Wiesbaden

Wiesbadener Kiezkaufhaus schließt

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Das Kiezkaufhaus in Wiesbaden wollte lokalen Handel fördern, doch gingen zu wenige Bestellungen ein. Die Initiatoren kritisieren die Stadt, die das Projekt nicht in ausreichendem Maße unterstützt habe.

Nach vier Jahren wird das Kiezkaufhaus in Wiesbaden am 31. Januar seinen Betrieb einstellen. Das Konzept sei gut angekommen, dennoch müsse eine Pause eingelegt werden. „Wir hatten einfach nicht genug Kunden“, sagt Karina Bareis, Projektleiterin beim Kiezkaufhaus, in einer Mitteilung.

Die Initiatoren wollten mit dem Kiezkaufhaus die regionale Kreislaufwirtschaft fördern und den lokalen Einzelhandel am Onlinegeschäft teilhaben lassen. So wie man sich vor 15 Jahren nicht vorstellen konnte, Schuhe, T-Shirts und andere Kleidung online zu kaufen, so sei es heute für viele Menschen noch undenkbar, Lebensmittel, Obst und Gemüse nicht selbst auszusuchen. Sehr wahrscheinlich sei das aber die Zukunft. „Umso wichtiger, dass dabei der lokale Einzelhandel integriert wird und die Waren eben nicht aus Hochregallagern mit dem Lastwagen in die Innenstädte, sondern in Pfandtaschen ohne Umverpackung mit Cargo-Bikes an die Haustüre geliefert werden“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Mehr als 800 Kunden waren registriert. Im Schnitt seien täglich zehn bis fünfzehn Bestellungen ausgeliefert worden. Um schwarze Zahlen zu schreiben, hätte das Kiezkaufhaus aber 40 Bestellungen am Tag benötigt. „Wir wurden fälschlicherweise als weiterer Marktplayer wahrgenommen und nicht als Förderer eines alternativen urbanen Lebens in Wiesbaden“, sagt Bareis. „Hier hätten wir uns zum Beispiel auch von Seiten der Stadt mehr Unterstützung gewünscht.“ Kiezkaufhaus-Gründer Michael Volkmer sieht das ähnlich: „Meine Überzeugung ist es, dass eine Stadt beziehungsweise ein Land die digitale Infrastruktur bereitstellen muss, wenn sie künftig die Innenstädte am Leben erhalten will und das Geschäft nicht vollkommen Firmen wie Amazon und Zalando überlassen will“.

Das Kiezkaufhaus pausiere nun, um sich neu zu erfinden. Die Website bleibe online und ausgewählte Produkte der Wiesbadener Händler könnten dort in einem digitalen Schaufenster angesehen, aber nicht mehr bestellt werden. Andere Kommunen könnten – so wie beispielsweise Bad Honnef – die Software nutzen. Die Fahrer bleiben beschäftigt.  

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