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Wiesbaden: Mehr AWO-Personen kassieren ab

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Wiesbadener AWO-Vorstand sieht nach ersten Kontrollen keine Veruntreuung städtischer Gelder. Aber der Kreis der Personen mit überhöhten Gehältern weitet sich aus.

Anders als der Frankfurter hat der Wiesbadener Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) der Stadt wohl keine überteuerten Rechnungen gestellt und auch kein städtisches Geld abgezweigt. Zu diesem ersten Zwischenergebnis kommen die Vorsitzenden der Wiesbadener AWO, Wolfgang Hessenauer und sein Stellvertreter Franz Betz. Der frühere Wiesbadener SPD-Sozialdezernent und der frühere Leiter des Amts für soziale Arbeit führen seit zwei Wochen den Kreisverband. Angetreten sind sie, um die Vorgänge um überhöhte Gehälter und Ehrenamtsvergütungen, die sich das ehemalige Führungspersonal gegönnt haben soll, aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch in der Sache.

„Die Leistungsvereinbarungen mit der Stadt sind ordnungsgemäß eingehalten und abgerechnet worden“, teilt Hessenauer auf Anfrage mit. Auch die Gemeinkosten, Beiträge, die als Pauschale an den Verband fließen, seien mit fünf Prozent der Gesamtkosten nicht überteuert. Die beiden Vorsitzenden stehen dagegen vor der Frage, woher das Geld für die überzogenen Gehälter herkommt. Mit Mitgliedsbeiträgen und AWO-Bundesmitteln seien sie nicht zu decken. Die Quelle haben sie aber nicht gefunden.

Dass weit überhöhte Gehälter gezahlt wurden, sei sicher. Hessenauer und Betz haben sogar festgestellt, dass mehr Personen als bisher angenommen übertariflich und über den Empfehlungen des AWO-Bundesverbands entlohnt werden. Bislang habe festgestanden, dass die beiden früheren Geschäftsführer Hannelore Richter und ihr Sohn Gereon Richter sowie der aktuelle Geschäftsführer Murat Burcu überhöhte Gehälter einstreichen oder eingestrichen haben. Vom Geschäftsführergehalt von Hannelore Richter sagt Hessenauer, dass es zeitweise doppelt so hoch wie das der Bundeskanzlerin gewesen sei. Welche anderen Führungskräfte überdurchschnittlich bezahlt wurden, möchte er nicht sagen.

Obwohl der frühere AWO-Vorstand am 22. Januar als eine seiner letzten Amtshandlungen beschlossen hatte, den bestehenden Arbeitsvertrag mit Hannelore Richter fristlos zu kündigen, wurde die Kündigung noch nicht vollzogen. Sie müsse erst gerichtsfest gemacht werden, sagt Hessenauer. Mit Burcu seien noch keine Gespräche über dessen Arbeitsvertrag geführt worden.

Die beiden Vorsitzenden halten den Organisationsaufbau für zu aufwendig. „Bei der Größe des Wiesbadener Kreisverbands ist ein Geschäftsführer ausreichend“, sagt Hessenauer. Bislang habe es drei gegeben. Auch die Fachbereichsleitungen seien mit zwei Personen überbesetzt. Die Bereichsleitung der Kindertagesstätten habe Gereon Richter und eine Frau inne.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hatte im Revisionsausschuss gesagt, dass sich das städtische Revisionsamt seit November und auf eigene Initiative mit den Vorwürfen gegen die AWO befasse. Es sei dabei zu bewerten, ob unter anderem die Zuwendungen an die AWO missbräuchlich verwendet werden und die Zuwendungshöhe angemessen sei. Laut Revisor Ralf Buch wird dies einige Monate in Anspruch nehmen. Buch hat jetzt weitere Prüfaufträge erhalten. Der Revisionsausschuss hat auf Anträge der CDU, AfD und FDP hin umfangreiche Fragenkataloge beschlossen, die der Magistrat beantworten soll.

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