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Die Motorradmesse war die erste große Veranstaltung im Rhein-Main-Congress-Center (RMCC), die abgesagt werden musste.

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Wiesbaden verhandelt mit Messeveranstaltern

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Keine Touristen, keine Kongresse und große Verunsicherung: Die Tourismusfachleute versuchen derzeit, mit Kunden in Kontakt zu bleiben und arbeiten an der Vermarktung der Stadt nach der Corona-Krise.

Mit 1 278 891 Übernachtungen 2019 hat Wiesbaden zum achten Mal in Folge einen neuen Rekord aufgestellt. Doch mit Beginn der Corona-Krise ist der Tourismus zum Erliegen gekommen. Wenn sich die Lage normalisiert, wird sich der Tourismus verändert haben, sagt Martin Michel, Geschäftsführer der Wiesbaden Congress und Marketing GmbH, die verantwortlich ist für die touristische Vermarktung der Stadt.

Schon Anfang März, als die meisten Menschen noch sorglos ihren Alltag lebten, berichteten die Hoteliers bei einem Krisentreffen von dramatischen Rückgängen bei Geschäfts- und Städtereisen. Damals wurden einzelne Stockwerke in Hotels geschlossen. „Heute sind ganze Häuser zu.“

Congress-Center hat maßgeblichen Anteil

Die Motorradmesse war die erste große Veranstaltung im Rhein-Main-Congress-Center (RMCC), die abgesagt werden musste. Eine Fortbildung für Mediziner wurde per Video abgehalten. Statt 700 Fachleuten hätten sich zwei Personen im RMCC eingefunden – der Referent und der Kameramann, erzählt Michel. In einem Kraftakt sei es gelungen, die Veranstaltung in virtueller Form doch noch stattfinden zu lassen. Der Internistenkongress, der demnächst begonnen hätte und zu dem rund 8500 Mediziner angereist wären: abgesagt.

Die Stadt verfolgt das Ziel, Wiesbaden als Tagungs- und Kongressstandort zu entwickeln – durchaus mit Erfolg. Im vergangenen Jahr gab es in diesem Segment 7102 Veranstaltungen und damit rund 100 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Teilnehmer stieg im Vergleich zu 2018 um drei Prozent auf 693 552. Einen maßgeblichen Anteil daran hat das RMCC.

Martin Michel und seine Kollegen versuchen derzeit, Kontakt zu den Kunden – das sind die Messe- und Kongressveranstalter – zu halten. Die Verunsicherung sei groß. Da wolle man Orientierung bieten. Veranstaltungen werden, wenn möglich, in den Spätherbst oder gleich in das kommende Jahr verlegt, denn eigentlich waren die Herbstmonate bereits vor der Krise gut gebucht. Außerdem tausche man sich mit den örtlichen Hoteliers und Kulturschaffenden aus, bündele und aktualisiere die vielen Informationen.

Trend zum Urlaub im eigenen Land

Touristen werden mit Bildern aus Wiesbaden bei Laune gehalten. Unter #wiesbadenkommtzudir werden Fotos in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, um Lust auf Reisen in die Stadt zu machen. Erstmals sind digitale Konzerte aus dem Kurhaus zu erleben.

Der Tourismus nach der Krise werde ein anderer sein, glaubt Michel. Der Trend zum Urlaub im eigenen Land, von dem Wiesbaden schon profitiert habe, denn 70 Prozent der Gäste in der Stadt kommen aus Deutschland, werde sich verstärken. „Da spielt das Sicherheitsgefühl eine Rolle.“ Die Digitalisierung der Branche werde sich fortsetzen. Gleichwohl, sagt Martin Michel, werde der persönliche Austausch immer im Vordergrund stehen. Künftig werde aber vielleicht der Referent aus den USA oder aus Japan nicht mehr persönlich an einem Kongress teilnehmen, sondern von zu Hause aus zugeschaltet werden.

Diana Unkart

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