter Beteiligung des Kulturbeirats schnellstmöglich eingerichtet und die Debatte über Sanierung und künftige Nutzung in Richtung Bürgerschaft geöffnet werden. Noch gibt es nur vage Ideen, was das Walhalla dereinst einmal beherbergen soll. Ernst Szebedits, Vorsitzender des Kulturbeirats, plädiert für mehr Mut zum Ungewissen. „Ich verstehe, dass sich viele einen übersichtlichen Prozess wünschen“, sagte er. Doch Weg und Ergebnis seien nicht vollständig absehbar. Die Entstehung von Kunst und Kultur sei immer ein risikobehafteter Prozess mit ungewissem Ausgang. Das gelte auch für die Planung von kulturellen Orten. Im kreativen Prozess liege aber auch zugleich die Chance. „Es braucht den Mut, Leerstellen, Ungewisses und Sprünge zuzulassen und auszuhalten, um Neues entstehen und wachsen zu lassen.“

Von einem wiederbelebten Walhalla-Theater erhofft sich OB Mende „einen kulturellen Fixpunkt im Herzen der Stadt“ und eine Belebung der Innenstadt.

Die Frage, wie es mit dem Walhalla weitergeht, beschäftigt Kulturschaffende, Politiker:innen und Bürger:innen in Wiesbaden seit Jahren – nicht nur, weil sich das im neobarocken Stil erbaute Haus in zentraler Lage befindet.

Das 1897 eröffnete „Spezialitätentheater mit Grand Restaurant“ am Mauritiusplatz, einst Varietétheater mit großem Ballsaal, später unter anderem Kino und Nachtclub, gilt als Institution in der Stadt. 2017 war es wegen Brandschutzmängeln geschlossen worden. Bis dahin hatte der Verein Walhalla-Theater Teile des Hauses bespielt.

Vor Jahren hatte die Stadt mit der GOP Entertainment-Group verhandelt, die dort Varietétheater und Gastronomie bieten wollte. Als das Unternehmen ausstieg, schoben Kulturbeirat und Stadt ein Interessenbekundungsverfahren an. Europaweit sollte nach einem Betreiber gesucht werden. Wegen der Corona-Pandemie wurde das Verfahren zunächst ausgesetzt und nun für beendet erklärt.

Nach einem Teilabriss könnte ein neuer Platz entstehen.
Nach einem Teilabriss könnte ein neuer Platz entstehen. © Stadt Wiesbaden

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