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Räume für Telefonate und Konferenzen können gemietet werden.

Heimathafen

Ein Zukunfts-Update für Wiesbaden

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Der Heimathafen plant für nach seinem Umzug ins Alte Gericht ein Social Inovation Lab. Wirtschaft und Gesellschaft sind eingeladen, Lösungen für die gesellschaftlichen Probleme zu finden.

Die Idee für den Heimathafen vergleicht Dominik Hofmann gerne mit einer Wette auf die Zukunft. Die Wette hat der 34-Jährige gewonnen. Sein Geschäftsmodell, für Gründer und Kreative Arbeitsplätze und Kommunikation bereitzustellen, floriert. Coworking Spaces und Konferenzräume sind gut belegt. Abgesehen von der modernen technischen Ausrüstung wirkt das Inventar improvisiert. Unterschiedliche Schreibtische stehen in den Arbeitsräumen, das Regal ist aus Holzkisten gezimmert und die Plüschsofas sind uralt.

„Der Bedarf für unsere Angebote ist da, und er wächst“, sagt Hofmann, der neben Albrecht von Schnurbein einer der beiden Gesellschafter ist. Bei manchen Veranstaltungen würden die Besucher auf Stufen und Kisten sitzen, weil es nicht genug Stühle gebe. „Das ist geil, aber eng.“

Der Heimathafen
Das Gründer- und Kreativzentrum wurde 2013 gegründet. Heute verweist der Heimathafen auf 15 Start-Ups und Firmensitze und 50 Kreative und Freiberufler, die beraten wurden. Im Jahr werden 100 Veranstaltungen angeboten und 350 Konferenzen und Business-Meetings finden statt. Zum Team gehören 26 Personen.

Der Umzug ins Alte Gericht ist für Frühjahr 2021 vorgesehen. Die Nassauische Heimstätte will das Gebäude bis dahin sanieren.

Das Café am alten Standort in der Karlstraße soll erhalten bleiben.

In Gedanken ist der Betriebswirtschaftler daher schon dabei, das Modell des Heimathafens auf einen größeren Maßstab zu übertragen. Den Spirit hat der Vater dreier Töchter aus den USA mitgebracht, wo er mit seiner Frau eine Weile lebte. Dort habe er sich vom deutschen Sicherheitsdenken emanzipiert, sagt er. Geht alles nach Plan, wird der Heimathafen im Frühjahr 2021 ein paar Straßenecken weiter ins Alte Gericht umziehen. „Das ist das Fünffache an Fläche“, sagt Hofmann und räumt die riesige Herausforderung ein. Es soll dort mehr Arbeits-, Konferenz- und Besprechungsräume, ein richtiges Gründerzentrum mit eigenen Mentoren, Raum für Kunst und Kultur und ein Digitalisierungs-Hub geben. Gemeinsam mit der benachbarten Hochschule Fresenius soll ein „Kreativzentrum“ entstehen.

Doch das ist nicht alles. Hofmann treibt die Vision an, ökonomische und gesellschaftliche Fragen zusammenzubringen. Seine Diplomarbeit schrieb er über Social Business und darüber, wie Unternehmen gesellschaftliche Probleme lösen können. Den Umzug ins Alte Gericht betrachtet er als Chance für ein Zukunftsfähigkeits-Update für Wiesbaden. Längst hätten nicht nur Start-ups Interesse an Zukunftsthemen. Auch große Unternehmen wollten von der flexiblen Arbeitsweise und Innovationsfreude lernen und hätten den Stellenwert von Lebensqualität erkannt.

Der Heimathafen soll um ein „Social Innovation Lab“ ergänzt werden, das die Probleme moderner Gesellschaften wie Urbanisierung, Überalterung und Vereinsamung bearbeitet. Vereine, Kirchen und Wohlfahrtsinstitutionen könnten mitwirken. Partnerschaften mit Stadt und Industrie- und Handelskammer seien angestrebt. Es soll einen „hochschulübergreifenden Hub“ geben. Die Nassauische Sparkasse habe schon zugesagt, für drei Jahre das Projekt zu unterstützen, weil sie das Potenzial für die Stadt sieht.

Dem Einrichtungsstil werde man weiter treu bleiben, „Es wird mehr professionelles Design geben“, sagt Hofmann, deutet aber an, dass der alte Plunder auch noch Platz haben wird.

