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Wiesbaden: Polizei hat einen neuen Präsidenten

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Von: Diana Unkart

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Innenminister Peter Beuth (l.) hat Felix Paschek ins Amt des Polizeipräsidenten eingeführt. Michael Schick
Innenminister Peter Beuth (l.) hat Felix Paschek ins Amt des Polizeipräsidenten eingeführt. Michael Schick © Michael Schick

Der 46-jährige Felix Paschek ist der neue Mann an der Spitze des Polizeipräsidiums Westhessen. Er gilt als integer und als Vertreter einer neuen Generation von Spitzenführungskräften

Das Polizeipräsidium Westhessen mit Sitz in Wiesbaden hat einen neuen Präsidenten: Am Montag wurde Felix Paschek offiziell in sein Amt eingeführt. Vorgänger Stefan Müller war kürzlich zum Frankfurter Polizeipräsidenten ernannt worden. Paschek, 46 Jahre alt und damit einer der jüngsten Polizeipräsidenten in der Geschichte Hessens, steht für einen Generationenwechsel und eine neue Führungskultur; diese Hoffnung klang während des Festakts an. Der Ruf der hessischen Polizei ist nach einer langen Reihe von Skandalen ramponiert.

Wieder Vertrauen zu gewinnen, sei deshalb eine der großen Herausforderungen, sagt Paschek in seiner Rede. Und die Fortschreibung des Leitbilds, einer Art Identitätsbeschreibung und Kompass für die Polizei. Im Juli vorigen Jahres hatte er die Leitung der „Stabsstelle Fehler- und Führungskultur“ übernommen, die sich darum kümmern soll, dass die 130 Empfehlungen einer Expertenkommission umgesetzt werden. Damals war Paschek noch Vizepräsident des Landeskriminalamts.

Als „durchsetzungsstarke Persönlichkeit“ lobt ihn Vorgänger Müller, als „den geborenen Schutzmann mit klarer innerer Haltung“ und „Vorzeigepolizisten einer neuen Generation“ Innenminister Peter Beuth (CDU). Paschek sei einer, der die Dinge beim Namen nenne. Paschek, der 1998 zur hessischen Polizei kam und dessen Karriere als Streifenpolizist begann, eilt ein guter Ruf voraus.

Zur Person

Felix Paschek , 46 Jahre alt, trat 1998 in den hessischen Polizeidienst.

Dem höheren Polizeivollzugsdienst gehört er seit 2006 an. Er war unter anderem im Lagezentrum und als Referent im Einsatzreferat des Landespolizeipräsidiums tätig.

Von 2009 bis 2011 war Felix Paschek Leiter des 1. Polizeireviers und von 2011 bis 2014 stellvertretender Leiter der Direktion Mitte des Polizeipräsidiums Frankfurt.

Nach einer Station bei der II. Hessischen Bereitschaftspolizeiabteilung in Lich war er von 2015 bis 2017, als viele Geflüchtete vor allem aus Syrien Schutz in Deutschland suchten, als kommissarischer Leiter des Dezernats Asylrecht zum Regierungspräsidium Gießen abgeordnet.

2017 wurde Felix Paschek Referatsleiter im Landespolizeipräsidium und baute dort ein neues Referat auf. Sein Schwerpunkt war das sogenannte Rückführungsmanagement.

Im Oktober 2020 wurde Paschek zum Vizepräsidenten des Hessischen Landeskriminalamtes ernannt. Die Leitung der „Stabsstelle Fehler- und Führungskultur“ übernahm er im Juli 2021. diu

In Wiesbaden ist er zuständig für die Sicherheit von mehr als einer Million Menschen in 82 Gemeinden und verantwortlich für rund 2400 Kolleginnen und Kollegen. Das Polizeipräsidium Westhessen umfasst die Landkreise Hochtaunus, Limburg-Weilburg, Main-Taunus, Rheingau-Taunus sowie die Landeshauptstadt mit besonderen Schutzobjekten wie dem Landtag.

Als große Herausforderungen der Polizeiarbeit nennt der neue Polizeipräsident den Kampf gegen die sogenannte Kinderpornografie, gegen Rechtsextremismus und die Bekämpfung von Kriminalität im digitalen Raum. Paschek, Schuhgröße 50, sagt, er habe eigentlich keine Angst vor großen Fußstapfen. Aber was Vorgänger Stefan Müller geleistet habe, sei bemerkenswert. Innenminister Beuth nannte einige Kennziffern: Die Kriminalitätsrate sei gesunken und habe 2021 den niedrigsten Stand seit 1984 erreicht. Die Aufklärungsquote sei von 59 auf 65 Prozent gestiegen. Wiesbaden hat als erste Stadt in Hessen eine Waffenverbotszone umgesetzt. Auch die Einführung der Videoüberwachung in der Stadt sei Müllers Verdienst und ein Erfolg.

Im Polizeipräsidium herrscht seit Müllers Weggang Unsicherheit. Die Kolleginnen und Kollegen fragten sich, ob es der Behörde guttue, wenn gleichzeitig die gesamte Führungsebene ausgetauscht werde, berichtet Personalratschef Peter Wittig. Denn neben Müller verlässt die Vizepräsidentin das Präsidium, sie geht in den Ruhestand. Wittig sorgt sich auch wegen der gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Respekt vor der Polizei schwinde, Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten nehme zu. Paschek möchte als „Erster unter Gleichen“ zuhören, seinen Kolleginnen und Kollegen, den Bürgerinnen und Bürgern. Fürsorglich wolle er sein und für passende Rahmenbedingungen sorgen.

Pascheks Wechsel an die Spitze des Polizeipräsidiums Westhessen ist eine von mehreren wichtigen Personalentscheidungen. Beuth spricht von der größten Personalrochade, die in den vergangenen Jahren innerhalb der hessischen Polizei erfolgt sei. Am Mittwoch steht die nächste Amtseinführung an: Björn Gutzeit, zuvor Vizepräsident des Polizeipräsidiums Frankfurt, wechselt als Präsident ins Polizeipräsidium Südhessen nach Darmstadt.

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