Wiesbaden

AWO Wiesbaden:Wieder Geld ohne Gegenleistung

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Die Frau eines Vorsitzenden der AWO Wiesbaden hat jahrelang Gehalt ohne eine Gegenleistung bezogen. Ein anderes Vorstandsmitglied soll Geschäfte mit dem Kreisverband gemacht haben.

In der Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt (AWO) werden weitere mögliche Scheinarbeitsverhältnisse bekannt. Personen sollen ohne Gegenleistung jahrelang ein Gehalt bezogen haben. Jetzt gerät auch die Ehefrau eines Vorstandsmitglieds ins Visier der Kontrolleure. Bei einem anderen Vorstandsmitglied ist unklar, ob die Geschäftsbeziehung mit dem Kreisverband erlaubt war.

Die Ehefrau des früheren Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Stasche, Irene Stasche, stand über 15 Jahre lang mit 450 Euro im Monat auf der Gehaltsliste, ohne dafür gearbeitet zu haben. Dies bestätigte Wolfgang Stasche der FR und entschuldigte sich dafür. Das Arbeitsverhältnis sei wegen seines hohen Arbeitsaufwands im Ehrenamt geschlossen worden. Vorstandsvorstände erhalten dem heutigen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Hessenauer zufolge nur in Ausnahmefällen eine Aufwandsentschädigung. Stasche war im Dezember 2019 nach 20 Jahren zurückgetreten.

Ex-Geschäftsführerin Hannelore Richter weist es von sich, Stasche zum Schein beschäftigt zu haben. „Frau Stasche hatte mich seinerzeit angesprochen, ob es, da sie keine eigenen Bezüge habe, für sie eine Tätigkeitsmöglichkeit gebe. Meines Wissens hat Frau Stasche Ablagen und Schreibarbeiten erledigt.“ Richter schreibt, Wolfgang Stasche habe sie angewiesen, so zu verfahren, was dieser der FR gegenüber nicht kommentieren möchte.

Bei der früheren AWO-Vorsitzenden Elke Wansner liegt der Fall anders. Die selbstständige Betriebsprüferin im Bereich Informationstechnologie hat im Mai 2019 25 000 Euro für IT-Beratungen gefordert. Dass sie eine Gegenleistung erbrachte, ist nach Aussage Hessenauers nicht strittig. Wohl aber, ob sie zu dieser Zeit ihr Amt nur ruhen ließ oder es niedergelegt hatte. Die AWO-Regularien verbieten den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern, eine geschäftliche Beziehung zum jeweiligen Kreisverband aufzunehmen. Wansner hätte ihr Amt also niederlegen müssen. Ob sie das getan hat, ist nicht klar.

„Aus den Protokollen ergibt sich beides“, sagt Hessenauer, „zuerst ließ sie die Vorstandsarbeit ruhen, später legte sie das Amt nieder.“ Wansner teilt der FR mit, sie habe ihr Amt niedergelegt gehabt. Sie wurde im Oktober 2019 wieder ins Amt gewählt - oder im Amt bestätigt. Die AWO-Kreisverbände Wiesbaden und Frankfurt stehen im Verdacht, Führungspersönlichkeiten überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen zur Verfügung gestellt zu haben.

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