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Etwa 50 Prozent der Wiesbadener Eltern wünschen sich für ihr Kind eine gymnasiale Laufbahn.
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Etwa 50 Prozent der Wiesbadener Eltern wünschen sich für ihr Kind eine gymnasiale Laufbahn.

Wiesbaden

Wiesbaden: Schulplatzvergabe nach Wohnorten?

  • VonDiana Unkart
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Die Gewerkschaft GEW beklagt soziale Auslese. Kinder aus Brennpunktschulen hätten kaum Chancen, an beliebten weiterführenden Schulen unterrichtet zu werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt, dass Kinder aus sogenannten Wiesbadener Brennpunktschulen bei der Vergabe von Plätzen an beliebte weiterführende Schulen benachteiligt würden. Es erfolge eine soziale Auslese nach Wohnorten, sagt Gewerkschafterin Christine Dietz.

Wie wohl in den meisten Städten und Landkreisen gibt es in Wiesbaden Schulen, die wegen ihres pädagogischen Konzepts, ihrer Ausrichtung oder ihrer Ausstattung innerhalb der Elternschaft besonders beliebt sind. Nach Zahlen der GEW sind das zum Beispiel die Integrierte Gesamtschule (IGS) Kastellstraße und die IGS Helene Lange. Beide Schulen sind, als jetzt die Entscheidung für den Bildungsweg nach der vierten Klasse anstand, überwählt worden. Das heißt, 116 Eltern haben die IGS Kastellstraße als Erstwunsch für ihr Kind angegeben. Es stehen aber nur 75 Plätze zur Verfügung. Noch gravierender war die Differenz zwischen Wunsch und Möglichkeit an der Helene-Lange-Schule. 233 Eltern hätten ihr Kind gern dort gesehen, 100 Plätze gibt es. „Wir haben bei der Vergabe genau hingeschaut“, sagt Christine Dietz. Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen Jahren das vorgezogenen Vergabeverfahren kritisiert. Die Schule, Trägerin des Deutschen Schulpreises und seit 1995 Versuchsschule des Landes Hessen, war in diesem Jahr erstmals in das reguläre Anmeldeverfahren integriert.

Den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern ist bei der Vergabe nun aber beispielsweise aufgefallen, dass kein Kind aus Wiesbadens größtem Stadtteil Biebrich an der IGS aufgenommen wird. Fünf Grundschulen gebe es dort immerhin, sagt Christine Dietz. Auch aus dem Sauerland und von der fünfzügigen Geschwister-Scholl-Schule im Stadtteil Klarenthal habe es kein Kind dorthin geschafft. Dass Eltern mehrerer Schulen die IGS gar nicht erst angewählt haben, führt die Gewerkschafterin auf schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit zurück.

Mit 14 Aufnahmen steche hingegen eine einzige Schule besonders hervor: die Konrad-Duden-Schule. Die liegt in Sonnenberg, einem Stadtteil mit vielen Villen und hoher Kaufkraft. Die GEW wirft dem Staatlichen Schulamt in einer Mitteilung vor, jetzt für die Schule über die Einzugsgebiete zu selektieren, später dann über das Kriterium der Geschwisterkinder. „Und damit sind Kinder aus bestimmten Stadtteilen bis auf weiteres raus, wenn es im nächsten Jahr keine deutliche Veränderung im Aufnahmeverhalten der Helene-Lange-Schule gibt.“

Ein Blick auf die weiteren Daten zur Schulplatzvergabe zeigt, dass eine gymnasiale Ausbildung nach wie vor gefragt ist. In Wiesbaden wünschen sich rund 50 Prozent der Eltern, dass ihr Kind nach der vierten Klasse ein Gymnasium besucht. 1233 Eltern haben diesen Wunsch geäußert. Zur Verfügung stehen 1278 Plätze. Um den Wünschen der Eltern entsprechen zu können, ist ein neues Gymnasium eingerichtet und sind Klassen erweitert worden. Haupt- und Realschulen sind hingegen weniger gefragt. 384 Eltern haben als Erstwunsch eine Haupt-/Realschule angegeben – 610 Plätze gibt es. Wegen der hohen Gymnasialquote von 50 Prozent warnt die GEW vor steigendem Selektionsdruck und Schulwechseln, wenn Kinder am Gymnasium scheitern. „Vom Trend her wird also das Gymnasium die Gesamtschule der Zukunft oder es gelingt endlich, die eine Schule für alle zu wagen, um künftig nicht noch größere Ströme von Schülerinnen und Schülern zur Unzufriedenheit aller Beteiligten umlenken zu müssen“, sagt Johanna Browman, Vorsitzende der GEW Wiesbaden-Rheingau.

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