Julia Rian und Rob Stecker (r) vom Language Theater dürfen sich nicht zu nahe kommen.
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Julia Rian und Rob Stecker (r) vom Language Theater dürfen sich nicht zu nahe kommen.

Theater in Wiesbaden

Wiesbaden: Kreativ gegen die Krise

  • vonMirjam Ulrich
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Die Freien Theater in Wiesbaden spielen wieder. Es gibt unter anderem Karten für Live-Streams und „Geistervorstellungen“.

Auf das Bühnenbild hat das Wiesbaden Language Theater (Welt) bei seiner ersten Premiere nach der Corona-Zwangspause kurzerhand verzichtet. Hauptsache, der Spielbetrieb läuft wieder, wenn auch mit einem anderen Programm als ursprünglich geplant. „Wir wollten nicht in Vergessenheit geraten, außerdem müssen wir Miete bezahlen“, sagt Keith D. Greenleaf, Geschäftsführer des „Welt“. Im Januar eröffnete das 2011 gegründete, gemeinnützige Theater nach jahrelanger Suche nach einer eigenen Spielstätte das Wiesbaden Performing Arts Center. Bald nach der ersten Premiere kam die Zwangspause. Das Theater ging kreativ damit um: Es bot die für die Bar eingekauften Getränke gegen Spende zur Abholung mit Maske an. „Es kamen viele Anwohner vorbei, die noch gar nicht wussten, dass es uns gibt“, berichtet Greenleaf. Bei der Gelegenheit fand sich sogar eine Kostümbildnerin, die dem Theater bislang fehlte. Die – allesamt ehrenamtlichen – Mitarbeiter riefen zudem die wichtigsten Spender an und erkundigten sich nach deren Befinden. Dabei erzählten sie von den geplanten Produktionen und nannten die Kosten dafür. Diese Aktion brachte weitere Spenden ein. „Wir haben viel vor und sind positiv gestimmt“, sagt Greenleaf. Als nächstes steht Mitte Juli die Premiere von „Hate Mail“ auf dem Programm.

Wegen der Pandemie ändern auch die Kammerspiele ihren Spielplan. Am Wochenende gab es das neue Programm von Katalyn Hühnerfeld zu sehen, der Spielbetrieb beginnt aber erst am 30. Juli. Am 15. August feiert die Komödie „Zuhause 1“ Premiere. Da das Theater nur 22 der 70 Sitzplätze belegen darf, gilt für die Karten ein „Corona-Preis“.

Im Schwarzen Theater arbeiten die für das Publikum unsichtbaren Spieler oft Hand in Hand. Das macht es dem Velvets Theater unmöglich, die Abstandsregeln auf der Bühne einzuhalten. Durch diese Regeln komme zudem für Zuschauer wie Künstler keine Theateratmosphäre auf und das Theater könne mit der reduzierten Auslastung auf keinen Fall die Kosten decken, teilt die Leitung auf der Website mit. Sie hofft, den Spielbetrieb im Herbst aufnehmen zu können und gibt ab Mitte Juni Ersatztermine für die ausgefallenen Vorstellungen bekannt.

Auch das Thalhaus sieht sich nicht imstande, die Corona-Auflagen des Landes Hessen einhalten zu können und beginnt erst wieder zur neuen Spielzeit am 2. September. Für das seit 42 Jahren bestehende Thalhaus ist durch die Einstellung des Spielbetriebs und den entstandenen Einnahmenausfall „eine prekäre Situation entstanden“, heißt es auf der Website. Es bietet daher Spendentickets zu zwölf Euro für fiktive „Geistervorstellungen“ an, um es zu unterstützen. Das Akzent Theater geht bis voraussichtlich zum 21. August in die Sommerpause, ohne den Spielbetrieb vorher aufzunehmen.

Das Theater im Pariser Hof hat nach eigenen Angaben sein „Hygienekonzept erweitert, Masken und Desinfektionsspender für unsere Gäste, Künstler und Mitarbeiter besorgt und die Reinigungspläne angepasst“. Die „Große Gitarrennacht“ mit Lulo Reinhardt, Yuliya Lonskaya und Daniel Stelter geht am kommenden Donnerstag, 18. Juni, gleich zweimal über die Bühne.

Ebenfalls am Donnerstag veranstaltet das Künstlerhaus 43 wieder einen Poetry Slam. Wegen der Corona-Auflagen gibt es dafür nur wenige „VIP-Tickets“, alternativ dazu bietet das Theater Karten für den Live-Stream an. Die Sommerfestspiele auf der Burg Sonnenberg fallen aus. Doch der nach eigenen Angaben größte Open-Air-Poetry Slam Hessens zieht vom Burggarten um in den Park vom Schloss Freudenberg. Am Donnerstag, 9. Juli, wetteifern abends acht Poeten mit selbstverfassten Texten. Tags darauf führt das Künstlerhaus43 dort ein Kindermusical auf.

Mit den Welturaufführungen von „Die Zauberine“ sowie „Ein Mann für heiße Stunden“ eröffnete das Galli Theater Wiesbaden bereits am ersten Juni-Wochenende wieder. Die Nachfrage nach Karten sei sehr gut gewesen, berichtet Viviane Hanna, Leiterin der Sparte Kinder- und Jugendtheater. „Inzwischen merken wir aber, dass die Angst noch sehr groß ist“, sagt sie. „Sogar Zuschauer, die ein Ticket gekauft haben, erscheinen nicht.“ Ihr zufolge schrieben viele Fans während der Zwangspause, doch derzeit komme eher Publikum, das das Theater erstmals besuche. Viviane Hanna hofft, dass die Zuschauer, die sich noch nicht ins Theater trauen, stattdessen weiterhin das „Galli Theater Cinema“ nutzen. Dafür produzierte das Theater eigens Filme der Märcheninszenierungen und Erwachsenenstücke. Zudem offeriert das Galli Training Center seit der Corona-Schließung Online-Kurse sowie wöchentlich eine Tanzmeditation@home an. Die nächste ist am kommenden Donnerstag um 19 Uhr. Seit Juni bietet es aber auch wieder Präsenzunterricht an, inklusive der Sommerferienkurse für Kinder – mit Hygieneregeln.

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