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Wiesbaden: Planer für Sportbad Rheinhöhe in der Kritik

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Geschäftsführer Stöcklin verteidigt die Vergabe, dennoch lässt der Wiesbadener Oberbürgermeister Mende den Vorgang überprüfen. Das Thema landet im Revisionsausschuss.

Es soll ein neues Aushängeschild für die Bäderstadt Wiesbaden werden: Ein modernes Freizeitbad mit Sauna und benachbarter Eissporthalle auf der Rheinhöhe ist als Ersatz für das marode Hallenbad in der Mainzer Straße und die Henkell-Kunsteisbahn geplant. Nun hat die Landeshauptstadt aber vielleicht einen neuen Skandal am Hals.

Den Zuschlag für den Planungsauftrag hat eine Bietergemeinschaft unter Federführung des Architekturbüros Asp erhalten, zu der auch das Büro Uwe Deyle gehört. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) lässt nun untersuchen, ob es begründete Zweifel an der Zuverlässigkeit der Bietergemeinschaft gibt. Grund ist der Verdacht, dass sich die Landeshauptstadt mit Deyle einen Planer eingekauft hat, der in Mainz mit dem Taubertsbergbad großen Schaden anrichtete. Die „Allgemeine Zeitung“ zitierte den Mainzer Bürgermeister Günter Beck (Grüne), er könne nicht glauben, dass so jemand in Wiesbaden eine Chance erhalte.

Deyle plante und betrieb vor 15 Jahren das Taubertsbergbad, konnte später die Pachtzahlungen an die Stadt nicht mehr zahlen und meldete 2016 Insolvenz an. Das Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Auf FR-Nachfrage schätzt Beck den Schaden für die Stadt auf eine zweistellige Millionensumme. In Königsbrunn ging Deyle mit der Königstherme insolvent. Das Augsburger Amtsgericht verurteilte ihn der „Augsburger Zeitung“ zufolge in diesem Zusammenhang zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren wegen Betrugs in 47 Fällen mit fast 100 000 Euro Schaden bei den Gläubigern.

Planer mit Topreferenzen

Der Aufschrei der Politiker, insbesondere der der CDU und AfD, ist groß. „Der Sportpark Rheinhöhe ist wichtig für Wiesbadens Sportlandschaft und eine mögliche Pleite muss vermieden werden“, sagt der CDU-Fraktionschef Bernd Wittkowski und droht, einen Akteneinsichtsausschuss einzurichten, sollte das Bedürfnis nach Transparenz nicht erfüllt werden.

Roland Stöcklin, Geschäftsführer der verantwortlichen Stadtentwicklungsgesellschaft SEG, verteidigt die Vergabe und sagt, die europaweite Ausschreibung sei den Vorschriften gemäß verlaufen. Deyle habe den Zuschlag erhalten, „weil er ein guter Planer ist und Topreferenzen hat“, so Stöcklin. Der Entwurf habe städtebaulich und wegen innerbetrieblicher Abläufe überzeugt. Der Betrieb des neuen Bades bleibe ohnehin bei der Bädergesellschaft Mattiaqua. Auch OB Mende verwahrt sich gegen die Behauptung, die Vergabe sei geheimnistuerisch gelaufen. Die Fraktionen seien aktiv in den Prozess eingebunden gewesen und das Ergebnis des Vergabeprozesses öffentlich präsentiert worden.

Am Mittwoch (28.) wird sich der Revisionsausschuss mit der Sache befassen. Vorsitzender Robert Lambrou (AfD) und seine Stellvertreterin Renate Kienast Dittrich (CDU) erwarten einen großen Bahnhof. Eingeladen haben sie den Mainzer Bürgermeister Beck, Planer Deyle, die SEG-Geschäftsführer Andreas Guntrum und Roland Stöcklin, den früheren OB Sven Gerich (SPD). Mende will einen neuen Vorschlag vortragen. Beck sagte der FR, er werde nicht kommen.

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