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Er soll es richten: Gert-Uwe Mende in Dotzheim bei der Nominierung des OB-Kandidaten.

Oberbürgermeister-Kandidat

Gert-Uwe Mende zum OB-Kandidaten der Wiesbadener SPD gewählt

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Die Wiesbadener SPD-Mitglieder wählen Gert-Uwe Mende nahezu einstimmig zu ihrem OB-Kandidaten. Mende soll für einen „Neuanfang“ stehen.

Am Ende gab es Jubel und langanhaltenden Applaus: Mit 98,96 Prozent der Stimmen wählte die SPD Wiesbaden Gert-Uwe Mende am Samstag zum neuen Oberbürgermeisterkandidaten. Der 56-Jährige erhielt 190 von 192 abgegebenen Stimmen bei zwei Enthaltungen. Von den insgesamt 1869 stimmberechtigten Mitgliedern nahmen 202 an der Versammlung teil, darunter auch Amtsinhaber Sven Gerich. Er tritt nicht mehr an, gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Vorteilsannahme. Gegenkandidaten zu Mende gab es keine.

In seiner Bewerberrede präsentierte sich der Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion und Ortsvorsteher Dotzheims als freundlicher, sympathischer und kompetenter Kandidat, der seine Parteifreunde zu begeistern wusste. Seine 30-minütige Rede wurde zunehmend von Beifall unterbrochen. Als seine Stärken nannte er seine Verwaltungserfahrung, Kreativität und Kommunikation. Es schmerze ihn, wenn Wiesbaden als „Filzbaden“ verspottet werde. „Mir liegt es am Herzen, in der Stadt einen politischen Klimawandel zu mehr Miteinander und Vertrauen zu erreichen.“

Sven Gerich gebühre Respekt dafür, dass er Konsequenzen gezogen und Verantwortung übernommen habe. Mende erinnerte an dessen Verdienste wie etwa die Ansiedlung der Fresenius-Hochschule oder das deutlich verbesserte Klima in der Stadtverwaltung. Daran wolle er anknüpfen.

„Zusammenhalt in der Stadt“ als Wahlkampfthema

Den „Zusammenhalt in der Stadt“ nannte er als Oberbegriff seiner Wahlkampfthemen: mehr bezahlbare Wohnungen, eine Mietpreisbremse der kommunalen Wohnungsgesellschaften, Klimaschutz sowie saubere und bezahlbare Mobilität. Zudem bezeichnete er es als „Aufgabe der Stadt, strukturelle Benachteiligung zu überwinden“. Transparenz bei den städtischen Unternehmen, Begrenzung der Aufsichtsratsmandate und einen Beteiligungskodex von 30 Prozent für Frauen nannte er ebenso wie die Förderung von Ehrenamt, Sport und Kultur. „Ich liebe Wahlkampf“, sagte Mende. Er wolle sich die Hacken ablaufen, sich den Mund fusselig reden und werde kämpfen, rief er seinen jubelnden Parteifreunden zu.

Zuvor hatte die Vorsitzende der Findungskommission, Christa Gabriel, nochmals deren Auswahlkriterien erläutert: Es sollte ein Parteimitglied aus Wiesbaden sein, jemand, der sich von den Kandidaten der anderen Parteien abhebt und Wahlkampf beherrscht, Verwaltungserfahrung sei von Vorteil.

Die Kommission schlug Gert-Uwe Mende als Kandidaten vor, „weil er den nötigen Abstand vom Rathaus und den dortigen Querelen hat und für einen Neuanfang steht“. Und er könne ohne Einarbeitung sofort professionell in den Wahlkampf einsteigen – das nannte Christa Gabriel auch als Grund, warum sich keine Frau als Kandidatin fand. Der Arbeitskreis der Sozialdemokratischen Frauen (ASF) stehe geschlossen hinter Mende, sagte dessen Vorsitzende Susanne Hoffmann-Fessner. „GUM ist ein guter Mann“, versicherte auch Katharina Euler von den Jusos.

Hessens SPD-Partei- und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sprach Sven Gerich Respekt und Anerkennung aus. Wiesbadens SPD habe schon vorher Auf und Ab erlebt, sich aber jedes Mal wieder zurückgekämpft. Gert-Uwe Mende nannte er einen „Problemlöser“, „Problemsucher“ gebe es schon genug. Zwar habe die Partei kurzfristig ohne Kandidaten dagestanden, sagte Inge Gröbel, Vorsitzende des Erbenheimer SPD-Ortsvereins. „Aber Gert-Uwe Mende ist alles andere als eine Verlegenheitslösung.“ Dass Mende den Wiesbadenern bislang kaum bekannt sei, sei „in diesem Wahlkampf kein Nachteil“, sagte Dezernent und Kämmerer Axel Imholz. Schließlich ergehe es den anderen Kandidaten genauso, befand er und verwies auf Umfragen zur Bekanntheit der Lokalpolitiker. Auch der Name des damaligen Fraktionsvorsitzenden Sven Gerich sei den Bürger kein Begriff gewesen, als er im Mai 2012 mit 93 von 100 Stimmen von der Wiesbadener SPD zum OB-Kandidaten gekürt wurde. Die Stichwahl im März 2013 gewann er überraschend mit 50,8 Prozent.

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