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Bärbel Riemann mit den orangen Ballons gegen Gewalt.

Wiesbaden

Zonta-Club Wiesbaden sucht die jungen Frauen

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Der Berufstätigen-Club feiert sein 100-jähriges Bestehen und wirbt um Nachwuchs

Die Zeit der Bescheidenheit sei vorbei, sagt Bärbel Riemann. Die Präsidentin des Zonta-Clubs Wiesbaden möchte Aufmerksamkeit erreichen für das, was Aufmerksamkeit verdiene. Für die Gleichberechtigung der Frauen und ihren Verein. Denn der Club für berufstätige Frauen setzt sich für Frauenrechte in der ganzen Welt ein – aber seine Leistungen seien zu wenig bekannt, weil Frauen sich traditionell nicht nach vorne drängten, sagt Riemann, der diese Zurückhaltung persönlich fremd ist.

In ihrem Berufsleben war sie Vertriebsmanagerin bei einem großen PC- und Druckerhersteller. Die Farbe Orange der Luftballons, mit denen Zonta jetzt an die Öffentlichkeit geht, scheint die richtige für das Anliegen zu sein. Knalliger geht’s nicht.

Der Zonta-Club Wiesbaden mit der Clubnummer 0322 in der Area 02, Distrikt 28, wurde 1954 als dritter in der Bundesrepublik nach Hamburg und München gegründet. 25 Clubgründungen gingen von Wiesbaden aus. Die erste internationale Zonta-Versammlung auf deutschem Boden fand 1976 in der hessischen Landeshauptstadt statt. Und jetzt fehlen die jungen Frauen.

„Die meisten unserer 30 Mitglieder sind über 60 Jahre alt“, klagt Riemann, Frauen, die für den Club Großartiges geleistet hätten. Zum 65. Geburtstag der Wiesbadener Gruppe und zum 100-Jährigen von Zonta International in diesem Jahr haben sie sich vorgenommen, den Club sichtbarer zu machen, um junge Frauen anzusprechen. „Es gibt Fortschritte bei der Gleichberechtigung, aber wir müssen aufpassen, das Erreichte zu erhalten“, sagt Riemann. Auch Dominique-Chantal Pontani, die für die hessischen Zonta-Clubs im Landesfrauenrat vertreten ist, erkennt ein abnehmendes Engagement für Frauenrechte in der Gesellschaft. Die 49-jährige Steuerberaterin mit eigener Kanzlei in Wiesbaden verweist auf die schlechteren Aufstiegschancen für Frauen und die noch immer schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Unterschied zu bekannten Männer-Clubs steht bei Zonta weniger das berufliche Netzwerk als Gemeinschaft und Wohltätigkeit im Vordergrund. „In der Gemeinschaft lässt sich mehr erreichen“, sagt Pontani. Austausch und persönliche Hilfe würden großgeschrieben.

Zonta International ist als Nichtregierungsorganisation mit beratendem Status bei den Vereinten Nationen vertreten und hat große Entwicklungsprojekte initiiert. Aktuell werden ein Programm zur Stärkung syrischer Flüchtlingsfrauen und gefährdeter jordanischer Frauen, ein Bildungsprogramm für Mädchen in Madagaskar und ein Programm gegen Kinderehen unterstützt. Der Wiesbadener Club hilft mit Spenden und dem Erlös von Benefizveranstaltungen in Höhe von rund 20 000 Euro im Jahr lokalen Organisationen wie Wildwasser oder dem Frauenhaus. Zudem zeichnet er jährlich Schülerinnen für soziales Engagement aus.

Veranstaltungen

Beim monatlichen Meeting im Nassauer Hof am Kaiser-Friedrich-Platz in Wiesbaden am Mittwoch, 17. April, 19 Uhr spricht Dominique-Chantal Pontani über den Landesfrauenrat.

Neuigkeiten aus anderen Zonta Clubs berichtet Vize-Director Kirsten Fritsche am Mittwoch, 15. Mai, um 19 Uhr im Nassauer Hof in Wiesbaden.

Anlässlich 100 jährigen Bestehens von Zonta International werden Sonderveranstaltungen angeboten.

Frauen und Frieden ist das Thema am 12. Mai, im Augustinum Bad Soden, Georg-Rückert-Straße 2.

100 Jahre Frauenpower Frauen und Zeitgeschichte mit Kim Engels vom Frauenmuseum im Rathaus Wiesbaden am Freitag, 28. Juni, um 15.30 Uhr.

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