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Wiesbaden: Vorerst keine Taktverdichtung bei der Ländchesbahn

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Bauarbeiten im Bahnhof Erbenheim.
Bauarbeiten im Bahnhof Erbenheim. © Michael Schick

Dass die Ländchesbahn zwischen Niedernhausen und Wiesbaden ausgebaut wird, ist politischer Konsens. Doch Verbände fürchten, dass das Vorhaben an widersprüchlichen Planungen scheitern könnte.

Dass die Ländchesbahn, die auf einer rund 20 Kilometer langen Strecke zwischen Wiesbaden und Niedernhausen verkehrt, ausgebaut werden soll, ist politischer Konsens in Wiesbaden. Zumal nach dem Nein der Bürger:innen zu einer Straßenbahn dringend Alternativen benötigt werden. Und so hat es die Ländchesbahn auch in den aktuellen Kooperationsvertrag von SPD, Grünen, Linken und Volt geschafft. Dort heißt es, man wolle ihren Ausbau und eine häufigere Taktung. Doch nun könnte der Umbau des Bahnhofs in Erbenheim, der seit Jahren gefordert wird, diese Pläne zunichte machen. Das jedenfalls befürchten die Verbände „Wiesbaden neu bewegen“, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Kreisverband Wiesbaden/Rheingau-Taunus und Pro Bahn & Bus Hessen.

Die Wiesbadener Bahnsteige entlang der Ländchesbahn werden umgebaut, denn die Einstiege sind mit teilweise nur 20 Zentimetern zu niedrig. Wegen der Arbeiten verkehren derzeit keine Züge. Ab Dezember sollen auf der Strecke Hochflur-Triebwagen mit einer Einstiegshöhe von 78 Zentimetern eingesetzt werden. In Erbenheim wird der Bahnsteig auf die gegenüberliegende Gleisseite verlegt. Damit rückt er näher an die Berliner Straße heran, was die Umstiegswege zu den Bussen verkürzt. Der Bahnhof soll modernisiert werden, der Bahnsteig dann auch barrierefrei zugänglich sein. Das Eisenbahn-Bundesamt hat den entsprechenden Planfeststellungsbeschluss erlassen.

Damit, kritisieren die Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung, sei die Eingleisigkeit der Strecke zementiert und eine Verdichtung des Halbstundentaktes auf einen Viertelstundentakt nicht möglich. Denn sollen die Züge häufiger verkehren, sind mehr zweigleisige Abschnitte oder Bahnhöfe für den Begegnungsverkehr notwendig. In Erbenheim gab es ein zweites Gleis – an der Stelle, an der nun der neue Bahnsteig entstehen soll. Aus Sicht der Verbände verbaut sich die Bahn mit der Verlegung die Möglichkeit einer weitergehenden Nutzung. Dabei kommt dem Bahnhof Erbenheim eine besondere Bedeutung zu. Wird auf dem Ostfeld die Zentrale des Bundeskriminalamtes gebaut, könnten dort dessen Mitarbeiter:innen ein- und aussteigen.

Absehbare Entwicklungen wie neue Baugebiete in Erbenheim, die Ansiedlung des Bundeskriminalamtes oder die Entwicklung eines neuen Stadtteils am Ostfeld würden bei der Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes unberücksichtigt bleiben. Möglicherweise erfordere die kurzsichtige Planung schon in einigen Jahren den Abriss des jetzt im Bau befindlichen Bahnsteigs, heißt es in der Mitteilung.

Nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes gibt es Überlegungen zur Entwicklung der Ländchesbahn, die auch eine abschnittsweise Taktverdichtung umfassten, „jedoch keine konkreten Planungen, die jetzt bei der Bahnhofsmodernisierung in Wiesbaden-Erbenheim Basis wären“. Die derzeitige Infrastruktur sei auf einen Halbstundentakt ausgelegt. Taktverdichtungen würden zusätzliche Begegnungsstellen erfordern. Wo sich diese Stellen befinden müssten, hänge vom gewünschten Takt und den Stationshalten ab und müsste dann genauer untersucht werden. Zugbegegnungen erforderten nicht zwingend zwei getrennte Bahnsteige. Züge könnten auch aneinander vorbeifahren und dann hintereinander halten.

Das Wiesbadener Verkehrsdezernat räumt ein, dass die Verlegung des Bahnsteigs Gegenstand intensiver Debatten zwischen der Stadt und der Deutschen Bahn war. Eingleisigkeit zementiere sie nicht. Die Planung habe eine Aufwärtskompatibilität: Eine spätere Zweigleisigkeit vom Hauptbahnhof bis Erbenheim sei möglich.

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