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Die Sorge vor vergiftetem Grundwasser ist groß.

Wiesbaden

Wiesbaden: Vorwürfe gegen Wasserbehörde

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Untätigkeit wegen Schadstoffen auf US-Air Base in Wiesbaden beklagt.

Das mit den giftigen PFC-Stoffen versetzte Grund- und Oberflächenwasser auf der US-Air Base in Erbenheim alarmiert den früheren Abteilungsleiter des Wiesbadener Umweltamts Ernst Kluge. Er wirft der Oberen Wasserbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt Versagen und Untätigkeit vor. Obwohl die Verunreinigungen seit 2009 bekannt gewesen seien, habe die Behörde nichts dagegen unternommen. Der Chemietechniker, der Bücher über die Bäche der Umgebung schreibt, war bis 2014 für die Gewässer- und Bodenschutzabteilung zuständig. Dass Thomas Ziegelmayer vom RP nun im städtischen Umweltausschuss Sanierungsoptionen vorstellte, ohne einen Zeitpunkt für konkrete Arbeiten zu nennen, empört Kluge. Boden und Gewässer hätten längst saniert sein müssen, da die Messdaten schon vorlagen, sagt Kluge. Das städtische Umweltamt habe unter seiner Ägide ein umfangreiches Monitoring auf dem Gelände für unterschiedliche Schadstoffe durchgeführt und Teilbereiche anschließend saniert. 2015 ging die Verantwortung an die Obere Wasserbehörde beim RP über. Die hohen Werte der per- und polyfluorierten Chemikalie (PFC) stammen aus dem Löschschaum, den die Army auf zwei Übungsplätzen einsetzte.

„Der Käsbach war und ist das schmutzigste Wiesbadener Fließgewässer, weil in die Geländedrainage an diversen Stellen Schadstoffe eingeleitet werden, die dort nicht hingehören und die Drainage nie systematisch saniert wurde“, schreibt er der FR. Jetzt sei es vordringlich, den weiteren Abfluss aus den beiden Schadensbereichen im Nordosten und Nordwesten der Air Base zu unterbinden.

Das RP verweist darauf, dass zunächst die Untersuchungen abgewartet werden müssten. Prinzipiell könnte zwar mit Abschöpfbrunnen und anderen hydraulischen Verfahren verhindert werden, dass belastetes Wasser abfließe, teilt das RP auf Anfrage mit. Zunächst müsse aber die Breite und Tiefe des Gebiets bekannt sein, in die die Schadstoffe sich mit dem Grund- und Oberflächenwasser bewegten. Sobald sich das vermutete Schadensausmaß im Nordwesten der Air Base bestätigen sollte, würden „gegebenenfalls noch gezielt weitere Maßnahmen anlaufen“, sagt das RP und verweist darauf, dass es auf „Grundlage des Hessischen Altlasten- und Bodenschutzgesetzes“ vorgehe. Von einer Sanierungsbedürftigkeit der Drainageleitungen, die das Areal entwässern, sei dem RP nichts bekannt.

Im Nordosten der Air Base sei der am höchsten belastete Boden bereits entfernt worden. Weitere Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen im Norden der Liegenschaft würden „in kleinerem Stil im Zuge von Baumaßnahmen – durch Aushub und Versiegelung“ vorgenommen werden.

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