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Wiesbaden verfehlt wieder sein Klimaziel

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Von: Madeleine Reckmann

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Die Infrastruktur für die E-Mobilität muss schnell ausgebaut werden.
Die Infrastruktur für die E-Mobilität muss schnell ausgebaut werden. © Michael Schick

Größter Emittent ist die Industrie. Aber auch bei Wohngebäuden und im Verkehr sinkt der Kohlendioxid-Ausstoß zu langsam. Pariser Abkommen nur noch einzuhalten, wenn alle mitmachen.

Die Landeshauptstadt hat ihre eigenen Klimaschutzziele ein weiteres Mal nicht erreicht. Die schädlichen Klimagasemissionen sinken zwar leicht, aber längst nicht auf das notwendige Niveau, um die Klimaschutzziele von Paris zu erreichen. Hauptverursacher ist die Wirtschaft, und da insbesondere die Industrie. Ihr Energiehunger trägt mit 40 Prozent den größten Anteil an den Emissionen. Auch in den Sektoren Wohnen und Verkehr fallen die Emissionen nicht schnell genug. Das geht aus der Energie- und Treibhausgasbilanz des Wiesbadener Umweltamts hervor, das die Bilanz jetzt veröffentlichte.

Demnach liegt der durchschnittliche Ausstoß an Kohlenstoffdioxid pro Einwohner:in 2020 bei knapp 10 Tonnen. Das ist deutlich mehr als der deutschlandweite Wert (7,2 Tonnen), was das Umweltamt dem Beitrag der Industrie und der US-Streitkräfte zuschreibt, auf die die Stadt keinen Einfluss hat. Wiesbaden ist ein großer Industriestandort und Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa. Allerdings hat sich die Landeshauptstadt im Vergleich zum Ausgangsjahr 1990 verbessert. Damals lag der durchschnittliche Ausstoß bei 13 Tonnen. Um das Pariser Abkommen einzuhalten, müssten diese Emissionen aber bis 2030 auf 6,13 Tonnen Kohlendioxid sinken.

Der Stadtkonzern ist laut der Bilanz nur für zwei Prozent der Klimagase verantwortlich. Der Verkehr schlägt mit 24 Prozent und die privaten Haushalte mit 21 Prozent zu Buche. Der am meisten in der Stadt genutzte Energieträger ist mit 33 Prozent Erdgas, die erneuerbaren Energien machen nur drei Prozent aus.

„Die Stadt könnte das Pariser Klimaziel noch einhalten, wenn alle in der Gesellschaft mitziehen“, erklärt Umweltamtsleiter Klaus Friedrich. Aber es klingen Zweifel durch. Dafür müssten, dort, wo dies möglich ist, alle Eigentümer:innen Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern installieren, die zahlreichen Wiesbadener Altbauten saniert und die Infrastruktur für E-Mobilität ausgebaut werden, führt Friedrich aus. Bei den Emissionen die Industrie betreffend zählt er auf die Gesetzgebung der Bundesregierung.

Ein wichtiger Hebel, um den Energieverbrauch der privaten Haushalte zu senken, ist Fern- und Nahwärme. „Der Wärmeplan ist ein Reduktionsplan“, sagt Friedrich. Durch deren Ausbau ließe sich ein erheblicher Teil der Emissionen vermeiden. Deshalb entwickelt das Umweltamt aktuell einen Wärmeplan, mit dem die Einsparpotenziale, die für die Wärmeerzeugung verfügbaren Erneuerbaren Energien und die Wege zum Ausbau aufgezeigt werden. Dazu sollen nicht nur der städtische Versorger Eswe, sondern auch weitere kommunale Versorger beitragen. Der Industriepark Infraserv könnte das Fernwärmenetz auf seinem Gelände ausbauen, so Friedrich.

Auch beim Stadtkonzern bleibe trotz seines geringen Beitrags zu den Klimagasemissionen einiges zu tun. Die kommunalen Liegenschaften seien der größte Emittent. Auch dort könnte die Fernwärme ausgebaut werden. Damit würde die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und mit Subventionen die regionale Wirtschaft ankurbeln.

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