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Helfer bringen die Bewohner des Pflegeheims in eine Schule.

Bombe in Wiesbaden

Wiesbaden: Weltkriegsbombe erfolgreich entschärft

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3000 Personen müssen sicherheitshalber Bierstadt verlassen. Auch Altenheim wird evakuiert.

Hilfskräfte schieben Patienten auf Transportliegen aus dem Konrad-Arndt-Pflegeheim im Stadtteil Bierstadt. Krankenwagen verschiedener Rettungsdienste stehen für den Transport bereit. Einige Patienten und Helfer tragen einen Mundschutz. Sauerstoffgeräte und anderes medizinisches Gerät werden ebenfalls aus dem Gebäude getragen.

Der Bombenfund am Dienstagabend im Bereich Wolfsfeld auf dem offenen Feld bringt die 240 Bewohner des Pflegeheims sowie des angrenzenden Altenwohnheims gestern aus ihrem gewohnten Tagesrhythmus. Der Norden Bierstadts und die Siedlung An den Fichten müssen vorsorgehalber evakuiert werden. Sie befinden sich in dem Sperrgebiet, das im Radius von 700 Metern um den Fundort der Bombe liegt.

Die Bombe war bei Sondierungsarbeiten für das neue Wohngebiet Am Wolfsfeld in 1,50 Meter Tiefe im Erdreich entdeckt worden. Spezialisten des Regierungspräsidiums Darmstadt sollen die amerikanische Weltkriegsbombe, eine fünf Zentner schwere Splitterbombe mit 120 Kilo Sprengstoff, am Abend entschärfen.

Aus dem Pflegeheim sind allein 39 Wachkomapatienten und 15 Personen, die nur liegend transportiert werden können, in die vorbereitete Krankenstation in der Theodor-Fliedner-Schule im Süden Bierstadts zu fahren. Dort haben sich die Hilfsorganisationen aus Wiesbaden und den angrenzenden Landkreisen unter Leitung des Katastrophenschutzstabs in der Turnhalle mit Pflegebetten und Trennwänden auf die Ankunft der Patienten vorbereitet. Sogar eine Infektionsstation wurde eingerichtet. medizinisches Personal steht bereit.

Senioren, die noch gehen können, verbringen den Tag in der Aula, wo ehrenamtliche Helfer sie verpflegen und betreuen. In der Mensa stehen Feldbetten zum Ausruhen bereit. „Jetzt ist mal was los“, sagt ein Senior, der im Rollstuhl auf dem Schulhof dem Treiben zuschaut. Die Kinder haben früher frei bekommen.

Mehr als 2800 Personen sollen bis 13 Uhr ihre Wohnung oder ihren Arbeitsplatz verlassen haben. Der Deutsche Genossenschaftsverlag, das größte Unternehmen in dem Bereich, schließt am Mittag seine Pforten, teilt Feuerwehrsprecher Florian Erbacher mit.

Die Eltern, deren Kinder in der Kindertagesstätte Wolfsfeld betreut werden, wurden seit dem Vorabend benachrichtigt, dass die Kleinen um 12 Uhr abgeholt werden müssen, sagt eine Erzieherin. Auch die Polizeiwache am Dresdner Ring muss geräumt werden. Polizisten bringen große Kisten ins Gebäude, um darin die Waffen für den Transport zu verstauen.

Bürgermeister Oliver Franz (CDU) hat vorsorglich eine „Allgemeinverfügung“ erlassen, die es den Bürgern verbietet, sich von 13 bis 21 Uhr in der Sperrzone aufzuhalten. Am Vormittag machen sich schon zahlreiche Bewohner auf den Weg. Eine Frau holt ihre Mutter ab, damit sie den Tag bei ihr verbringt. Ein Ehepaar rüstet sich zum Aufbruch. „Wir fahren jetzt weg“, sagt die Frau. Den ganzen Nachmittag informiert die Polizei über Durchsagen die Bevölkerung darüber. Von 13 Uhr an klingeln Stadtpolizisten und Feuerwehrmänner an den Wohnungen, um auch die fortzubringen, die von der Evakuierung noch nichts mitbekommen haben.

Sprengmeister René Bennert und sein Team haben sich zwei Optionen für die Entschärfung überlegt. Zunächst soll die ferngesteuerten Raketenklemme zum Einsatz kommen, alternativ eine Wasserstrahlschneideanlage. Am Ende kann die Entschärfung der Bombe sogar vorgezogen werden, weil die Evakuierung schneller ging als gedacht. Gegen 18.30 Uhr sei der Sprengkörper entschärft gewesen, teilte die Stadt mit.

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