Ausschank unterbleibt: die Rheingauer Weinwoche auf dem Schloßplatz.
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Ausschank unterbleibt: die Rheingauer Weinwoche auf dem Schloßplatz.

Wiesbaden

Wiesbaden: Rheingauer Weinwoche retten

  • vonMirjam Ulrich
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Eines der wichtigsten Feste der Region muss wegen der Abstandsregeln ausfallen. Nun wollen die Winzer ihren Wein in Flaschen auf dem Schlossplatz verkaufen - als „Weinwoche to go“.

Mit dem Weinfest ist es Essig. Wegen der Corona-Pandemie fällt die „Rheingauer Weinwoche“ aus. Viele der 96 Winzer, die sonst auf der Veranstaltung mehr als 1000 Weine präsentieren, trifft die Absage gleich doppelt: Zum einen bleiben die Bestände in den Kellern voll und die nächste Weinlese steht bevor. Zum anderen entgeht ihnen der Werbeeffekt. „Man kommt auf der Weinwoche mit den Leuten ins Gespräch und gewinnt neue Kunden“, bestätigt die Winzermeisterin Ute Meilinger vom gleichnamigen Weingut in Schierstein.

Um die Winzer zu unterstützen und den Besuchern einen kleinen Ersatz zur Weinwoche zu bieten, plant die Wiesbaden Congress und Marketing Gesellschaft (WICM) eine „Weinwoche to go“. Das Konzept hat die WCIM gemeinsam mit den Winzern der Weinwoche und dem Weinbauverband entwickelt. Rund 50 Winzer haben Interesse signalisiert. Unter dem Motto „Dein Lieblingswein für Daheim“ gibt es vom 14. bis 23. August auf dem Schlossplatz an 20 Ständen Flaschenwein zu kaufen. Damit die Kunden auch Weinkisten bequem nach Hause transportieren können, werde in der Nähe eine Ladezone eingerichtet, sagt Oliver Heiliger, einer der drei Geschäftsführer der WICM. „Eine Weinverkostung an den Ständen ist nicht möglich, wir lassen aber gerade zwei potenzielle Standorte für einen Weinprobierstand von den Genehmigungsbehörden prüfen.“

Die Wiesbaden Congress und Marketing Gesellschaft veranstaltet die reguläre „Rheingauer Weinwoche“. Sie zählt im Tourismusmarketing der Landeshauptstadt zu einem der Highlights. Die Veranstaltung, die auch als „längste Weintheke Deutschlands“ bezeichnet wird, zieht für gewöhnlich mehr als 100 000 Besucher an.

Weinstände

In Wiesbaden sind die Weinstände in Biebrich, Frauenstein, Kostheim, Schierstein und Sonnenberg geöffnet. Im Main-Taunus-Kreis schenken Winzer an den Weinständen in Hochheim und Wicker aus. Die Abstandsregeln und Hygienevorschriften wegen Corona gelten weiterhin. Der Zugang zu den Ständen ist geregelt und es kann zu Wartezeiten kommen. Kontaktdaten müssen angegeben werden. miu Die Öffnungszeiten und Standorte finden sich im Internet online unter: rheingau.de/wein/weinprobierstaende

Neben Einheimischen und Publikum aus dem Umland kommen normalerweise Busreisende aus der Region zwischen Düsseldorf und Karlsruhe sowie zahlreiche ausländische Touristen aus den USA, Niederlanden, Großbritannien, Österreich, Schweiz, Japan und China. Der große Anteil auswärtiger Gäste zeigt sich auch daran, dass die WICM 20 Prozent mehr Buchungen für Stadtführungen verzeichnet. Viele Touristen kaufen Wein als Mitbringsel oder bestellen für daheim.

„Die Mengen, die wir sonst auf der Rheingauer Weinwoche und anderen Weinfesten absetzen“, stehen noch auf Halde“, sagt Hans-Jürgen Wagner, der erste Vorsitzende der Frauensteiner Weingenossenschaft. Hinzu komme, dass es auch in der Gastronomie noch nicht oder nur zum Teil wieder laufe. Die Umsatzverluste gehen ihm zufolge in die Tausende. „Wir hoffen, dass uns die Kunden helfen, die Vinothek und unser Weinstand sind wieder geöffnet.“ Ob die Frauensteiner Weingenossenschaft bei der „Weinwoche to go“ mitmacht, will sie mit der Genossenschaft „Winzer von Erbach“ abstimmen, mit der sie ohnehin kooperiert. „Allein schaffen wir das nicht.“

Grundsätzliches Interesse hat auch das Hochheimer Weingut Schreiber bekundet, jedoch noch keine Entscheidung getroffen. Die Informationen dazu seien bislang sehr vage, sagt Christine Schreiber vom Johanneshof. So wisse sie nicht, wie hoch die Standgebühren ausfallen, welche Öffnungszeiten es gebe und ob sich mehrere Winzer zusammenschließen und am Stand abwechseln können.

Familie Schreiber baut ökologische Weine an und stellt außerdem in der eigenen Sektkellerei Sekt nach traditionellem Flaschengärverfahren her. Im Februar und März füllte sie wegen der Pandemie nur einen Teil ihrer Weine des 2019er Jahrgangs in Flaschen ab. „Wir haben ausreichend Tankraum“, berichtet Christine Schreiber, „und auch beim Flaschenweinverkauf keine Einbußen.“ Die Kundschaft aus Wiesbaden komme das ganze Jahr über.

Winzermeisterin Ute Meilinger hat sich bereits entschieden: Ihr Familienbetrieb wird nicht teilnehmen. „Wir öffnen wieder unseren Gutsausschank, weil wir wissen, dass die Nachfrage besteht.“ Zudem gehören Meilingers zu den vier Winzern, die im Wechsel am Weinstand am Schiersteiner Hafen ausschenken.

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