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Die Karnevalisten aus Gent sind seit häufige Gäste in Wiesbaden. Aus der Partnerschaft ist längst Freundschaft geworden.
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Die Karnevalisten aus Gent sind seit häufige Gäste in Wiesbaden. Aus der Partnerschaft ist längst Freundschaft geworden.

Wiesbaden

Wiesbaden und Gent beenden Städtepartnerschaft nach 51 Jahren

  • VonDiana Unkart
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Im belgischen Gent hält die Stadtregierung das Format für nicht mehr zeitgemäß - und bekommt Widerspruch von Menschen, die über die Partnerschaft zu Freunden geworden sind.

Mit einem solchen Gespräch hatte Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende nicht gerechnet. Am Telefon erfuhr er, dass Gent, Partnerstadt von Wiesbaden, die Verbindung lösen wolle. Ein Besuch von Mende in Belgien, der wegen Corona verschoben werden musste, soll nun der letzte Akt und Abschluss einer immerhin 51 Jahre währenden Partnerschaft sein.

Fassungslos waren auch die Mitglieder des Männerballetts „Biebricher Waden“, die seit 2008 mit den Karnevalist:innen im Genter Stadtteil Ledeberg verbunden sind. „Inzwischen“, sagt Peter Vorndran, Präsident von Kolpings Närrischen Gesellen Biebrich, „sind Freundschaften entstanden.“ Man treffe sich mehrmals im Jahr. Am Ortseingang von Ledeberg weist ein Freundschaftsschild auf die Verbindung hin. Aus Gent habe er ähnliche Reaktionen bekommen. Viele Menschen könnten den Beschluss nicht nachvollziehen und hielten ihn für eine „einsame Entscheidung“ der Genter Stadtregierung.

Dass Städte Partnerschaften formal kündigen, komme selten vor, sagt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Es gebe aber Fälle, in denen Städtepartnerschaften über Jahre oder Jahrzehnte einschliefen. Etwa, wenn Personen, die die Verbindung angeschoben und getragen hätten, aus dem Dienst schieden. In den vergangenen Monaten haben einige Städte aus Protest Partnerschaften mit polnischen Kommunen beendet, nachdem diese sich zu LGBT-freien Zonen erklärt hatten.

kontaktpflege

Wiesbaden unterhält derzeit 13 Städtepartnerschaften, eine Patenschaft und vier Stadtteilpartnerschaften. 2016 wurde in der Stadt das „Jahr der Städtepartnerschaften“ gefeiert.

Deutsche Kommunen pflegen nach Angaben des Deutschen Städtetages mehr als 5000 offizielle Partnerschaften zu ausländischen Kommunen. Hinzu kommen etwa 550 Städtefreundschaften und mehr als 900 weitere Kontakte und Projektpartnerschaften. Außerdem gibt es viele deutsch-deutsche Partnerschaften. diu

Die Datenbank der Partnerschaften des Rates der Gemeinden und Regionen, in dem der Deutsche Städtetag Mitglied ist, bietet einen Überblick: https://www.rgre.de/partnerschaft/datenbank

In Belgiens zweitgrößter Stadt Gent hat der Gemeinderat entschieden, die Partnerschaften nicht weiterzuführen, weil sie nicht mehr zeitgemäß seien. Tatsächlich ist die Idee von Städtepartnerschaften nicht neu. Sie entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Austausch auf kommunaler Ebene sollten dafür sorgen, dass sich ein europäisches Bewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt.

Gents 2020 ins Amt gekommener Bürgermeister Mathias de Clercq sagte einem belgischen Fernsehsender, dass es heutzutage merkwürdig erscheine, eine ganze Stadt zu verbrüdern. Sein Wiesbadener Amtskollege Mende teilt diese Ansicht nicht: „Städtepartnerschaften bringen Kommunen europa- und weltweit näher zusammen und sorgen für eine enge Verbindung ihrer Bürgerinnen und Bürger.“ Gerade die europäische Einigung sei keine Selbstverständlichkeit, wie zuletzt der Brexit gezeigt habe. Wo es auf staatliche Ebene Misstöne gebe, verbänden Städtepartnerschaften die kommunale Ebene auch in schwierigen Phasen und schafften Vertrauen, sagt Helmut Dedy. „Dann schlägt die Stunde städtischer Diplomatie.“ Die sei in Zeiten von Brexit, Corona, Abschottung und antidemokratischer Entwicklungen in einigen Teilen der Welt besonders wichtig.

Viele Städte unterhielten langjährige Partnerschaften in Europa und der Welt. Sie seien es, die neue Entwicklungen anstießen und umsetzten – etwa beim Klimaschutz, bei der Digitalisierung, der Bildung, im Sport oder der Sozialarbeit. Neue Impulse durch Dialog, kollegiale Beratung und Freundschaft – das seien die Vorteile internationaler Städtezusammenarbeit.

Wie sie ausgestaltet würde, sei unterschiedlich. Häufig gebe es Schüler:innenaustausche. Vereine, Theatergruppen, Chöre und Orchester veranstalteten gemeinsame Turniere und Aufführungen. Sich international auszutauschen, sei während der Corona-Pandemie schwierig. Aber vielerorts seien neue kreative und virtuelle Wege beschritten worden, um den Kontakt zu halten.

Die Menschen in Biebrich und Ledeberg wollen an ihrer Freundschaft festhalten. „Sie wird fortbestehen und weiter wachsen“, sagt Peter Vorndran. Heute sei es mehr denn je notwendig die Verbindungen zu pflegen. Diese Freundschaft sei mit Geld nicht zu bezahlen. „Sie kommt tief aus den Herzen.“

Das Freundschaftsschild steht in Ledeberg.

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