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Der Schlachthof ist heute eine der bedeutendsten Kultureinrichtungen Wiesbadens.  

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Wiesbaden: Weichenstellung für die Kultur im nächsten Jahrzehnt

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Geringe Beteiligung am Bürgerdialog zum Wiesbadener „Kulturentwicklungsplan 2030“.

Der Begriff „Kulturentwicklungsplan Wiesbaden 2030“ klingt sperrig und abstrakt und nicht gerade so, als habe er viel mit dem Alltag der Menschen in Wiesbaden zu tun. Der Eindruck täuscht, schließlich nutzen sie zahlreich die vielfältigen kulturellen Angebote in der Stadt. Deshalb können und sollen die Bürgerinnen und Bürger mitreden, wenn derzeit die Stadtverwaltung bis zum Frühjahr 2020 einen Kulturentwicklungsplan (KEP) für Wiesbaden erarbeitet.

Es geht dabei um eine Strategie für die nächsten Jahre und Handlungsrichtlinien für künftige kulturpolitische Entscheidungen. In Folge dessen geht es also auch darum, für welche kulturellen Angebote die Stadt in der Zukunft Geld bereitstellt – und für welche nicht. Doch zum ersten Bürgerdialog am späten Freitagnachmittag im Kulturforum kamen gerade einmal 40 interessierte Personen. Viele der Anwesenden zählten obendrein zu denen, die ohnehin kulturell engagiert sind oder einen entsprechenden Beruf ausüben.

Mitreden
Online diskutiert wird auf Facebook in der Gruppe „Wiesbaden Kultur“ sowie im eigens eingerichteten Blog, in dem es auch weitere Infos gibt: kulturentwicklungsplan-wiesbaden.de

Beim Kulturcamp am Dienstag, 17. September, sind Azubis, Schüler und Studierende sowie junge Erwachsene gefragt. Es beginnt um 19 Uhr in der Kreativfabrik, Murnaustraße 2. miu

„Ein Kulturentwicklungsplan legt nicht fest, was wann wo passieren soll“, stellte Ralf Ebert zu Beginn der Diskussion klar. Der Geschäftsführer des Dortmunder Kulturberatungsunternehmens Stadtart begleitet gemeinsam mit Anke von Heyl fachlich den Prozess zur Kulturentwicklungsplanung. Deren zentralen Leitfragen lauten Ebert zufolge: Welche Bedeutung soll Kultur in der Stadt einnehmen für die Einwohner und für Touristen? Wie positioniert sich Wiesbaden mit seinem kulturellen Angebot in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main und als Landeshauptstadt? Welche Rolle soll der Kultursektor im Wettbewerb der Städte um Neubürger und Unternehmen spielen? Und wie lässt sich das kulturelle Angebot in Wiesbaden für kommende Generationen nachhaltig entwickeln?

Zum Planungsprozess gehört auch, die für die Stadtgesellschaft und Kultur in Wiesbaden relevanten Schwerpunktthemen zu identifizieren und Stärken, Schwächen sowie Potenziale zu analysieren. Dabei werden nicht nur Experten und Kulturschaffende einbezogen, sondern auch die Teilnehmer des Bürgerdialogs bekamen eingangs die Gelegenheit, Stichwörter dazu aufzuschreiben. Aus den gesammelten Äußerungen destillierte Anke von Heyl acht Fragen für die Diskussion im „World Café“. Kleingruppen sammelten jeweils zu einer Frage Ideen und machten erste Vorschläge, etwa wie die Kulturinstitutionen ihre Angebote stärker für alle Bevölkerungsgruppen öffnen können oder zum Verhältnis zwischen zentralen Kulturangeboten und denen in den Stadtteilen. Die Stärkung von ehrenamtlichem Engagement in der Kultur war ebenso Thema wie die bessere Sichtbarkeit kleinerer Initiativen oder die lokale und regionale Vernetzung. Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum vorgestellt.

„Wenn man endlich die Gelegenheit hat, eigene Ideen einzubringen und mitgestalten zu können, sollte man sie auch nutzen“, nannte Sybille Schröpel als Grund, sich beim Bürgerdialog zu beteiligen. Die Wiesbadenerin spielt in ihrer Freizeit beim Improvisationstheater „Restrisiko“ mit. Die Kulturverwaltung bekomme oft nur wenig Rückmeldung, sagt Schröpel, „und wenn, dann vor allem Gemecker. Es ist aber wichtig, dass die Bürger mitreden.“

Wiesbadener und Wiesbadenerinnen, die sich fortan ebenfalls einbringen wollen, können sich zum einen online beteiligen (siehe Kasten). Zum anderen sind noch zwei weitere Bürgerforen geplant: Im November werden erste Untersuchungsergebnisse vorgestellt und diskutiert. Im Februar 2020 geht es dann um zentralen Ergebnisse der Untersuchung sowie erste Handlungsleitlinien des „Kulturentwicklungsplans 2030“.

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