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In der Veranstaltungsbranche sind wegen der Corona-Krise Hundertausende Jobs bedroht.

Corona-Krise

Veranstaltungsbranche befürchtet Pleitewelle – und demonstriert für eine „mutigere Politik“

  • vonDiana Unkart
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Beschäftigte und Selbständige aus der Veranstaltungsbranche befürchten eine coronabedingte Pleitewelle. In Wiesbaden demonstrieren sie für mehr Geld und eine „mutigere Politik“.

Perspektivlosigkeit: Es ist dieses eine Wort, das immer wieder zu hören ist. Die Redner auf der Bühne beschreiben damit den Zustand der Branche, aber auch ihre persönliche Gefühlslage. „Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels“, sagt Demo-Organisator Timm Junker.

Veranstaltungsbranche fordert mehr Unterstützung in der Corona-Krise

Am Mittwoch haben sich auf dem Wiesbadener Kranzplatz rund 150 Beschäftigte und Selbstständige aus der Veranstaltungswirtschaft versammelt und mehr Unterstützung und Perspektiven für ihre Branche gefordert. Seit Anfang August ruft das Bündnis #Alarmstuferot, ein Zusammenschluss von Initiativen und Verbänden der Branche, zu Kundgebungen auf Landesebene auf. Die Lage sei dramatisch, heißt es in dem Aufruf. Dem sechstgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands mit 130 Milliarden Euro Umsatz und einer Million Beschäftigten sei seit Beginn der Covid-19-Krise jede Arbeitsgrundlage entzogen worden. Es drohe eine gigantische Pleitewelle.

Julius Jehn alias DJ Jey Aux Platines aus Heppenheim hatte seit März drei Auftritte. Mehr als 100 sind es in normalen Jahren. Inzwischen, sagt er, lägen seine Umsatzverluste im fünfstelligen Bereich. Die Überbrückungshilfe sei ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Andere Bundesländer würden die Beschäftigten besser unterstützen. Von staatlichen Hilfen profitierten nicht alle in der Branche Tätigen. Die vielen Solo-Selbstständigen fielen beispielsweise durchs Raster, sagt Timm Junker. Ihnen bleibe nur, Grundsicherung zu beantragen.

Corona: Veranstaltungsbranche in der Krise

Am Mittwoch (26.08.2020) hat der Haushaltsausschuss des Landtags darüber beraten, wie die Corona-Hilfen für Selbstständige verbessert werden können.

Eine junge Frau, die bis zur Corona-Krise für die Messe Frankfurt gearbeitet hat, fürchtet um ihre Ausbildung. Sie erzählt, dass sie Gelegenheitsjobs annehme, um finanziell über die Runden zu kommen.

Timm Junker wünscht sich von der Politik nicht nur eine bessere finanzielle Absicherung, sondern vor allem mehr Mut. Veranstaltungen mit mehr Besuchern seien möglich. Das Risiko müsse neu bewertet werden, fordert er und bekommt dafür Applaus. Es gebe technische Hilfsmittel, um Kontakte nachzuverfolgen, man habe inzwischen viele Erfahrungen zu Hygienekonzepten gesammelt. „Wir sind bereit.“

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