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Elektrisch unterwegs: einer der ersten drei neuen Busse.

Wiesbaden

Wiesbaden auf dem Sprung in die Verkehrswende

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Die ersten Elektrobusse fahren auf den Linien 1 und 8 in der hessischen Landeshauptstadt.

Andernorts mag die Verkehrs- und Energiewende am Zögern der verantwortlichen Akteure scheitern. In Wiesbaden ist dies, zumindest was die Verkehrswende betrifft, nicht der Fall. Als am gestrigen Montag der städtische Verkehrsdienstleister Eswe die ersten drei mit Strom betriebenen Busse vorstellte, überschlugen sich die Vertreter der Bundes- und der Landesregierung sowie der des Herstellers Daimler Buses vor Lob über den Mut und die Entschlossenheit, mit denen die Stadt die Umstellung der dieselbetriebenen Busflotte auf Elektro-Antrieb vorantreibe.

Anders als andere Städte setzt Wiesbaden nicht auf Modellprojekte. Die Landeshauptstadt möchte ihre komplette Busflotte auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Im Laufe der nächsten Tage sollen weitere sieben Mercedes-Busse des Typs „eCitaro“ ausgeliefert und 2020 dann weitere 46 E-Busse eingesetzt werden. Die Umstellung aller 273 Busse soll 2023 abgeschlossen sein. „2016 war der emissionsfreie öffentliche Nahverkehr noch eine Vision des Geschäftsführers Hermann Zemlin“, sagte Jörg Gerhard, Geschäftsführer Eswe Verkehr, „und nun läuten wir die Umsetzung ein.“ Zum Fahrplanwechsel im Dezember werden auf den Linien 1 und 8 die ersten Busse mit Stromantrieb unterwegs sein. Bis dahin üben die Busfahrer, wie sich die neuen Fahrzeuge fahren lassen.

ElektrobusseDie ersten 15 eCitaro-Busse haben eine Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Batterie, die bei der Firma Akasol in Darmstadt hergestellt wird. Die Ladung erfolgt über mobile Ladegeräte. Die Reichweite beträgt 120 bis 200 Kilometer.

Eine größere Reichweite werden die Busse mit einer Feststoffbatterie der Lithium-Metall-Poliymer-Technik haben, die von der Firma Bolloré in Frankreich hergestellt wird. Diese 41 Busse werden bis ende 2020 ausgeliefert.

Weitere 64 Fahrzeuge samt Ladeinfrastruktur sowie 20 Gelenkomnibusse könnte zwischen 2021 und 2023 geliefert werden.

Das Bundesumweltministerium fördert mit 45 Millionen Euro 140 Elektrobusse des Verkehrsdienstleisters Eswe Verkehr. Der Eigenanteil der Stadt beträgt 75 Millionen Euro.

Bereits jetzt fahren in Wiesbaden 133 Euronorm 6 -Dieselbusse, weitere 99 wurden auf die Euronorm 6 umgerüstet. Damit kommt die Stadt den Vorgaben aus dem Luftreinhalteplan nach, mit dem das Dieselfahrverbot verhindert wurde. mre

„Wiesbaden hat spannende Pläne und wir bei Daimler Buses sind stolz, Teil dieses Vorhabens zu sein“, sagte Daimler-Buses-Leiter Till Oberwörder. 56 Busse des Typs eCitaro bis Ende 2020 nach Wiesbaden auszuliefern, sei der größte Auftrag des Unternehmens. Indem es auch die Infrastruktur und das gesamte Betriebshofmanagement inklusive Fahrertraining übernehme, lerne der Hersteller, wie das System im laufenden Betrieb zu verbessern sei.

Dirk Meyer vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit sprach vom Wiesbadener Umbaulaboratorium, das beispielhaft die Umstellung auf alternative Antriebe angehe. Die 44,8 Millionen Euro, mit denen das Ministerium die Umstellung fördere, sei das größte Einzelförderprogramm. Wiesbaden sei eine der Städte, die als erste die Chancen des Förderprogramms erkannt hätten.

„Auch die deutschen Unternehmen haben inzwischen die Signale gehört“, sagte Meyer, der sich froh zeigte, dass mit Daimler Buses ein Unternehmen aus der Region den Zuschlag erhalten habe. „Wenn wir zeigen, wie es geht, machen andere mit“, sagte er mit Blick auf die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft. Das Ministerium schaue wohlwollend auf Wiesbaden, „weil wir glauben, dass Wiesbaden auf dem großen Sprung ist“, sagte er und ließ durchblicken, dass auch die weiteren E-Busse gute Chancen auf Förderung hätten. Das Projekt sei einzigartig, weil die Verkehrsgesellschaft den größten Elektronikanteil einer ÖPNV-Flotte in Deutschland haben werde.

Für den hessischen Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) beginnt eine „neue Zeitrechnung“ in Wiesbaden, wie er sagte, und er beglückwünschte die Stadt, dass sie nicht darauf gewartet habe, was andere tun. Mit ihrem Luftreinhalteplan habe es Wiesbaden als einzige Stadt nicht nur geschafft, nach der Klage der deutschen Umwelthilfe ohne Dieselfahrverbot den Streit zu beenden, die Stadt setze auch bezüglich der Verkehrswende Maßstäbe.

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