Renaturierte Bäche wie hier der Welltritzbach lassen die Umgebung besser abkühlen.
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Renaturierte Bäche wie hier der Welltritzbach lassen die Umgebung besser abkühlen.

Wiesbaden

Wiesbaden: Frischluft aus dem Wellritztal

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Die Bürger der Landeshauptstadt Wiesbaden können sich auf einer neuen digitalen Plattform über das Stadtklima informieren.

Mit einem Klick können Interessierte jetzt direkt zum Heilquellenschutz gelangen. Die gesetzliche geschützte Fläche reicht von der Innenstadt über Wiesbaden Nord-Ost bis nach Sonnenberg hinein. Die Felder zwischen Igstadt und Bierstadt, ein paar Klicks weiter, sind dagegen für Freiraum, Landwirtschaft, Erholung und zur Regeneration des Grundwassers vorgesehen, einsehbar auf der Karte „Vorrang Natur und Landschaft“.

Das Umweltamt hat jetzt die neue digitale Plattform „Landschaftsplan“ eröffnet, ein internetgestütztes Geoinformationssystem, das aktuelle Karten zum Stadtklima und zum Klimawandel, den gültigen Landschaftsplan, Kartierungen von Flora, Fauna und Biotoptypen und anderes bereithält. Die Handhabung ist auch für Laien einfach und verständlich. Das Portal soll die Informationen zur Landschaftsplanung transparent machen, damit sich Bürgerinnen und Bürger leichter damit befassen können.

Landschaftsplanung online

Die Plattform präsentiert den seit 2002 gültigen Landschaftsplan, seine Teilfortschreibung 2018 und themenbezogene Fachgutachten.

Schwerpunkt Klimawandel : 1971 bis 2000 gab es auf dem Taunuskamm durchschnittlich 1,7 und in der Wiesbadener Innenstadt 21,5 heiße Sommertage mit bis zu 30 Grad Celsius . 2031 bis 2060 werden es auf dem Taunuskamm 9,3 und in der City 35,4 heiße Tage sein. mre

wiesbaden.de/umwelt

„Wir möchten, dass viele Leute an der Stadtentwicklung mitarbeiten“, sagt Dagmar Ringsdorf von der Abteilung Landschaftsplanung im Umweltamt, die mit Winfried Probst maßgeblich für das Portal verantwortlich ist. Außerdem hofft sie, dass sich auch Stadtplaner mit dem Landschaftsschutz beschäftigen. „Unser Auftrag ist es, die natürlichen Lebensgrundlagen zu analysieren und zu bewerten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, sagt Probst.

Das Portal ist zudem als Beitrag des Umweltamts zum aktuell in der Bearbeitung befindlichen Flächennutzungsplan gedacht. „Wir werden mehr Gewicht auf das Klima legen müssen“, sagt Umwelt- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne).

Abrufbar sind auch aktuelle Karten zum Stadtklima und dem Klimawandel. Basierend auf den Karten des Deutschen Wetterdienstes für das Klimaprojekt „Klimprax“ für die Städte Wiesbaden und Mainz und weiteren Fachgutachten hat Probst Klimafunktionskarten eingestellt, die anschaulich darstellen, wie sich der Klimawandel auswirkt. Die Nutzer können unter dem Reiter „Fachgutachten Klimawandel“ mit dem Cursor auf das Viertel ihrer Wahl gehen, woraufhin ein Textfeld mit den zu erwarteten Temperaturen aufgeht. In Biebrich etwa wird sich die Zahl der errechneten Tropennächte über 20 Grad ab 2030 verdreifachen, in Medenbach vervierfachen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass nicht noch mehr gebaut wird. Denn zusätzliche Versieglung heizt das Kleinklima auf.

„Das erhöht die Bedeutung der Täler“, sagt Probst, „ihre Funktion muss aufrechterhalten werden.“ Die Täler des Wellritzbachs, Kesselbachs und Schwarzbachs etwa, die sich vom Taunus ins Stadtgebiet ziehen, sind die einzigen Flächen, wo es auch künftig kühler bleibt. Sie befördern Kaltluft in die Stadt, in abgeschwächter Form bis zum Rhein. Diese Kaltluftleitbahnen sollten unbedingt frei gehalten oder, wenn bebaut, „saniert“ werden, sagt Ringsdorf. Begrünte Dächer und Fassaden und entsiegelte Flächen würden zur Kühlung der Umgebung beitragen. Das Ostfeld, wo ein Wohngebiet und ein Gewerbegebiet geplant werden, ist als Kaltluftentstehungsgebiet gekennzeichnet. Ob das die Planer umdenken lässt? Die Karten sollen stets aktualisiert werden.

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