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Reich dekoriert: die Kaiser-Friedrich-Therme in Wiesbaden. Sie wurde zwischen 1910 und 1913 erbaut.

Wiesbaden

Wiesbaden: Schwitzen in einem Juwel des Jugendstils

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Die Kaiser-Friedrich-Therme über den Adlerquellen baut auf lange Tradition. Nach Ausbruch des Krieges war es vorbei mit der Kur.

Die Allegorien in der Wandmalerei mit knackigen nackten Männer- und Frauenkörpern stehen für Jugend, Kraft, Stärke und Gesundheit. Für Leben und Freude. Herkules im Kampf mit der Hydra, Felsen rollende Muskelmänner, Bogenschützen und Speerwerfer, Menschen und Tiere in arkadischen Landschaften in Bezug zum Wasser. Noch immer ist die Kaiser-Friedrich-Therme in Wiesbaden eine Hommage an das römische Schwitzbad, auf dessen Fundament es erbaut ist, im Stil antiker Thermen mit säulenverzierten Räumen und kunstvoller Ornamentik. Ein „Juwel des Jugendstils“, wie es Rainer Niebergall nennt, wenn er als Stadtführer Gäste durch die heiligen Hallen führen darf. Natürlich vor der normalen Öffnungszeit, was den Gang durch Lavacrum und Tepidarium, Sudatorium und vor alle durch unteres und oberes Verstibül im mehrstöckigen Gebäude zu einem Erlebnis macht.

Badehaus-Denkmal

Im Haus der Kaiser-Friedrich-Thermean der Langgasse befindet sich heute auch eine „Residenz“ für Senioren. Vorraum und Vestibül führen vom ersten Moment an in die Welt des Jugendstils.

Öffnungszeit in der Wintersaisontäglich von 10 bis 22 Uhr, Fr. und Sa. bis 24 Uhr. Ab 1. Mai täglich von 10 bis 22 Uhr. Grundpreis mit Sauna 14 Euro, Anwendungen von der Massage bis „Verwöhnpaket“ zwischen 27 und 85 Euro.

Führungenwerden jeden ersten Freitag im Monat um 8.30 Uhr angeboten. Anmeldung: 0 6 11/31 70-60. jüs

Gewedelt wird im Russischen Dampfbad derzeit nicht, die Vorsicht in Zeiten des Coronavirus bremst die dampfende Welt über den wichtigen Thermalquellen der Stadt, die den Ruf der Kurstadt begründet und in die Welt hinausgetragen haben. Nach dem Kochbrunnen ist die Adlerquelle zweitgrößte Wiesbadener Thermalquelle mit einer Wassertemperatur von 64,6 Grad. Kurz vor der Jahrhundertwende hat die Stadt das Gelände für 1,8 Millionen Goldmark gekauft, die Zahl der Kurgäste lag bei 150 000 im Jahr, „die Stadt stand unter Druck“, sagt Rainer Niebergall. Medizinisches Baden bei der privaten Konkurrenz war nur die eine Seite der Kur, die Kommune musste den Gästen mehr anbieten und das zu möglichst moderaten Preise. Dafür hat sie auch beim Bau tief in die Tasche gegriffen, es habe fast „hymnische Aussagen“ über das Denkmal des damals modernen Heilbadewesens in zeitgenössischen Zeitungen gegeben, vom „Drei-Millionen-Palast“ war die Rede.

Es war noch die Hochzeit des Jugendstils, als die Baumeister um Architekt A.O. Pauly zwischen 1910 und 1913 das Juwel erstellten. Ein Bau auf tausenden von Pfählen direkt über den Quellen errichtet, die Wasserleitungen verlegt in begehbaren Schächten und in der fertigen kunstvollen Ausstattung überall mit Adlern in jeglicher Kunstform an die Quelle des erhofften Reichtums erinnernd. Aber die Zeiten waren bekanntlich nicht gut, mit dem Ausbruch des Weltkrieges war es schnell vorbei mit der Kur. Keine russischen Gäste mehr, das Prachthaus wurde zum Lazarett umfunktioniert, richtig erholt hat sich die Kur von diesem Rückschlag nie. In den 60er Jahren wurde eine Rheumaklinik hinter der streng neo-klassizistischen Fassade etabliert, auch dies ein vorübergehendes Kapitel in der abwechslungsreichen Geschichte.

Zur Revitalisierung 1999 flossen erneut vier Millionen. Das irisch-römische Prachtbad mit seinen Mosaik-Fliesen wurde aufwändig saniert, prächtig lässt es sich im warmen Wasser des „Herzstückes“ baden und relaxen. In der großen Schwimmhalle mit den historisch korrekten Nackten der Wandbemalung über sich, selbst auch nur im Adamskostüm außer am neuen Textil-Donnerstag. Wasserspeiende Löwen, zweimal am Tag Klangschalen-Zeremonie, „Wohlfühlgarantie und Entspannung pur“ wird versprochen, auch ohne Wedeln beim Dampfschwitzen. Ein integriertes Erlebnis wird der Besuch in der Kaiser-Friedrich-Therme bei einer Führung mit Rainer Niebergall, der trefflich die Geschichten, die zu so einem besonderen Ort gehören, zu erzählen weiß.

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