Dominik Hofmann ist Betriebswirt und einer der beiden Geschäftsführer des Heimathafens.

Das Jünglingsbier

Max Faust, 29, Betriebswirt und Dozent an der Hochschule Fresenius: Die Idee, mit einem eigenen regionalen und hochwertigen Bier an den Markt zu gehen, sei ihm abends bei einem Glas desselbigen gekommen, erzählt Max Faust. Der Clou sei „die spannende Marke“, mit der sich die Kunden jung und frei fühlen sollen. Das Jünglingbier ist aber auch ein nachhaltiges Produkt. Hergestellt wird es von der Brauerei Rittmeyer im bayrischen Hallerndorf, die hochwertige und regionale Rohstoffe handwerklich und nach dem Reinheitsgebot energieneutral verarbeitet. Zu kaufen gibt es das Bier bei Edeka oder online und bei einigen Wiesbadener Gastronomen. Seit der Geschäftsgründung 2017 wurden bis zu 25 000 Flaschen abgefüllt. „Wir wachsen langsam, aber gesund“, sagt Faust. Der Heimathafen sei hilfreich gewesen, weil die neue Marke in dessen Netzwerk gestreut werden konnte.

Maldaner Coffee

Sebastian Schulz, 29, Marketing und Kommunikationswirt: Seine Liebe zu Kaffee hat Schulz aus dem elterlichen Café Maldaner, einem traditionsreichen Wiesbadener Kaffeehaus. Sein Unternehmen ist ein Social Start-up mit hohem ethischen Anspruch. Schulz möchte nicht nur aus der Massenware ein Qualitätsprodukt machen. Die gesamte Wertschöpfungskette vom Bauern bis zur Rösterei wird offengelegt, die Prozesse optimiert, das Qualitätsmanagement verbessert und den Kaffeebauern werden faire Preise gezahlt. Für seinen aromatischen Expresso oder Filterkaffee röstet er die Bohnen selbst. Zudem baut er eine Plattform auf, die weltweit die Kaffeeproduzenten mit Röstereien zusammenbringen soll, so dass Zwischeninstanzen entfallen und mehr Geld beim Bauern hängen bleibt. Die Idee wurde mit Hilfe von Mentoren im Accelerator-Programm des Heimathafens marktfähig gemacht.

Lenicura

Katharina Reinhard, 34, Geschäftsführerin. Der Unternehmerin gelang es mit einem Physiker, eine nebenwirkungsarme Behandlungsmethode gegen die chronische Hautkrankheit Akne Inversa, das sind Abszesse und Fisteln hauptsächlich in Achseln und Leisten, zu entwickeln. Mit der Strahlentherapie aus Licht und Radiofrequenz erfahren Patienten erhebliche Erleichterung. Bisher mussten die entzündeten Hautpartien herausgeschnitten werden oder Antibiotika und teure Immunsupressiva verordnet werden. Die Behandlungsmethode wurde an der Hautklinik Mainz klinisch getestet. Lenicura baut zudem ein Netzwerk auf, das Patienten mit Ärzten verbindet und Ärzte mit Forschungsergebnissen versorgt. Die Patienten erhalten Einblick in die digitale Dokumentation. Von einem regelmäßigen Austausch zum Businessmodell mit anderen Gründern im Heimathafen hat Reinhard profitiert.

Smart Collectors

Christian Rother, 34, Hotelfachmann und Betriebswirt. Mit seinem 2017 gegründeten Unternehmen möchte Rother zum Kunstsammeln anstiften. Werke, die für Menschen mit kleinem Geldbeutel unerschwinglich sind, können für einen gewissen Zeitraum ab 35 Euro gemietet werden. Sollte der Mieter das Stück nicht mehr hergeben wollen, kann er es kaufen und die Mietzahlungen werden auf den Kaufpreis angerechnet. Rother möchte auf diese Weise dazu anregen, Kunst als Altersabsicherung und alternative Geldanlage zu sammeln. Die Künstler erhalten monatlich einen Teil der Miete. Da Künstler so mit regelmäßigen Einkünften rechnen dürfen, kann das Modell ihre finanzielle Situation stabilisieren. Präsentiert werden die Stücke online, in Partner-Galerien oder auf Messen. Rothers Ideen wurden im Accelerator-Programm zur Marktreife gebracht.

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