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Wiesbaden

Auf zur Weinwoche nach Wiesbaden

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Wiesbaden feiert ausgiebig den Rheingauer Riesling. Einige Auserwählte dürfen sogar den Neroberg-Tropfen kosten.

Ach, auf dem Neroberg wächst auch Wein? Wie schick“, schiebt die Frau mit der Sonnenbrille im Haar noch hinterher. Ja, das weiß hier kaum einer, der mit dem Weinglas in der Hand an einem der rund 100 Weinstände zwischen Marktkirche und Landtag, Rathaus und zentralem Marktplatz dem Genusse frönt. Unter Tausenden mit dem gleichen Begehr. Oben auf dem Hausberg, mit herrlichem Blick auf die Stadt, dürfen etwa 30 Auserwählte ein kleines Weinfest im großen brodelnden Weinfest feiern. Dem Grafen Philipp von Nassau-Idstein haben sie es zu verdanken, dass sie hier im Frühabendsonnenglanz einen „Neroberger“ serviert bekommen, mitten auf dem Weinacker, wo im 16. Jahrhundert die ersten Rebstöcke angepflanzt wurden. Lecker, so ein Neroberger, hochinteressant die Historie dazu.

Die Weinwoche endet am Sonntag, 18. August. Die Stände sind täglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet, am Freitag und Samstag bis Mitternacht.

Die Weinprobe auf dem Neroberg wird am Freitag und Samstag (17.30 Uhr) angeboten. Vom Turm der Marktkirche aus kann man das bunte Gewimmel und Gebrummel am Dienstag und Donnerstag (16 Uhr) sehen und hören. jüs

In den Niederungen der Innenstadt tobt da schon fast der Wein-Bär, von Stunde zu Stunde wird das Geschiebe an der „längsten Weintheke der Welt“ enger. Der Geräuschpegel wird lauter, durch drei Musikbühnen mittendrin wächst er noch erheblich an. Die Wiesbadener und ihre in diesen Tagen vermehrt internationalen Gäste mögen das. Furchtlose Briten haben ihre Weingläser auf den Betonpollern im Eingang zur Festmeile geparkt. Andere lagern mit Wein, Weib und perfekt arrangiertem Käseteller auf den Stufen zum Haupteingang der ehrwürdigen Marktkirche, die nicht ganz so alt ist wie der Weinbau auf dem Neroberg. Beim Blick nach oben scheint die Turmspitze vor dem weißblauen Himmel zu schwanken, da reicht schon ein „Lorcher Boden-Steinberg Riesling Erstes Gewächs“, das Nulleinser-Glas zu sieben Euro.

Es gibt gegen 18 Uhr tatsächlich noch leere Tische im Geviert, aber die sind alle reserviert. Erfahrene Gäste sorgen vor. Das Andere sind Improvisationskünstler, die zeigen, dass ein kleiner runder Stehtisch Platz für neun Frauen, einen Mann, ungefähr 19 Gläser und zwei Antipasti-Teller bieten kann. Der einheimische erfahrene Stammgast Paul G. in seinen Fünfzigern sieht das Menschengewühl entspannt. „Ist immer voll hier, ist doch Weinfest.“ Eine einfache Erklärung. Unter der Woche wird Paul G., wie viele andere Wiesbadener, in der Mittagspause schon mal kurz vorbeischauen. 

Türkischen Wein fibt es aus der Partnerstadt.

Am Rand des Dern’schen Geländes schwebt das Symbol des Festes über der Menge, ein riesiger goldener Weinpokal, geformt aus hunderten goldenen Luftballons. Den Ehrenstand mit der Nummer 1 haben beim Rheingauer Weinfest Gäste aus dem türkischen Fatih bekommen, Wiesbadens jüngster Partnerstadt. „Es ist der zweite Versuch, türkischen Wein in Europa bekannt zu machen“, sagt Hartmut hinter dem Tresen. Nicht einfach, gegen den Riesling anzukommen. Nicht einfach, sich mit Rebsorten mit so schwer aussprechbaren Namen wie Kinal Yapincak oder Karasakiz gegen einen Hattenheimer Nussbrunnen durchzusetzen. Noch eine Woche haben die Wiesbadener Zeit, sich mit den exotischen Weinen anzufreunden.

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