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Wiesbaden soll wichtige Immobilien in der Innenstadt ankaufen

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Von: Diana Unkart

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Ein einseitiger Branchenmix führt dazu, dass Städte an Attraktivität verlieren.
Ein einseitiger Branchenmix führt dazu, dass Städte an Attraktivität verlieren. © Renate Hoyer

Wissenschaftler der Mainzer Gutenberg-Universität und des städtischen Amtes für Statistik und Stadtforschung haben die Ergebnisse einer Untersuchung zum Wandel der Innenstadt vorgelegt.

Eine Wiesbadener Innenstadt, so wie sie sich Passant:innen, Einzelhändler:innen und Gastronom:innen wünschen, wäre ein Ort – sauber und sicher – der mit individuellen Geschäften lockt, der zum Flanieren und Verweilen einlädt, an dem Kultur erlebt oder gut gegessen werden kann. Sie wäre Wohnort und böte verschiedenen Gruppen Platz. Studierende des Geographischen Instituts der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz haben knapp 1600 Passant:innen, mehr als 100 Einzelhändler:innen und 130 Gastronom:innen befragt und die Daten gemeinsam mit dem Wiesbadener Amt für Statistik und Stadtforschung ausgewertet. Es ist die bislang umfassendste Untersuchung dieser Art. Die Daten sollen die Grundlage für spätere politische Entscheidungen sein.

Zu hohe Mieten

„Das wird uns beschäftigen“, prophezeit Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Die Ergebnisse seien nicht frei von Widersprüchen. Heißt: Sie sind teilweise nicht so eindeutig, dass sich aus ihnen klare Handlungsaufträge ableiten ließen. Passantinnen und Passanten fühlten sich zum Beispiel vor der Corona-Pandemie in der Wiesbadener Innenstadt wohl. Die Einzelhändler und Einzelhändlerinnen bewerten sie hingegen deutlich kritischer. Sie klagen über hohe Mietbelastungen, wünschen sich mehr Sicherheit und Sauberkeit.

Die Innenstädte stehen vor großen Veränderungen. Geschäfte verschwinden, große Kaufhäuser schließen. Als Folge der Digitalisierung boomt der Onlinehandel. Die Pandemie hat diese Entwicklungen verstärkt und beschleunigt. Das empfinden auch die Befragten so. Sie nehmen diese Veränderungen als Einschnitt und Wendepunkt wahr. Passantinnen und Passanten sagen, die Attraktivität der Innenstadt habe abgenommen. Die Fußgängerzone sei längst nicht mehr so belebt. Geschäfte stünden leer. Der Einzelhandel hat massiv an Umsatz eingebüßt. 75 Prozent der befragten Händler:innen verzeichneten Rückgänge in unterschiedlicher Höhe. Nur vier Prozent konnten ihre Umsätze steigern.

Was aber kann eine Kommune wie Wiesbaden unternehmen, um das Siechtum zu beenden und die Innenstadt zu beleben? Alle Vorhaben seien sinnvoll, die der Sauberkeit dienten und die Aufenthaltsqualität verbesserten, raten die Forscher:innen. Viele Befragte wünschen sich zum Beispiel Orte in der Stadt ohne Konsumzwang, Plätze mit viel Grün und gute fußläufige Verbindungen.

Weitaus schwieriger dürfte ein anderer Punkt umzusetzen sein. Aus Sicht der Wissenschaft sollte Wiesbaden zumindest prüfen, ob es sinnvoll ist, Ankerimmobilien in der Stadt zu erwerben, um dort Zwischennutzungen oder längere Nutzungen als Alternative zu bestehenden Läden zu etablieren. Es ist die Uniformität der Städte, die sie beliebig und damit nicht mehr attraktiv für Besucher:innen macht. Ob Hamburg, Wiesbaden, Düsseldorf oder Dresden: Die Kundschaft erwartet das immer gleiche Angebot. Oft seien es nur noch die großen Ketten, die in der Lage seien, Mieten in den guten Lagen zu bezahlen. Verloren geht die Individualität und das Gesicht der Stadt.

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