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Radfahrer 

Verkehrswende in Wiesbaden

Sackkarren für Lieferdienste in Wiesbaden

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Die angekündigte Verkehrswende in Wiesbaden wird die Stadt stark verändern.

Wo heute Autos die Straßen verstopfen, könnten schon bald Radfahrer und Fußgänger entspannt ihrer Wege ziehen. Die im Luftreinhalteplan angekündigten Vorhaben beziehen sich nicht nur auf den Einsatz mit Spezialfiltern ausgestatteter Busse oder Müllautos und die Förderung von E-Mobilität und Radwegen. Die Pläne, die Wiesbaden vor dem Dieselfahrverbot bewahrt haben, werden die Stadt verändern. Denn zum Teil greifen sie in die Stadtgestaltung ein.

Das Parlament hatte 2018 ein 49-Punkte-Sofortpaket zur Luftreinhaltung beschlossen. Dieses wurde während der Verhandlungsphase vor Gericht noch ergänzt. Wie Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) dort am Mittwoch ausführte, soll die Schwalbacher Straße, in der heute Autos Stoßstange an Stoßstange fahren, völlig verändert werden. Kowol sprach von „Rückbau“, um die trennende Wirkung der Straße aufzuheben. Die Wellritzstraße soll bereits ab Ostern zur „temporären Fußgängerzone“ und der Verkehr durch weniger besiedelte Straßen umgeleitet werden.

Lieferdienste werden sich umgewöhnen müssen. Die Stadt lässt ein Logistikkonzept erstellen, das kurz- und langfristig umsetzbare Vorhaben angeben soll, um den Lieferverkehr zu reduzieren. Kowol sprach von „Logistikhaps“, Depots zum Umladen von Paketen, von denen die Ware vielleicht mit Elektro-Kleintransportern, Lastenrädern oder Sackkarren an ihr Ziel gebracht würden. Das angekündigte Parkraumkonzept hat insbesondere den Auftrag, die Berufspendler aus den Wohnquartieren zu halten.

Gastl: Auch Wirtschaft gefordert

Wer gestern erleichtert begrüßte, dass Wiesbaden in dem von der Deutschen Umwelthilfe angestrengten Gerichtsverfahren ohne Dieselfahrverbot davonkam, hat auch zur Umstrukturierung des Verkehrs Ja gesagt. Denn das Einhalten der Stickstoffdioxid-Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ist nur mit der Umsetzung der angekündigten Vorhaben zu erreichen.

„Jetzt gilt es, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen, damit die Maßnahmen langfristig wirken. Uns ist bewusst, dass auch die Wirtschaft gefordert ist“, stellt Christian Gastl, Präsident der Industrie- und Handelskammer fest. Auch die Handwerkskammer, die nach eigenen Angaben den Luftreinhalteplan konstruktiv begleitete, möchte sich „mit allen Wirtschaftspartnern dafür einsetzen, dass Umweltbelastungen künftig reduziert werden“. Die Bündnisgrünen erleben den Erfolg vor Gericht als Aufwind für die Verkehrswende, „die auch aus Klimaschutzgründen dringend erforderlich ist“, schreibt ihr verkehrspolitischer Sprecher Claus-Peter Große.

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Hans-Joachim Hasemann-Trutzel, verspricht, dass das von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Sofortpaket für saubere Luft auch umgesetzt werde. Die SPD, die sich über das Ergebnis freut, erkennt an, dass der Weg dorthin für die CDU nicht einfach gewesen sei. Sie habe „viele für sie bittere Pillen geschluckt“, erläutert Gerhard Uebersohn (SPD). Die Jungsozialisten mahnen weitere Anstrengungen an und fordern die Vernetzung des Verkehrs mittels einer Mobilitäts-App über die Stadtgrenzen hinaus.

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