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Gert-Uwe Mende sagt, er liebe Wahlkampf. Er möchte Oberbürgermeister von Wiesbaden werden.

OB-Kandidat

SPD in Wiesbaden präsentiert Ersatzmann für Oberbürgermeisterwahl

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Politprofi Gert-Uwe Mende soll anstelle von Sven Gerich für die SPD zur Wiesbadener Oberbürgermeisterwahl antreten.

Nicht ganz so strahlend wie Noch-Oberbürgermeister Sven Gerich, aber freundlich und sympathisch; nicht ganz so jugendlich und smart wie Gerich, aber markant und seriös; und anders als Gerich von Jugend an in der SPD sozialisiert und ein Politprofi. Die Findungskommission der SPD Wiesbaden hat sich für Gert-Uwe Mende als Bewerber für die Oberbürgermeisterwahl am 26. Mai ausgesprochen, ein Vorschlag, dem der Unterbezirksvorstand am Montagabend geschlossen zustimmte. Mende sei unter mehr als 30 Vorschlägen für die Kandidatur ausgewählt worden. Am 9. März hat die SPD-Basis das letzte Wort darüber, ob er als Kandidat ins Rennen geht.

„Er hat den benötigten Abstand zum Rathaus und den dortigen Querelen“, beschreibt Parteichef Dennis Volk-Borowski den 56-jährigen Mende, und er wirkt erleichtert, dass es so schnell gelungen ist, einen Kandidaten zu präsentieren. Nachdem OB Gerich im Januar wegen diverser Vorwürfe bezüglich gemeinsamer Urlaube mit Unternehmern und dem Geschäftsführer der Wiesbaden Holding WVV, Ralph Schüler, kurzfristig von seiner angekündigten Kandidatur Abstand nahm, musste sich die SPD schleunigst nach einem neuen Bewerber umschauen.

„Wir suchten eine Person, die vermitteln kann“, sagt Christa Gabriel, die der Findungskommission vorsteht. Außerdem sollte die Person innerhalb und auch außerhalb der SPD bekannt und verwaltungserfahren sein. Diese Bedingungen scheint Mende zu erfüllen. Der Bürgermeistersohn aus Bebra, der in Göttingen Geschichte, Politik und Volkswirtschaft studierte, ist seit 40 Jahren Parteimitglied und seit 2006 Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Zuvor war er deren Pressesprecher, Leiter des Ministerbüros im hessischen Innenministerium und Pressesprecher des früheren hessischen Innenministers Herbert Günther, den er als seinen politischen Mentor bezeichnet.

Mende: „Wir kommen aus einer schwierigen Situation“

Mende, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, ist stellvertretender Vorsitzender der SPD Wiesbaden und Ortsvorsteher im Stadtteil Dotzheim. Und: Ralph Schüler kenne er nicht persönlich, versichert Mende, er habe nie mit ihm verhandelt und sei nie mit ihm verreist. Um jeden Zweifel an seiner Integrität auszuräumen, sagt er auch, er werde für jeden Tag seines Wahlkampfs Urlaub nehmen.

„Ich bin Realist“, sagt Mende zu den Vorwürfen gegenüber Gerich, „wir kommen aus einer schwierigen Situation.“ Dennoch sehe er gute Chancen, Oberbürgermeister zu werden. Er werde an Gerichs erfolgreiche Politik anknüpfen und für den Zusammenhalt in der Kommune kämpfen: für mehr bezahlbare Wohnungen, eine Mietpreisbremse der kommunalen Wohnungsgesellschaften, Klimaschutz, den Ausbau eines bezahlbaren öffentlichen Nahverkehrs und die Citybahn, aber auch für einen Bürgerentscheid oder ein Vertreterbegehren zur Citybahn. Die Sanierung der Schulen solle forciert und die Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden, wozu das Land finanziell etwas beitragen müsse.

Zudem habe die Stadt an ihrer politischen Kultur zu arbeiten. Es sei unbestritten, dass auch „Personen aus der SPD“ Fehler gemacht hätten. Es sei jedoch Abstand zu nehmen von „Anschuldigungen interessengeleiteter Quellen“ sagte er. Für persönliche Angriffe stehe er nicht zur Verfügung, sondern setze auf Aufklärung, unter anderem durch die Staatsanwaltschaft. Es sei in diesem Zusammenhang richtig, die Zahl der Aufsichtsratsmandate zu begrenzen. Um all dies den Menschen zu erklären, wolle er viele Gespräche führen, vielleicht sogar gemeinsam mit dem in der Stadt beliebten OB Gerich. Mende sagt: „Es ist mir eine Ehre“ und „Ich liebe Wahlkampf.“

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