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Wiesbaden reduziert an Werktagen das Busangebot

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Im Juli war noch eitel Sonnenschein: Jan Görnemann bei der Vorstellung des 100. Batteriebusses.
Im Juli war noch eitel Sonnenschein: Jan Görnemann bei der Vorstellung des 100. Batteriebusses. © Michael Schick

Eswe-Verkehr fährt wegen Personalmangels nur nach Samstagsfahrplan. Zusätzliche Fahrten werden spontan online angekündigt.

Aufgrund des eklatanten Fachkräftemangels werden in Wiesbaden deutlich weniger Busse fahren als bisher. Der Verkehrsdienstleister Eswe schränkt den regulären Verkehr deutlich ein. Von Schuljahresbeginn am nächsten Montag an verkehren die Busse auch an Werktagen nur nach dem Samstagsfahrplan. Anstatt der 3700 Fahrten an Werktagen werden noch 2800 Fahrten angeboten.

Ausgenommen ist der Schulverkehr. Schülerinnen und Schüler sollen wie bisher ohne Einschränkungen befördert werden. Das reduzierte Fahrplanangebot ist mit den Mainzer Stadtwerken abgestimmt. Auch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt sieht fahrplanmäßig weniger Busfahrten vor, weil Personal fehlt und Baustellen den Verkehr behindern, wie die Mainzer Mobilität mitteilt.

„Wir nehmen Luft aus dem Fahrplan, um etwas für unsere Mitarbeiter zu tun“, begründet Eswe-Geschäftsführer Jan Görnemann die Entscheidung. Nachdem Busfahrer:innen während der Gültigkeit der Neun-Euro-Tickets bis zur Erschöpfung Fahrgäste befördert hätten, müsse nun der Druck von ihnen genommen werden, erklärt er und verhehlt nicht seinen Ärger über das Billigticket. Die Bundesregierung habe auf dem Rücken des Personals den Menschen Geschenke gemacht, ohne zuvor in die Infrastruktur zu investieren, schimpft er.

Nun sollen die Fahrer:innen Gelegenheit haben, ihre Überstunden abzubauen und Urlaub zu nehmen. Zudem erhofft sich Görnemann, dass die Busse verlässlicher fahren. In den vergangenen Wochen waren viele Busse ausgefallen oder zu spät gekommen. Ausfälle habe es bei drei bis vier Prozent aller Fahrten gegeben. Was den Fahrdienst darüber hinaus belaste, seien Anfeindungen der Fahrgäste.

Görnemann hat die Presse in die Werkstatt auf dem Eswe-Betriebshof geladen. Im Hintergrund warten und reinigen Männer die Fahrzeuge. Es ist laut, Hydraulikschrauber zischen. „Ich möchte, dass Sie sehen, wie hier gearbeitet wird“, sagt der Eswe-Geschäftsführer, der seit Dezember im Amt ist, und fordert mehr Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiter:innen.

Für einen Betrieb nach dem vollen Werktagsfahrplan bräuchte Eswe-Verkehr etwa 850 Busfahrer:innen. Zurzeit seien 750 angestellt, davon seien 100 krank, so dass aktuell nur 650 zur Verfügung stünden, erläutert Martin Pächer, für den Geschäftsbereich Busbetrieb verantwortlich. Die Mangelsituation lasse sich nicht grundsätzlich beheben. „Der Markt ist ausgeblutet“, sagt Pächer. Der Bundesverband deutscher Omnibusunternehmen prognostiziert für 2030 76 000 fehlende Berufskraftfahrer:innen in Deutschland. Die Entscheidung gegen die Citybahn stellt sich laut Görnemann als „fataler Irrweg“ heraus. In einer Straßenbahn könne ein Vielfaches an Personen transportiert werden, folglich würden weniger Fahrer:innen gebraucht.

Der Fachkräftemangel führe dazu, dass sich die Verkehrsanbieter teils mit leeren Versprechungen das Personal abwürben. Um die Fahrer:innen bei der Stange zu halten, möchte sich Eswe-Verkehr als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Zehn Teamleiter, die Görnemann als „Anwalt des Fahrers“ bezeichnet, nehmen sich deren Problemen an: bei Fragen zum Arbeitsvertrag, der Lohnabrechnung. Zudem gebe es ein betriebliches Gesundheitsmanagement.

Es ist gut möglich, dass letztlich mehr Busse als auf dem Samstagsfahrplan verzeichnet rollen. Görnemann möchte bei hohem Bedarf eine sogenannte Reserve einsetzen. Fahrer:innen halten sich zur Verfügung und übernehmen spontan zusätzliche Fahrten. Görnemann rechnet damit, dass etwa 3000 Fahrten am Tag angeboten werden können. Diese zusätzlichen Busse werden auf der RMV-App oder unter eswe-verkehr.de angekündigt.

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