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Lässt es sich wohl sein: Eine Taube auf einem Mauersims am Wiesbadener Hauptbahnhof..

Wiesbaden

Wiesbaden: Neues Konzept gegen Tauben im Hauptbahnhof

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Ein neues Konzept soll in Wiesbaden die Anzahl der Vögel senken, aber die DB macht nicht mit.

Auf den Streben unter dem Bahnhofsdach sind Spikes angebracht, auch sonstige Kanten und Flächen sind mit Stacheln versehen. Außerdem sollen Netze und Strom führende Drähte den Tauben das Leben im Wiesbadener Hauptbahnhof möglichst ungemütlich machen. Davon lassen sich die Vögel aber nicht beeindrucken. Sie fliegen herum – und lassen ihre Häufchen fallen.

„Im Hauptbahnhof ist es wieder relativ schmutzig“, stellte CDU-Stadtverordnete Astrid Wallmann im Umweltausschuss fest und führt dies auf die gestiegene Population zurück. Eine städtische Taubenzählung hatte ergeben, dass die Zahl der wilden Nachkommen der Haustauben in der Bahnhofshalle von 2017 bis 2019 zwischen 60 und 160 schwankt und an den drei Außenseiten von 200 auf 870 gestiegen sei. Am Hauptbahnhof fühlen sich die Tauben also offenbar pudelwohl.

Taubenschläge

Das Taubenmanagement Wiesbadens arbeitet nach dem Augsburger Modell. In Taubenschlägen werden die Vögel mit Futter versorgt und ihre Eier durch Gipseier ausgetauscht.

Taubenschläge gibt es zurzeit am Alten Rathaus, im Europaviertel, dem Kranzplatz und auf dem achten Parkdeck der Mauritiusgalerie. Derzeit brüten die Tauben dort nicht sondern halten sich nur tagsüber dort auf. Nistmaterial soll sie zum Brüten animieren. mre

Die Stadt möchte ihre Zahl im gesamten Stadtgebiet aber senken. Bürger beschweren sich über Dreck und Lärm, Fassaden und Plätze sind verschmutzt und da immer wieder einige Menschen die Tauben füttern, lockt dies auch Schädlinge wie Ratten an.

Doch obwohl die Stadt seit 2006 ein aktives Taubenmanagement betreibt, Taubenschläge eingerichtet hat und die Taubeneier durch Gipseier austauschen lässt, vermehren sich die Vögel fröhlich weiter. Mal waren Größe oder Standort der Schläge ungeeignet, mal war die Pflege nicht ausreichend oder die Vögel brüteten nicht im Schlag. Im Herbst 2019 lebten der Zählung zufolge 3900 Tauben in der Stadt.

Das Ordnungsamt hat nun ein neues Taubenkonzept vorgelegt, mit dem die Vögel an der Fortpflanzung gehindert werden sollen. Geplant ist ein flächendeckendes Netz mit Taubenschlägen und eine zuverlässige Betreuung. Aber es mangelt an geeigneten Standorten.

Die Deutsche Bahn möchte im Hauptbahnhof keinen weiteren Taubenschlag einrichten. Dabei sei die Integration des Hotspots für das Gesamtkonzept besonders wichtig, sagt die Wiesbadener Taubenbeauftragte Alexandra Weyrather. Die Erfahrungen mit zwei Taubenschlägen von 2008 bis 2012 im Wiesbadener Hauptbahnhof seien miserabel, erklärt Benjamin Schmidt vom DB Bahnhofsmanagement Darmstadt. „Die Verschmutzung war größer, die Bausubstanz durch den Kot gefährdet und es gab viele Kundenbeschwerden.“ Seiner Ansicht nach haben die Fütterungen in den Schlägen dazu geführt, dass sich die Tiere vermehrten. Nachdem die Schläge abgebaut worden seien, habe sich der Bestand verringert und der Bahnhof sei sauberer geworden. Auch an der Finanzierung des Projekts wolle sich die Bahn nicht beteiligen. Die Stadt sucht nun nach weiteren Standorten in Bahnhofsnähe.

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