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Bio-Landwirt Ditmar Kranz vom Wiesbadener Scholzenhof ist auf einer Messe auf den Roboter aufmerksam geworden.
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Bio-Landwirt Ditmar Kranz vom Wiesbadener Scholzenhof ist auf einer Messe auf den Roboter aufmerksam geworden.

Wiesbaden

Wiesbaden: Roboter „Farmi“ hilft auf dem Feld

  • vonDiana Unkart
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Landwirt Ditmar Kranz hat einen autonomen Helfer, der das Säen und Jäten übernimmt. Nebenbei ist er auch noch eine Attraktion.

Wenn die Felder am Rande von Nordenstadt in der Dunkelheit verschwinden, dann sieht es so aus, als sei ein UFO gelandet. Dezent beleuchtet und leise gleitet es über die Böden am Rande des Wiesbadener Stadtteils. „Das ist Science Fiction“, sagt Landwirt Ditmar Kranz vom Scholzenhof. Stimmt nicht ganz. FD 20 ist real – und auch bei Tageslicht eine Attraktion. Jedenfalls legen das die Reaktionen der Leute nahe, die an dem Feld vorbeikommen, verblüfft stehen bleiben und dem Feldroboter bei der Arbeit zuschauen.

Zuletzt säte der FD 20 der dänischen Firma FarmDroid Biorüben: Saatkorn für Saatkorn, in schnurgeraden Reihen, immer im Abstand von 18 Zentimetern. So möchte es Landwirt Kranz, so hat er es eingestellt und der Roboter arbeitet seine Befehle präzise ab. Später wird FD 20 über die Felder fahren und Unkraut hacken. Weil er weiß, wo er einst die Saatkörnchen in die Erde gelegt hat, wird er die Rüben verschonen. Nach Angaben des Herstellers ist der FD 20 der erste Roboter der Welt, der Ackerpflanzen aussäen und jäten kann. Weit verbreitet ist er noch nicht. In Hessen arbeite nur noch ein Kollege in der Rhön mit dem Roboter, erzählt Ditmar Kranz.

2013 hat er seinen rund 80 Hektar umfassenden Betrieb komplett auf Biolandwirtschaft umgestellt, ist zertifizierter Bioland-Betrieb. Das bedeutet, der Einsatz von Unkrautvernichtern ist tabu. Bis FD 20, von Familie Kranz kurz „Farmi“ genannt, einzog, war das Jäten personal- und arbeitsintensiv. „Rübenhacken war eine ätzende Arbeit“, sagt Ditmar Kranz. Und kann sich noch genau daran erinnern, wie sein Vater der Familie vor Jahrzehnten freudig verkündet habe, dass diese Arbeit nun nicht mehr nötig sei. Damals sei er sechs oder sieben Jahre alt gewesen. Der Siegeszug der chemischen Unkrautvernichter in der Landwirtschaft hatte begonnen. „Knapp 50 Jahre später kann ich wieder sagen, dass wir nicht mehr hacken müssen.“

Fortschritte in der Agrochemie haben in jener Zeit den Strukturwandel in der Landwirtschaft vorangetrieben. Heute ist es all das, was unter dem Schlagwort Digitalisierung der Landwirtschaft zusammengefasst wird. Autonom agierende Feldroboter sind nur die jüngste technische Entwicklung. Längst arbeiten Landwirte mit GPS, ermitteln Mähdrescher den Ertrag pro bestimmter Fläche und geben diese Daten dann später an den Düngestreuer weiter, der die Düngemittelmenge punktuell variieren kann. Das Klima in Ställen oder die Biogasanlage steuert der Bauer vom Smartphone aus. Im Kuhstall werden Futterautomaten und Melkroboter inzwischen selbstverständlich eingesetzt.

„Die Landwirtschaft ist, was die Digitalisierung angeht, gut aufgestellt“, sagt Bernd Weber, Sprecher des hessischen Bauernverbandes. Diese Entwicklung werde auf dem Acker und im Stall weiter voranschreiten. „Die Digitalisierung ist in der Landwirtschaft ein Megathema.“ Innovationen, die praktikabel und wirtschaftlich seien, würden von den Landwirten auch genutzt. „Da ist eine gewaltige Entwicklung im Gang“, sagt auch Landwirt Kranz.

Ditmar Kranz’ autonomer Feldroboter zuckelt gemächlich über den Acker. 700 bis 900 Meter schafft er pro Stunde. 20 Hektar pro Saison soll er unkrautfrei halten können, jedenfalls nach Angaben des Unternehmens, das ihn fertigt. An diesem Tag aber streikt FD 20 erst einmal. Er meldet, dass er das Feld fertig eingesät habe, aber es fehlen noch Reihen. Angestellte des Herstellers machen ihn von Dänemark aus wieder fit für seinen Einsatz in Wiesbaden.

Trotz Startschwierigkeit, eines hat „Farmi“ anderen Feldgeräten und -fahrzeugen voraus: Er fährt autark, arbeitet emissionsfrei und Co2-neutral. Seine Energie bezieht er aus vier Solarzellen, Akkus speichern das Sonnenlicht. So kann er auch nachts seine Runden drehen.

Die Anschaffungskosten für den Roboter sind hoch, nach Händlerangaben rund 75 000 Euro. Dennoch sei sie lohnenswert, im Moment noch eher für Bio-Landwirte, denen der FD 20 Personalkosten spart. Er habe nun einen Anbauumfang wie zu Zeiten, in denen er noch konventionell gewirtschaftet habe. „Wir müssen uns Gedanken machen“, sagt Kranz. „Darüber, wie wir das, was wir haben, für die nächste Generation erhalten können.“

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