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Wiesbaden: Kein eigener Salat für Kleingärtner

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Nutzer einiger Parzellen „Am Wasserwerk“ sollen wegen PFC-Belastung auf Gemüseanbau verzichten. Die Produkte der Domäne Mechtildshausen können bedenkenlos verzehrt werden.

Keinen eigenen Salat, keine Kohlrabi und keine Erdbeeren – einige Kleingärtner der Anlage Am Wasserwerk sollen vorerst auf den Anbau essbarer Pflanzen verzichten. Die Kleingartenanlage liegt in direkter Nachbarschaft zum Erbenheimer US-Flughafen, von dem aus sich giftige per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) in geringer Konzentration in Grundwasser und Bächen verbreiten. PFC ist in Löschschaum enthalten, der auf der Airbase zu Übungszwecken eingesetzt wurde.

Nachdem bekanntgeworden war, wie hoch das Wasser auf dem Flughafen belastet ist, sagten die Behörden intensivere Analysen von Wasser- und Bodenproben aus Gärten und Feldern im Umfeld des Flughafens zu. Eine erste Risikoeinschätzung liegt nun vor. In den Proben des Brunnenwassers der ersten an die Kaserne angrenzenden Parzellenreihe der Anlage Am Wasserwerk wurde ein PFC-Stoff minimal über dem Richtwert für Trinkwasser gefunden.

Im Gartenboden dieser Parzellen wurde zudem ein anderer PFC-Stoff festgestellt, ebenfalls leicht über dem Trinkwasser-Richtwert. „Für Brunnenwasser und Boden gibt es keine Richtwerte“, teilt Kathrin Hartfiel vom Wiesbadener Umweltamt mit. Daher werde der Richtwert für Trinkwasser als Einordnung verwendet, „obwohl Brunnenwasser nicht in Mengen getrunken wird“, und Boden schon gar nicht. Insgesamt sei die Lage nicht dramatisch, vorsorgehalber würden aber Vorkehrungen getroffen. Die Stadt empfiehlt den Nutzern dieser Parzellen, zurzeit keine essbaren Pflanzen zu ziehen.

Die Mitarbeiter des Umweltamts wunderten sich darüber, dass in Wasser und Boden unterschiedliche Stoffe auftauchten. „Das spricht für unterschiedliche Ursachen“, erklärt Hartfiel. Das im Boden nachgewiesene PFC könne auch von Lacken, Hydraulikölen oder Sprays kommen und sei in zahlreichen modernen Produkten vorhanden.

In einer zweiten Untersuchungsstufe im Mai sollen Wasser und Böden der zweiten Parzellenreihe, die etwas weiter entfernt von der Airbase liegt, analysiert werden. „Damit wollen wir das Ausmaß der Belastung herausfinden werden“, sagt Hartfiel. Nach ihrer Einschätzung ist es unwahrscheinlich, dort fündig zu werden, da in der dritten und fünften Reihe keine PFC-Stoffe entdeckt worden seien. Die Analysewerte sollen vor der Ernte vorliegen, um gegebenenfalls vor dem Verzehr des Selbstgezogenen zu warnen. Die Analyse unterschiedlicher Fleischprodukte und Feldfrüchte der Domäne Mechtildshausen ergab keine Belastungen. Lediglich in der Leber von Hühnern und Rindern wurden geringe PFC-Konzentrationen entdeckt. Dennoch wird die Ware laut Hartfiel nicht aus dem Verkehr gezogen.

Das Hessische Landeslabor urteilt, dass in Anbetracht gewöhnlicher Verzehrmengen der Genuss von Hühner- oder Rinderleber unbedenklich sei. Die Proben aus anderen Gärten und Brunnen ergaben keine erhöhten PFC-Werte. Wenn Stoffe gefunden worden seien, lägen sie nur geringfügig über der Nachweisgrenze und deutlich unter dem Richtwert für Trinkwasser.

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