Die Domäne Mechtildshausen verkauft Lebensmittel aus Öko-Landwirtschaft.
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Die Domäne Mechtildshausen verkauft Lebensmittel aus Öko-Landwirtschaft.

Wiesbaden

Wiesbaden: Domäne Mechtildshausen als Ausbildungscampus

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Weniger Vieh, aber eine Lohnschlachterei: Der landwirtschaftliche Bio-Betrieb in Wiesbaden soll schrumpfen, dafür sollen mehr externe Erzeuger ihre Produkte im Hofladen verkaufen können.

Die Domäne Mechtildshausen soll zum Ausbildungscampus werden und gleichzeitig Bauernhof und Verkaufsstätte bleiben. Die Geschäftsführung der Wiesbadener Jugendwerkstatt (WJW), zu der die Domäne gehört, plant, die bisherigen Werkstätten in der Hasengartenstraße aufzugeben und die Ausbildung für die 400 Auszubildenden auf dem Hofgut Mechtildshausen zu bündeln. Außerdem sollen die Standorte Gassenbacher Hof in Idstein, wo die Domäne Rinder hält, und Klarenthal aufgegeben werden.

Dies sind einige Eckpunkte aus dem Konzept zur wirtschaftlichen Entwicklung der Domäne, die WJW-Geschäftsführer Werner Backes im Umweltausschuss vorstellte. Über die Zukunft der Domäne wird seit 2019 heftig gestritten. Die Grünen sehen die Verkleinerung des Öko-Betriebs kritisch und verlangen ein Wirtschaftlichkeitskonzept – Dezernent Christoph Manjura (SPD) dagegen legt den Fokus auf die Ausbildung und nicht auf die Landwirtschaft, denn das Hofgut fährt jährlich ein Defizit von zwei Millionen Euro ein. Geld verdienen lässt sich seines Erachtens besser mit den Ausbildungsvergütungen der öffentlichen Hand. Die Grünen verweisen aber auf dem boomenden Biomarkt. Doch davon hält Manjura nichts. Der Aufsichtsrat soll das neue Konzept im September beschließen.

Die Zeiten, in denen Öko-Lebensmittel nur auf der Domäne erhältlich waren, seien vorbei, erklärt Backes. Die Auszubildenden, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nur geringe Chancen haben, lernen in der WJW vor allem ein Handwerk oder einen kaufmännischen Beruf. An landwirtschaftlichen Berufen fehle das Interesse. Nur 50 Azubis, vornehmlich Gärtner, seien der Landwirtschaft zuzuordnen, darunter nur ein Tierpfleger und ein Landwirt.

Schlachtung ausbauen

„Wir möchten die Domäne und die Wiesbadener Jugendwerkstatt als Marke entwickeln“, sagte Backes. Dennoch soll die Domäne als landwirtschaftlicher Bioland-Betrieb erhalten werden. Die Viehhaltung sei aber nicht rentabel, die Pacht für die Weiden im Taunus zu hoch, die Weiden zu weit entfernt. Das Futter für die verbleibenden Tiere müsse in höherem Maße zugekauft werden. Um das Hofgut für Familien attraktiver zu machen, sind Schafe oder Ziegen als Streicheltiere für Kinder vorgesehen, zudem ein grünes Klassenzimmer. Künftig sollen vermehrt auch andere Erzeuger ihre Bioprodukte in den Geschäften auf dem Hofgut vermarkten können. Das gastronomische Angebot soll neu ausgerichtet werden. Am Bioland-Siegel werde festgehalten.

Die Verantwortlichen sehen für die Schlachtstätte eine Renaissance als Lohnschlachtstätte. „Wir wollen mit unseren eigenen Metzgern die Fremdschlachtung ausbauen und uns in diesem Geschäftsfeld stärker aufstellen“, sagt Backes. Die Stadt bezuschusst das Vorhaben.

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