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WVS-Vorsitzender Edgar Hartung und seine Frau Gisela setzen ein Segel.  

Wiesbaden

Wiesbaden: Still ruht der Hafen

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Der Wassersportverein Wiesbaden-Schierstein sagt seine Regatten ab. Nur Kaderathleten dürfen allein trainieren.

Ein einzelnes Kanu zieht am Sonntagmittag im Schiersteiner Hafen seine Bahnen. Während auf dem Weg um den Hafen viele Spaziergänger unterwegs sind, herrscht auf dem Wasser kein Betrieb. Seit Mitte März bleiben die Drachenboote des Wassersportvereins Schierstein (WVS) alle an Land und seine Segelboote am Steg vertäut. Zudem sind die Trainings- und Umkleideräume gesperrt und das allgemeine Training ruht. Auch der kleine Festakt zur offiziellen Saisoneröffnung am 1. Mai fiel aus, der WVS-Vorsitzende Edgar Hartung zog am Freitag lediglich die Fahne hoch.

Wegen der Pandemie hat der Verein die Große Wiesbadener Kanuregatta Anfang Juni bereits abgesagt. Für die Sportler sei das schon traurig, dass sie sich nicht miteinander messen können, bedauert Edgar Hartung. Immerhin zählt diese Regatta zu den größten Veranstaltungen ihrer Art in Deutschland. Für den Verein bedeute die Absage jedoch keinen finanziellen Verlust, fährt Hartung fort. „Die Startgelder decken gerade mal die Kosten, die Veranstaltung zu organisieren.“

Der Verein

Gegründet 1921, zählt der WVS heute knapp 1300 Mitglieder und ist nach eigenen Angaben einer der größten und aktivsten Wassersportvereine in der Rhein-Main-Region.

Zum Jubiläum im kommenden Jahr gibt es vom 22. März bis 8. April 2021 im Rathaus eine Ausstellung zu sehen. Der Deutsche Kanutag wird vom 15. bis 18. April in Wiesbaden veranstaltet. Zur Saisoneröffnung am 1. Mai spielt das Hessische Polizeiorchester. Die offizielle Feier ist für September geplant.

www.wvschierstein.de

Obwohl der allgemeine Trainingsbetrieb ausgesetzt ist, bezahlt der Verein seine zehn Trainerinnen und Trainer aber weiter. Ohnehin gilt das Trainingsverbot nicht für die Kaderathleten, zu denen gehören etwa der amtierende Deutsche Schülermeister Marvin Alvis da Cunha, Katharina Nikoley, vierfache Hessische Meisterin 2019 im Einerkajak, oder Sina Kretschmer. Ihnen ist es erlaubt, einzeln auf dem Wasser zu trainieren und auf der Dachterrasse leichten Kraftsport auszuüben. Die Drachenboot-Sportler dürfen nur allein mit Auslegerkanus mit Stechpaddel, den „Outriggern“ aufs Wasser. Einige Segler fahren mit ihren privaten Booten raus, ebenso die Motorbootfahrer, die dabei die Pandemie-Regeln beachten müssen.

„Die jugendlichen Sportler halten sich vorbildlich an die Sicherheitshinweise“, lobt Hartung. Hingegen benahmen sich etliche erwachsene Sportler Mitte April leichtsinnig und hielten sich in zu großer Anzahl vor den Bootshallen und der Pritsche auf. In einem Rundschreiben mahnte der Vorstand eindringlich, dass dies nicht im Interesse des Vereins sei und weitere Einschränkungen nach sich ziehen könne. Hartung zufolge zeigte das Wirkung. Seither habe es eher einmal Probleme mit Spaziergängern gegeben, etwa als er die Hecke am Vereinsgelände zum Weg hin schnitt. Weder hielten die Spaziergänger den nötigen Abstand ein noch brachten sie Verständnis auf.

Ab dem heutigen Montag wird es auf dem Weg am Hafen streckenweise noch enger, dann beginnen die Bauarbeiten am Leinpfad. Voraussichtlich dauern sie 14 Tage. Kleinere Bauarbeiten laufen auch bereits am Vereinsgebäude. Der Zeitpunkt sei günstig, sagt Hartung, denn die griechische Gaststätte im Obergeschoss habe ohnehin geschlossen. Um den Pächter zu unterstützen, verzichtet der Verein seit März auf den Mietzins.

Die meisten Boote liegen wegen der Corona-Krise im Hafen.

Zum weiteren Verlauf der Wassersportsaison vermag Edgar Hartung noch nichts zu sagen. Der Vorstand reagiere auf die Nachrichtenlage. Aus heutiger Sicht werde der Verein das für Ende Juni geplante Sommerfest nicht veranstalten. Die „Pink Ladies“ – die Gruppe „Paddeln gegen Brustkrebs“ – wollten dort ihr zehnjähriges Bestehen feiern. „Sie gehören an sich auch zur Risikogruppe für Corona.“ Der Vorstand will ihnen anbieten, die Feier auf das Fest zum 100-jährigen Bestehen des Vereins im kommenden Jahr zu verschieben. Das 72. Schiersteiner Hafenfest, das der Verschönerungsverein Schierstein stets am zweiten Wochenende im Juli veranstaltet, fällt auf jeden Fall ins Wasser – und somit auch die Drachenbootregatta sowie der traditionelle Bootskorso zum Abschlussfeuerwerk.

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