1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Wiesbaden soll einen modernen Kirchenneubau bekommen

Erstellt:

Kommentare

Pfarrer Frank Schindling und die Gemeinde in Delkenheim wollen einen modernen Kirchenbau. Schick
Pfarrer Frank Schindling und die Gemeinde in Delkenheim wollen einen modernen Kirchenbau. Schick © Michael Schick

St. Stephan in Delkenheim soll unter anderem über Photovoltaik und Begegnungsräume verfügen. Eingeladen, sagt Pfarrer Frank Schindling, seien alle Menschen.

Im Wiesbadener Stadtteil Delkenheim soll eine neue katholische Kirche gebaut werden. Dass in Zeiten, in denen viele Menschen die Kirchen verlassen und Gotteshäuser verkauft werden müssen, eine neue Kirche entstehen soll, liegt unter anderem an der dortigen Gemeinde, die sich beharrlich für die Kirche St. Stephan eingesetzt hat.

Das Gotteshaus aus den 1970ern ist in die Jahre gekommen. Das Dach ist undicht, der Investitionsbedarf hoch. So hoch, dass das Bistum Limburg schon vor Jahren die Zuschüsse gestrichen hat. 2006 gründete sich ein Förderkreis. Menschen aus dem Ort sammelten und spendeten für ihre Kirche. Dazu kamen Einnahmen aus der Vermietung des Untergeschosses. Dort war die städtische Krippe untergebracht. So sei der laufende Betrieb gesichert worden, erzählt Pfarrer Frank Schindling aus der Katholischen Pfarrei St. Birgid, zu der der Kirchort Delkenheim gehört. Als die Stadt eine neue Kindertagesstätte mit Krippe bauen ließ, fielen die Einnahmen weg, die undichten Stellen im Dach aber blieben. Bei Pfarrer Schindling und in der Gemeinde reifte eine Idee.

Die Kirche St. Stephan in Delkenheim, einst als Multifunktionsgebäude geplant, steht auf einem 5050 Quadratmeter großen Grundstück, das der katholischen Kirche gehört. Um den Kirchenneubau zu finanzieren, sollen rund 4000 Quadratmeter verkauft und mit Wohnungen bebaut werden. Partnerin ist die SEG Stadtentwicklungsgesellschaft. Bistum und Gemeinde wollen sich an der Finanzierung des Kirchenbaus beteiligen. Die neue Kirche wird nach dem Abriss der alten an anderer Stelle auf dem Grundstück entstehen: an der Ecke Stuttgarter Straße/Münchener Straße.

Eine Kombination aus Kirche und Wohnbebauung zu schaffen, sei durchaus anspruchsvoll, sagt Pfarrer Schindling. Der Neubau soll als Kirche erkennbar sein, Wirkung entfalten, ohne den Platz zu dominieren. Aus einem Konzeptwettbewerb ging das Wiesbadener Architekturbüro Grabowski.Spork als Sieger hervor. Inzwischen ist der Gemeinde der erste Entwurf, den der Pfarrer ausdrücklich als solchen und als Diskussionsgrundlage verstanden wissen möchte, präsentiert worden – mit positivem Echo, erzählt er.

Die neue Kirche soll zeitgemäß sein. Keine Predigten von oben, sondern aus der Mitte heraus. So könnten die etwa 120 bis 150 Sitzplätze in einer Art Halbrund angeordnet werden. „Kirche auf Augenhöhe“ nennt es der Pfarrer. Licht soll dem Raum eine sakrale Erscheinung geben. Denkbar ist zum Beispiel ein senkrechtes Lichtband, das die Verbindung von Himmel und Erde symbolisiert. Von oben könnte Licht einfallen, um den Platz, an dem sich die Gemeinde zum Gottesdienst versammelt, zu erhellen. Vorgesehen sind außerdem Begegnungsräume in Richtung der Wohnbebauung. „Wir wollen etwas bauen für Delkenheim, für Wiesbaden, für alle“, sagt Frank Schindling. „Wir werden nicht danach fragen: Bist du evangelisch, bist du ausgetreten, bist du Muslim?“ Jesus habe immer nur den Menschen gesehen. Dieser Gedanke solle in Delkenheim gelebt werden. „Wir brauchen die Menschen, die das mit Leben füllen.“ Mit dem Bau der neuen Kirche St. Stephan soll ein Ausrufungszeichen für Wiesbaden gesetzt werden: Christliche Werte wie Toleranz, Vertrauen, Achtung und Respekt vor Mensch und Schöpfung würden heute dringender denn je gebraucht.

Der Gedanke, die Schöpfung zu bewahren, spiegelt sich in der Auswahl der Materialien wider. Nachhaltig sollen sie sein. Der Einsatz von Photovoltaik ist angedacht, die Nutzung von Brauchwasser oder die Begrünung der Dachflächen.

Für die Außengestaltung schlägt das Architekturbüro einen Lichtfries vor, der die Fassade subtil mit Schriften oder Bildern bespielt. Noch aber werden Ideen gesammelt. Die Kosten variieren je nach Bauausführung. Nach Angaben der Kirche werden sie im niedrigeren einstelligen Millionenbereich liegen.

In einem anderen Stadtteil im Wiesbadener Osten hat die katholische Kirche ein Gotteshaus aufgegeben. Die Kirche St. Johannes in Rambach ist Ende 2020 an den Alpenverein verkauft worden.

Auch interessant

Kommentare