Wiesbaden

Wiesbadener Straße heißt immer noch nach einem Antisemiten

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Der Kulturbeirat stimmt für eine Umbenennung der Pfitznerstraße in Wiesbaden-Nordost.

Der von Hitler hoch geschätzte Komponist Hans Pfitzner, 1949 verstorben, war glühender Antisemit – so fanatisch, dass er selbst nach dem Ende der NS-Zeit den nationalsozialistischen Völkermord zu rechtfertigen versucht hat. Dem Kriegsverbrecher Hans Frank, der NS-Generalgouverneur im besetzten Krakau war, widmete Pfitzner sogar eine eigene Komposition und sprach ihm noch kurz vor dessen Hinrichtung 1946 telegrafisch Mut zu.

Trotzdem ist Pfitzner immer noch Namenspatron für eine Straße im Wiesbadener Nordosten. Dort tragen viele Straßen die Namen bekannter Komponisten, etwa von Richard Wagner, Giuseppe Verdi oder Richard Strauss.

Jetzt hat sich der Kulturbeirat der Stadt in seiner jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, die Pfitznerstraße umzubenennen und auch auf den Grund dafür hinzuweisen. „Kein Antisemit verdient eine Ehrung“, betont der Kulturbeirat.

„Wiesbaden muss sich entschieden gegen jegliche Relativierung antisemitischer Äußerungen stellen“, sagt Dorothea Angor, die stellvertretende Vorsitzende des Beirats. „Eine Umbenennung ist das richtige Signal.“

Wiesbaden ist nicht die einzige Stadt, in der eine Straße nach Pfitzner heißt. In Münster in Westfalen etwa tobte bereits vor zehn Jahren ein heftiger Streit, der 2012 mit einer Umbenennung endete. Die Straße heißt heute nach der Ärztin Margarete Moormann.

Als Argument für die Beibehaltung des Namens Pfitznerstraße werde oft der finanzielle und organisatorische Aufwand genannt, den eine Umbenennung für die Anwohner bedeute, so der Kulturbeirat. „Das steht in keinem Verhältnis zu dem unermesslichen Leid der verfolgten und ermordeten Menschen, das untrennbar an diesem Namen haftet“, sagt Kulturbeiratsvorsitzender Ernst Szebedits.  

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