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Kerstin Gärtner vor einem „Dosenhähnchen“, von dieser Zubereitung ist dringend abzuraten.

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Wiesbaden: Wie man Lebensmittel richtig verpackt und aufbewahrt

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Kaffee im Bambusbecher, Fisch in Alufolie gegrillt und leere Joghurtbecher wiederverwenden - eine Ausstellung in der Verbraucherzentrale informiert über Risiken und Alternativen in der Küche.

Die Idee mag praktisch und umweltfreundlich erscheinen, schlecht ist sie trotzdem. Wer leere Behälter von Speiseeis, Joghurtbecher oder Margarinedosen im Haushalt wiederverwendet – etwa, um Lebensmittel darin aufzubewahren oder einzufrieren – verkennt dabei die Risiken. „Solche Lebensmittelverpackungen werden nur zum einmaligen Gebrauch und spezifisch für diese Lebensmittel und bestimmte Temperaturen hergestellt“, sagt die Ökotrophologin Kerstin Gärtner. „Bei der Mehrfachverwendung kann sich das Material verändern und durch Hitze oder Spülmittel können sich Stoffe aus dem Plastik lösen und dann in die Lebensmittel übergehen.“

Bambus ist nicht nachhaltig

Kerstin Gärtner ist Beraterin der Verbraucherzentrale Wiesbaden und betreut die kleine, aber informative Ausstellung „Lebensmittelverpackungen und Küchenutensilien“, die aktuell dort zu sehen ist. Sie klärt über mögliche Gefahren von Lebensmittelverpackungen und Küchengeschirr auf und zeigt langlebige und unbedenkliche Alternativen. Zudem informiert sie über verpackungsarmen Einkauf, um Plastik und Müll einzusparen.

Tipps

Die Ausstellungin der Verbraucherzentrale Wiesbaden, Bahnhofstraße 36, dauert bis zum 15. Mai.

Sie ist geöffnetmontags von 10 bis 17 Uhr, dienstags von 12 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr.

Ein Verbrauchercafébeginnt am Montag, 16. März, um 15 Uhr mit Führung durch die Ausstellung und Themengespräch. Es dauert rund eine Stunde.

Mehr Informationensowie Podcasts gibt es online unter: www.verbraucherzentrale-hessen.de.

So werden beispielsweise Becher aus Bambus für den Kaffee unterwegs als umweltfreundlich und nachhaltig beworben. Tatsächlich seien sie das weder in der Produktion noch im Abbau, sagt die Expertin. Meist liege der Anteil der Bambusfasern bei nur 30 Prozent, dafür enthalten sie Kunststoffe wie Melaninharz, das nur bis 70 Grad Celsius hitzestabil sei. Das trifft auch auf Melanin-Geschirr zu, das gern beim Camping oder für Kinder benutzt wird, weil es bruchsicher ist. Viele Verbraucher wissen das aber nicht, sagt Kerstin Gärtner. „Völlig unverständlich“, findet sie, dass es sogar Kochlöffel und Pfannenwender aus Melanin gibt.

Das beim Grillen beliebte „Dosenhähnchen“ birgt ebenfalls gesundheitliche Risiken. Das Hähnchen wird über eine halbvolle Bierdose gestülpt und gegrillt, von der heißen Weißblechdose kann dabei giftige Farbe ins Fleisch übergehen. Längst gibt es auch gefahrlose Halterungen zu kaufen. Ebenso wenig sollte gesalzener Fisch mit Zitrone in Alufolie auf den Grill oder in den Backofen gelegt werden, da Säure und Salz Aluminium aus der Folie lösen können. „Lieber erst hinterher würzen“, rät die Ernährungswissenschaftlerin. Wegen der Korrosionsgefahr sollte Alufolie auch nicht benutzt werden, um Servierplatten aus Metall abzudecken.

Die haushaltsüblichen Frischhaltefolien aus Polyethylen gelten hingegen als gesundheitlich unbedenklich, sie enthalten auch keine Weichmacher. Anders sieht das bei den Folien aus, die im Handel verwendet werden. In ihnen stecken oft Weichmacherersatzstoffe, die nicht unumstritten sind. Verbraucher packen Wurst und Käse darum besser daheim in Frischhaltedosen oder unter die Käseglocke um. „Oft kann man inzwischen an Wurst und Käsetheken die eigene Dose gleich mitbringen“, sagt die Expertin.

Anstelle von Frischhaltefolie greifen einige Verbraucher mittlerweile zu Bienenwachstüchern. Sie sind jedoch teuer und lassen sich nicht heiß spülen. Zudem handelt es sich nicht immer um Bio-Baumwolle und pestizidfreies Bienenwachs. „Bei neuen umweltfreundlichen Alternativen sollte man schauen, ob es eine gute Alternative ist und wofür sie sich eignet“, sagt Kerstin Gärtner. So eignen sich Bienenwachstücher nicht für rohes Fleisch und Fisch – und auch nicht fürs Einfrieren, selbst wenn einige Verbraucher sie dafür verwenden.

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