Wiesbaden

Wiesbadener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Busfahrer

Nach dem schweren Unfall am Hauptbahnhof verdichten sich die Hinweise auf menschliches Versagen.

Der schwere Busunfall vom 21. November stellt die Gutachter offenbar vor ein Rätsel. Noch immer steht die Ursache für das Unglück am Wiesbadener Hauptbahnhof, bei dem ein Mann starb und 23 weitere Menschen verletzt wurden, nicht fest. „Wir sind alle nicht zufrieden damit, aber Gründlichkeit geht vor“, begründet Christian Giesen, Pressesprecher des Verkehrdienstleisters Eswe Verkehr, die lange Untersuchungsdauer. Die Gutachter benötigten noch einige Tage, um erklären zu können, wieso der Bus von der Bahnhofstraße über die Kreuzung in die Bushaltestelle raste.

Wie die Staatsanwaltschaft auf FR-Anfrage gestern mitteilte, wird inzwischen gegen den Busfahrer ermittelt. Mehr wollte sie dazu nicht sagen. Die Hinweise verdichten sich, dass menschliches Versagen der Auslöser für das Unglück gewesen sein könnte.

Eswe-Sprecher Giesen zufolge sind medizinische Erkrankungen wie ein Herzinfarkt oder ein epileptischer Anfall des 65 Jahre alten Busfahrers auszuschließen. Der Mann, der seit 15 Jahren dem Unternehmen angehört, wurde bei dem Unfall schwer verletzt. Er habe das Krankenhaus bereits verlassen können. Körperliche Schäden werde er laut Giesen nicht davontragen. „Aber seelisch ist er belastet.“ Sicher sei auch, dass der Fahrer nicht übermüdet gewesen sein könne. Er habe seine Schicht unmittelbar vor dem Unglück begonnen, teilt Giesen mit. Er sei an der Haltestelle Hauptbahnhof Minuten vor dem Unglück zugestiegen, um einen Kollegen abzulösen.

Ausgeschlossen werde zudem ein Teroranschlag oder eine Amokfahrt und dass der Busfahrer Alkohol oder Drogen konsumiert hatte. Bis gestern wurde noch kein technischer Defekt gefunden, der für den Unfall verantwortlich sein könnte. Und das, obwohl die Gutachter den Unfallbus, einen Mercedes Citaro, seit dem Unfall auseinandernehmen und genauestens untersuchen. Laut Giesen wurden externe Gutachter von der Staatsanwaltschaft und dem Bushersteller Mercedes Benz mit der Untersuchung des Unglücksbusses beauftragt. Zudem suchten Techniker von Eswe Verkehr nach technischen Defekten. Die Untersuchungen werden fortgeführt, um auszuschließen, dass wirklich kein technischer Fehler vorlag. Nach menschlichem Ermessen verringert sich jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass ein technischer Fehler die Ursache gewesen sein könnte.

Wie anderweitig zu erfahren war, beteiligten sich an der Gedenkminute für das 85-jährige Todesopfer und die Verletzten in der vergangenen Woche zahlreiche Busfahrer und andere Eswe-Mitarbeiter. Eswe Verkehr hatte die Trauerminute angesetzt. Die Busfahrer seien sehr betroffen.

Der Gelenkbus war an jenem Donnerstagnachmittag anstatt rechts abzubiegen mit hoher Geschwindigkeit geradeaus gefahren und hatte zwei Busse und vier Personenwagen gerammt. Der an der Haltestelle wartende 85-jährige Horst Bundschuh, ein Handball-Funktionär, wurde zwischen Bushäuschen und Bus eingeklemmt und starb später im Krankenhaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare